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Ingenieur Joh. von Radinger



Ein glücklicher Umstand fügte es im Spätherbst 1896, daß der Professor des Maschinenbaues Joh. von Radinger in den Besitz der ersten Manuskripte Hörbigers über Teilgebiete seiner Glazialkosmogonie gelangte.  Von Radinger lehrte an der Wiener technischen Hochschule.  Schon bald nach der begonnenen Lektüre schrieb er Hörbiger nach Budapest, ihn als Konsorten zu begrüßen und seiner hellen Freude Ausdruck geben zu dürfen über das Werk, dessen neue und kühne Gedanken er bereits zur Hälfte "verschlang".  "Vieles ist mir so einleuchtend, daß ich den Fund der Wahrheit darin erschaue und mich drängt es, dies Ihnen unumwunden und ich möchte sagen mit Stolz zu schreiben, da ich nun nicht mehr länger der einzige Maschinenbauer (seit Redtenbacher) bin, der sich mit astronomischen Dingen beschäftigt".

Radinger befaßte sich schon seit geraumer Zeit mit astronomischen Studien und arbeitete fast anderthalb Jahrzehnte an einer Hypothese über die Geschwindigkeitsverhältnisse der Planeten im dichten Mittel des Sonnenraums.  Er verschweigt auch nicht die Bedenken, die er über einige Ansichten Hörbigers hegt in Hinblick auf Flutwirkungen, Atmosphärenursprung der Planeten u. dgl. m.  "Daß ich über die vermeintlichen Fehler so unverantwortlich lang schreibe und nicht über die Seiten, welchen ich zustimme, nehmen Sie wohl nicht ungünstig hin.  Wir Menschen sind eben so.  Dagegen scheint mir Ihre Hypothese abnehmender Schwerkraft im steileren Maße als nach Newton als sehr bemerkenswert und wirklich angemutet gehe ich an das weitere Studium Ihres Manuskriptes."

Hörbiger antwortet umgehend in der ihm eigentümlichen ausführlichen Weise und verschweigt auch nicht seine ersten, wenig ermunternden Erfahrungen mit entsprechenden Leuten der Wissenschaft.  Doch Radinger offenbart sich ihm kurz darauf gewissermaßen als Leidensgenosse, erzählt, wie er über die Teilnahmslosigkeit der Kollegen ein Lied singen könne, und wie er stets wenig Verständnis für neue Ideen als nicht abgestempelter "Fachastronom" fand.
"Auch für mich hatte weder Direktor Weiß noch der Adjunkt der Sternwarte Palisa nur die Zeit des Anhörens, obgleich ich mich gratis an den Konstruktionen der Sternwarte, an der Drehkuppel, den Meridianschlitzen bei deren Neubau beteiligte.  Zeichnen kann überdies keiner der Astronomen und von allem, was außerhalb ihrer handwerksmäßig benützten Formeln liegt, haben sie keine Idee....
Wohl hörten mich vor zirka 10 bis 12 Jahren Oppolzer in Wien und Helmholtz in Berlin aufmerksam an.  Beides waren wahrhaft große Männer, aber beide sagten mir: 'Es scheint alles einleuchtend, Widerspruch vermag ich nicht zu erheben, aber es ist unbedingt nötig, daß Sie die Sache drucken lassen, damit man sie mit Muße zu verfolgen vermag'."  Aber zum Druck war Radinger bis dahin nicht gelangt und wollte auch seine Ideen erst tüchtig ausreifen lassen.  "Um Rat frage ich niemanden mehr, denn es gibt niemand, der maßgebend und gleichzeitig so hochstehend wäre, daß er fremdem Gedanken sich weiht."  Hier hat Radinger wohl allenthalben recht, denn Hörbiger erging es ja, abgesehen von eigenen Fehlern, die die Verbreitung seiner Glazialkosmogonie hemmten, nicht viel anders.  Es steckt viel Wahrheit in der Bemerkung des Meidens von großen Gedanken anderer, es scheint ja auch in der Regel viel angebrachter zu sein, der Bequemlichkeit zu huldigen oder mißliebig zu schnüffeln, wo einer herkommt und was er "studierte"!

Radinger hatte gewiß schon manch Unerfreuliches erlebt.  Auf der Chicago-Ausstellung fand er einmal sein Jahre zuvor erschienenes Fachwerk über Kolbengeschwindigkeitsverhältnisse sozusagen in englischer Kopie aus der Feder eines anderen vor, und deshalb ergeht auch sein Rat an Hörbiger, sich nicht an die Lick-Sternwarte zu wenden.  "Möglicherweise ergibt es sich, daß sich eine derartig gleiche Denkungsweise entpuppt, daß Sie eines Tages Ihre Hypothesen unter fremden Namen gedruckt finden können....  Auf Ihre Theorie über den Mars bin ich sehr begierig.  Aber glauben Sie nur ja nicht, daß die Welt in Aufruhr kommt, wenn auch eine neue Wahrheit am Himmel erschaut wird!"  Ein Manuskript, das Radinger einmal (1885) der Akademie der Wissenschaften zur Veröffentlichung vorlegte, und das er Hörbiger übersendet, findet folgende kurze Deutung seines Schicksals: "Es wurde nicht zur gewünschten Veröffentlichung angenommen, weil, wie mir der Sekretär der Akademie Prof. Sueß mitteilte, dasselbe zu wenig 'wissenschaftlich' sei.  Es fehlen nämlich alle Fußnoten, aus welchen man die Wurmarbeit des Nachlesens in der Literatur und die Quelle der Behauptung, daß 2 mal 2 = 4 sei, deutlich entnehmen könnte!"  Es will einleuchten, daß ein derartiger Partner sich nur wertvoll für Hörbigers Eigenleben erweisen konnte; er mußte und sollte einsehen, daß man nicht mit dem Kopf durch eine Wand rennen kann, auch wenn man einen neuen Himmel erschaut hat.  Und er konnte daraus zugleich die Lehre ziehen, die Geduld nicht zu verlieren.

Mit viel Hingebung, viel Liebe und vielem Fleiß hatte Radinger die restlichen Manuskriptseiten Hörbigers studiert und überall, wo er Bedenken hatte, dies deutlich unterstrichen.  Mögen nun diese Bedenken zum Teil auch nur darauf zurückzuführen sein, daß Hörbiger ja damals seine Perspektiven bei weitem noch nicht so eingehend fundiert hatte wie in späteren Zeiten, so gaben sie doch Hörbiger bedeutsame Anregungen und zwangen ihn in besonderen Dingen erheblich tiefer zu graben.  Man braucht nur eine beliebige Stelle aus einem vorliegenden achtseitigen Novemberbrief (1896) Radingers herauszugreifen, um zu überzeugen, wie aufrichtig ernst es der von der Gedankenfülle Hörbigers als Ganzes durchaus eingenommene Gelehrte meinte.  "Mittlerweile sammeln Sie die Beweisstücke für Ihre Erkenntnisse.  Ob die Milchstraßenkörper im eigenen oder im reflektierten Sonnenlicht leuchten, dürfte sich wahrscheinlich feststellen lassen, und ebenso, ob das Licht des Mondes von Eisflächen herrührt.  Ich glaube ja letzteres, aber wenn die Spektralanalyse einen Beweis dafür zu erbringen vermag, so müssen Sie ihn kennen und anführen.  Ein Negieren fest erwiesener Beobachtungen ist ohne weiteres gänzlich unzulässig und ein vermuteter Fehler darinnen darf erst auf Grund anderer, ebenfalls fest zu erweisender Tatsachen zur Aussprache gelangen.  Reflektiertes Licht erscheint unter gewissen Verhältnissen polarisiert.  Wenn nämlich die Tangente des Auffallwinkels gleich ist dem Brechungswinkel des spiegelnden Materials, geht der Lichtstrahl polarisiert hintan.  Unter den Millionen Eisstücken Ihrer Milchstraße wird sich doch Eines finden müssen, dessen Spiegelfläche der oberen Bedingung (welche mir gestern unser Physikprofessor, den ich diesbezüglich fragte, mitteilte) eben entspricht.  Ebenso müssen sich Streifen oder Punkte am Monde finden, welche polarisiertes Licht uns zusenden. 
Wenn daher von einer Mondebene regelmäßig zu einer bestimmten Stunde polarisiertes Licht ausgeht, während dieselbe Ebene vor und nach nur normales Licht zeigt - und wenn diese Mondfläche eben unter jenem Winkel steht, unter welchem tga = k ist, und das k der Brechungs-Koeffizient für durchsichtiges Eis ist - dann ist Ihre Anschauung bewiesen und Sie haben das Recht und die Pflicht, mit dieser bewiesenen Tatsache vor die Welt zu treten...."
Ohne Zweifel gehörte Radinger zu jenen verhältnismäßig wenigen begnadeten Gelehrten, die den Werdegang einer neuen, nach Licht drängenden Idee richtig begriffen.  Die Voraussetzung eines großzügig intuitiv Erschauten ist notwendig da, man darf diesem seine Anerkennung nicht versagen, denn es ist der Wesenszug des Genialen, des Schöpferischen.  Nun aber können erst die Kärner, die gelehrten Handwerker kommen, die Details bearbeiten und ihrerseits versuchen, in zäher Kleinarbeit zu einer verneinenden oder bejahenden Stellungnahme in Einzelfragen zu gelangen.  So nur kann sich auch das schließliche Schicksal der Welteislehre erfüllen.  Es müssen nur Gelehrte am Werke sein, die ähnlich denken und folgern, wie es Radinger tat!

Zumal der briefliche Gedankenaustausch der nächsten beiden Jahre (1897 und 1898) konnte sich für Hörbiger nur nützlich erweisen, wenn auch manch übertriebene Randglosse an den Briefen Radingers von seiner Unduldsamkeit zeugt.  Bemerkungen wie "falsch! falsch!" oder "Aber Herr Professor, bitte um Geduld, das Haarspalten kommt zum Schluß" sind nicht gerade selten.
Es zeugt für die große Verehrung Radingers dem werdenden Werke Hörbigers gegenüber, daß er die erste gegebene Gelegenheit ergriff, öffentlich für den Welteisdeuter einzutreten.  Es geschah dies anläßlich der Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Fachgruppe der Maschineningenieure des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins.  Radinger hatte die Festrede zu halten und (wie er am 9. Dezember 1899 an Hörbiger schreibt) "um zu zeigen, wie unsere Augen auch über die Alltagsgrenzen hinauswachsen -, führte ich Ihre neue Theorie vor.  Der begrenzten Zeit wegen konnte dies nicht völlig geschehen und ich schloß im mündlichen Vortrag mit dem bis zum Verlöschen der Sonnenschwere reichenden Teil".  In dem für den Druck der Rede bestimmten Manuskript hatte Radinger sich dann noch ausführlicher verbreitet, doch sind diese "Anmerkungen", obwohl schon gesetzt gewesen, nicht erschienen.  Hörbiger hatte eine Korrektur davon erhalten, aber so viel verbessert und dazugeschrieben, daß der Abdruck der Ergänzungen aus technischen Gründen unmöglich wurde.  Auch war keine Zeit mehr zu verlieren, denn der Abdruck der Festrede mußte noch in der letzten Dezembernummer der Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins erscheinen.  So ist tatsächlich nur der Wortlaut des mündlichen Vortrages veröffentlicht worden, und zwar vor rund dreißig Jahren!
Es bereitet an sich hohen Genuß, diesen Vortrag heute noch zu überlesen.  Er gibt am vollendetsten ein Bild von der großzügigen und weitschauenden Denkungsart Radingers und dem beschwingten Fluge dieses mehr stillen Kämpfers.  Ebenso hinreißende wie klare und gleichnisstarke Worte versuchen ein Bild der technischen Errungenschaften zu geben, wie insbesondere der Maschinenbau trotz seines kurzen Bestandes die Kultur der Menschheit in den letzten hundert Jahren ganz wesentlich gefördert hätte.  "Was aber außer der immer wachsenden Verbesserung und Vergrößerung des Bestehenden das Große ist, was das kommende Jahrhundert im Gebiete des Maschinenbaues erbringen wird, ist uns wohl noch unbekannt, aber es mehren sich die Anzeichen, daß der Maschineningenieur, dessen allumfassende Kenntnis und Benützung der Naturgesetze von keinem anderen Stande übertroffen, dessen ganze Geistesrichtung von keinem Autoritätsglauben beschränkt wird, der es gewohnt ist, frei am Boden der Wahrheit stehend, nur seiner eigenen Ansicht Raum zu geben, auch auf anderen als seinen eigentümlichen Gebieten klärend und machtvoll auftreten werde.  Nicht nur die Landwirtschaft und das Bauwesen, der Berg- und Hüttenwerksbetrieb und die chemische Industrie und selbst die Herstellungen der Kunst werden von ihm jährlich mehr beeinflußt, sondern selbst auf die entlegeneren Bereiche der reinen Wissenschaften, Anatomie, Mathematik, Physik und der Astronomie macht er schon jetzt manch bahnbrechenden Schritt.  Als Beispiel hierzu will ich mir gestatten, eine Hypothese des bekannten Ingenieurs H. Hörbiger, dem Konstrukteur jenes Gebläse- und Kompressoren-Ventils, welches in einer Anzahl von über tausend Stück, seinen Namen tragend, in vielen Hütten von Siebenbürgen bis Westfalen hin angewendet ist, zu berühren.  Die Hypothese dieses erfahrenen und gewiß kühl und abgeklärt denkenden Maschineningenieurs sucht das Auftreten der Sternschnuppenschwärme im Zusammenhange mit Sonnenflecken und Sonnenfackeln auf eine neue, den Astronomen noch unbekannte Weise zu erklären und rechnerisch festzustellen, und da der letzte, erwartete Leonidenschwarm die Veranlassung gab, daß Ingenieur Hörbiger sie mir erstmals vorbrachte, denke ich, daß ihre Andeutung auch Ihr Interesse wecken werde."  (Hörbiger hatte ja am 13. November 1899 einen Vortrag über das Leonidenproblem in der Wiener Technik gehalten.)
Insbesondere die von Hörbiger vertretene Anschauung über die abzuändernde Schwerkraftsformel entwickelte Radinger dann vor seinen Hörern und beschließt seine Ausführungen über Hörbiger mit folgenden Worten: "Ich habe nun mit anderen Fachfreunden über diesen Teil der Anschauung des Ingenieur Hörbiger gesprochen und diese verhalten sich nicht ablehnend dagegen.  Prof. Hofrat Finger unserer technischen Hochschule sagte mir, daß er sich selbst mit der Frage der zu ändernden Gravitationsformel seit zirka drei Jahren beschäftige und mit anderen Gelehrten darüber in Verkehr stehe.  Mir persönlich scheint es auch, daß Abnahme der Gravitation bis zu Null in endlicher, wenn auch großer Ferne glaubwürdig sei, da das Gegenbild hierzu sich in einer Zunahme der Massenanziehung in endlicher, wenn auch kleinster Ferne findet, wie die Kapillarwirkung und der untrennbare Zusammenhang der Atome verrät.  Der bemessenen Zeit halber kann ich hier nicht auf die großen Folgerungen eingehen, welche vorerst Hörbiger allein daran knüpft.  Aber ein Bild und einen Erweis mag es uns geben, wie der Maschineningenieur nicht in den engen Alltagsbezirken sein Genügen findet, sondern dank seines wissenschaftlich strebenden Geistes auch in alle Höhen und alle Tiefen zu greifen vermag, wie immer der alte Prometheuszwang ihn drängt."

Obwohl Radinger sich dafür verwandt hatte und auch der Zustimmung der Schriftleitung gewiß war, daß Hörbiger den nicht erschienenen Teil der Anmerkungen (seine Glazialkosmogonie als Ganzes erfassend) erweitern und als selbständige Arbeit erscheinen lassen konnte, hatte Hörbiger dies versäumt zu tun. 
Radinger hat dies später lebhaft bedauert, da eine günstige Gelegenheit verpaßt worden wäre, mit seinen Ideen rechtzeitig in weitere Kreise zu dringen.
Nun, derartige Gelegenheiten hat Hörbiger in seinem Leben des öfteren verpaßt und sich dann hinterher manchmal zu unrecht beklagt, daß er so wenig Verständnis für seine Weltenschau finde!
Was ihn aber dazumal hinderte, den gutgemeinten Ratschlägen des Freundes zu folgen, darf auch nicht verschwiegen werden.  Radinger hatte noch im Dezember 1899 auch den nachmalig so bekannt gewordenen Physiker Boltzmann für Hörbigers Pläne zu interessieren versucht.  Dieser konnte sich aber mit der geforderten raschen Abnahme der Schwerkraft nicht befreunden, hielt diese allenfalls in zwei Siriusentfernungen anstatt in wenigen Neptunentfernungen für möglich, außerdem würde die Bewegung der Doppelsterne erhellen, daß von einer Änderung der Newtonschen Gravitationsformel keine Rede sei.  Auch die Milchstraße würde jenseits der Fixsterne liegen und bei der von Hörbiger geforderten Nähe der Milchstraße müßte deren Parallaxe (Verschiebung) schon längst erkannt worden sein.
Das bedeutete aber ein Signal für Hörbiger, den zu erweiternden Vortrag Radingers ganz zu vergessen und sich mit den Boltzmannschen Einwänden eingehend zu beschäftigen.  Und so fertigte er in den Tagen bzw. Nächten, vom 22. bis 30. Dezember 1899 ein achtundfünfzigseitiges Manuskript "Über die Resultate der Doppelsternbeobachtung und deren Beweiskraft für die Glazialtheorie".  Man braucht gewiß kein Fachastronom zu sein, um nur von neuem zu erkennen, wie gründlich Hörbiger den Stoff anpackte, wie er die widersprechenden Meinungen der Gelehrten über diesen Gegenstand verarbeitete und wie unmißverständliche und von hoher Wahrscheinlichkeit getragene Gegenbeweise er anzuführen in der Lage war.  Und man kann nur abermals erstaunen, daß er diesen an sich schwierigen Stoff in neun Tagen meisterte, wozu ein anderer wahrscheinlich ein halbes Jahr benötigt hätte!  Man kann nur immer wieder bedauern, daß diese wie viele ähnliche Arbeiten Hörbigers bis heute im Schreibtisch liegen bleiben, wenn auch Teile daraus in der "Glazialkosmogonie" verarbeitet worden sind.

Schließlich ist auch diese einzigartig schöne und Radinger gewidmete Arbeit nur ein Fragment geblieben.  Die Schlußseite trägt den Vermerk: "Fortsetzung folgt 1900!"  Ein weiterer Vermerk lautet: "Zur Fortsetzung ist's leider bis heute (1. Juni 1903) nicht gekommen und Radinger ist tot". Es klingt viel Tragik aus diesen beiden letzten Worten.  Noch heute spricht Hörbiger mit größter Verehrung von diesem einzigartigen Freund, der stets einen offenen Sinn für alle vom Schicksal gedemütigten Erfinder- und Entdeckertalente hatte und dessen unerschütterlicher Glaube es bis zuletzt gewesen war, daß die Glazialkosmogonie zum Nutzen und Frommen der Menschheit doch einmal ihren großen Weg machen werde. 

Als Radinger für den Freund verloren ging, geschah dies in einem Augenblick, da Hörbiger diesen Verlust um so schmerzlicher empfinden mußte.  Stak doch damals der Ausbau der Welteislehre noch ganz in den Anfängen.  Es hat an weiteren Freunden gewiß nicht gefehlt, aber die Größe z.B. von Radinger haben sie selten erreicht, wenigstens fand sich lange Jahre hindurch niemand, der wie Radinger einen gleich beredten Einfluß geltend machen konnte.

H.W. Behm


(Quellenschriftauszug aus dem Buch: "Hörbiger - ein Schicksal" von H.W. Behm, 1930, v.Hase & Koehler Verlag, Leipzig)