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Merkur und Venus - im Sinne der Glacial-Kosmogonie



Die beiden heute sonnennächsten Wandelsterne haben sich nach unserer Ableitung zunächst genau so wie die Erde und auch der Mars aus der Zusammenballung der Kleinglutlinge des Innenkreisels gebildet.  Sie müssen daher auch in ihrer Jugendzeit eine eigene Achsendrehung gehabt haben und von Monden begleitet gewesen sein, bis mit dem Niederringen des jeweils letzten dieser Begleiter ihre Bildung als Glutmassenball einen Abschluß und ihre Achsendrehung einen Höchstwert erreichte. 
Es gab also eine Zeit (bei Merkur früher, bei Venus später), in welcher diese beiden Körper zwar schon ohne Mond um die Sonne liefen, aber noch eine vielleicht recht rasche Achsendrehung um ungefähr senkrecht auf ihren Bahnebenen stehende Achsen besaßen und dabei Glutflußkugeln waren, auf deren Oberfläche sich von den Polen aus eben die erste noch rotglühend heiße, feste Kruste zu bilden begann.

Von diesem Augenblick an mußte die weitere Entwicklung so vorsichgehen, daß sich unter dem Einfluß der Sonnenwirkung die Körper von Merkur und Venus zu einem Hühnerei ausformten und unter der Bremswirkung dieser gewaltigen Sonnenflutberge ihre eigene Achsendrehung allmählich verloren, bis sie soweit gebracht waren, daß sie der Sonne immer die nämliche Seite zukehrten.  Zugleich aber müssen wir auch eine andere Einwirkung in Betracht ziehen. Wohl kreuzten die zur Sonne fallenden (Eis)Blöcke die Bahnen von Venus und noch mehr Merkur mit derartiger Schnelle, daß von vereinzelten Volltreffern abgesehen ein Einfangen von solchen seitens dieser Wandelsterne unmöglich war, dafür aber mußten Merkur und Venus von jeher in dem Feineisgestöber waten, das die Sonne in den Umraum bläst und dessen Dichte ungefähr mit dem Geviertwert der Sonnenentfernung abnimmt.  Merkur und Venus müssen daher von der Wirkung dieser Eisbestreuung viel mehr verspürt haben, als etwa die entferntere Erde, außerdem aber wegen ihrer Kleinheit und ihrer im Vergleiche zum Rauminhalt ihrer Bälle großen Oberfläche doppelt so stark davon betroffen worden sein.  Das Ergebnis des jahrmillionenlangen Watens im Feineisgestöber der nahen Sonne war zunächst die Verfestigung und Abkühlung der Merkur- und Venuskruste und schließlich die Ausbildung von Ozeanen (genau wie auf der Erde!), so daß es eine Zeit gegeben haben mag, um welche Merkur und Venus einen Anblick geboten haben, ähnlich wie ihn die Erde heute darbietet.  Da aber ihre Kruste alsbald unter dem nimmer endenden kosmischen Wasserguß gleich einem Schwamme vollgesogen war, und der Vorrat an Innenwärme allmählich zu Ende ging, so mußten die Meeresspiegel des Merkur und der Venus von jener Stunde an immer mehr und mehr steigen und steigen, bis sie schließlich über alle Merkur- und Venusunebenheiten hinauswuchsen und die Wandelsternhülle mit einem uferlosen Ozean umgaben.  War es vordem, solange noch Festland aus den Meeren hervorragte, möglich, daß sich unter dem Einfluß der starken Sonnenstrahlung sehr hohe Mittagshitze entwickelte, so wurde dies von jetzt ab anders.
Wir brauchen bloß auf unsere wärmetechnologischen Rechnungen hinzuweisen. Wenn auch die ziffernmäßigen höchstmöglichen Mittagstemperaturen scheinbar hoch über 0° C ansteigen, so liegt dafür in Rücksicht auf den geringen Luftdruck der Siedepunkt des Wassers  auf Merkur und Venus so nahe beim Schmelzpunkt, daß alle zugeführte Sonnenwärme nur zur Eisverdunstung verwendet wird, nicht aber zu einer eigentlichen Anwärmung des Bodens führen kann.  Entstanden ist der Eispanzer jedenfalls schon zu einer Zeit, als Merkurs (und Venus) sich durch Flutreibungsarbeit allmählich verlangsamende Achsendrehung noch nicht ganz mit seinem Sonnenumlauf übereinstimmte.  Damals begann die Eisbildung zunächst auf der jeweiligen Nachtseite, um allmählich mehr und mehr auch auf die Tagseite überzugreifen.  Denn mangels einer schützenden Lufthülle sank die Temperatur über dem uferlosen Ozean bald nach Sonnenuntergang fast bis auf Weltraumkälte hinab, die während der langen Nacht sehr wohl einen so starken Eispanzer zu erhärten vermochte, daß auch die Sonne des folgenden Tages ihn nicht mehr ganz aufzulösen imstande war.  So blieb ein von Tag zu Tag wachsender Eisrest übrig, bis schließlich die ganze Merkurkugel, wie auch Venus, von einem lückenlosen Eispanzer umschlossen war, wie sie es nach Hörbiger noch heute ist. 

In Anbetracht der unsicheren Massenbestimmung bei Merkur und Venus rechnet und schätzt Hörbiger die Ozeantiefen innerhalb der Grenzen 5 bis
7 km für den Stern des Hermes, zwischen 44-50 km für das Gestirn der Liebesgöttin.
Daß uns Merkur und Venus im Fernrohr ein immerhin verschiedenartiges Bild darbieten (wenn auch die Unterschiede bei weitem nicht so groß sind, wie man früher gedacht hat), das folgt vor allem aus ihrem verschiedenen Sonnenabstande und aus der starken Streckung der Merkurbahn einerseits, der fast genauen Kreisform der Venusbahn andrerseits. 


Infolge der starken Bahnstreckung Merkurs erleidet dessen Eiskruste dagegen beständig gewaltige Flutwirkungen.  Es ist gerade, als würde man ein Ei bald in die Länge ziehen (spitzer machen), bald einstauchen (stumpfer machen) wollen.  Diese Kraftäußerungen des nahen Sonnenballs müssen natürlich zu häufigen Krustenbrüchen führen, wobei Innenflüssiges empordringen und den Zuckerstaub des von der Sonne angeblasenen Feineises von unten her durchfeuchten muß.
Wir erhalten so ähnliche Erscheinungen, wie auf einem Eislaufplatz, wenn das Eis infolge zu schwerer Belastung bricht und längs des Spaltes Wasser aufquillt, das sich dann in dem von den Schlittschuhen abgeschabten Eisstaub seitlich ausbreitet, wie Tinte im Löschpapier. Auf diesem Wege müssen breite Dunkelstreifungen entstehen, die an ihren Knotenstellen zu rundlichen dunklen Flecken (Seen) sich ausweiten.  Ist schließlich das Gleichgewicht hergestellt, so frieren die feinen Klüfte wieder zusammen, und die dunklen Überfrierungen werden von neuem durch das Eispulvergestöber der Sonne "gebleicht", sodaß die Flecke und Streifen allmählich verblassen, bis ein neuer Krustenbruch die alten Wundstellen oder neue dazu wieder aufreißt.
Die genauere Durchrechnung zeigt, daß besonders zwischen ± 50° Merkurbreite die stärkste Beanspruchung der Kruste auftritt, so daß dort selbst meridionale Einbrüche verhältnismäßig häufig sein müssen, während sich die polnahen Gegenden von dieser Bruchzone durch einen etwa 55-60° Breite gelegenen Ringbruchgürtel abschützen.


Die Eiskruste der Venus ist darum Sonnenflutkräften kaum ausgesetzt und kann sich in Ruhe in ihrer Gestalt behaupten.
Deswegen kommen hier auch Krustenbrüche mit Wasseraustritten aus dem Innern nur selten vor.  Wir sollen uns daher Venus vorstellen als einen Ball, dessen Oberfläche nichts anderes ist als eine den ganzen Körper umgebende Eiskruste, auf der übrigens noch der Pulverschnee der Sonnenkronlichtstrahlen liegt, der sich im Laufe der Jahrzehntausende angesammelt hat.  Auf der Mittagseite findet jeweils eine gewisse Eisverdunstung statt, deren aufsteigende Dämpfe den ganzen Venuskörper beständig in eine Art Reifnebelschleier hüllen, sodaß wir die eigentliche Oberfläche nur undeutlich durchschimmern sehen.  Diese dünnen Eisnadelnebel schleichen vom Mittagspunkt, dem Punkte dichtesten Feineiseinschusses, allseits gegen die Schattengrenze hin und würden, wenn Venus eine kleine Masse wäre, sonnabgewandt einen "Kometenschweif bilden", so aber schlägt sie die Venusschwere wieder nieder und zwingt sie auf der Nachtseite zu Boden.
Hier belastet das Eisnadelpulver den gefrorenen Venuseisboden, und bewirkt durch sein Gewicht ein Verflüssigungsdruckabschmelzen an der unteren Schwimmseite der Eiskruste, wodurch das alte Gleichgewicht immer wiederhergestellt und verhindert wird, daß sich allmählich alles Eis auf die Nacht- seite der Venus flüchtet, wie es früher so oft behauptet und als Gegenbeweis angesehen worden ist.
Das Umgebensein der Venus von einem Lichtringe, wenn sie den Sonnenrand bei Vorübergängen vor dem Tagesgestirn schneidet, deutet Hörbiger weniger durch die Wirkung der eigentlichen Gashülle, die zwar hoch reichen, aber nur sehr dünn sein kann, als vielmehr durch die elektrischen Raffungs- erscheinungen des sonnefliehenden Feineises.  Diese sind auch für das gelegentlich beobachtete aschfahle Licht der Venusnachtseite verantwortlich zu machen.
Da für die seinerzeitige Bildung und Erhaltung des Venuseisozeans genau dasselbe gilt, was wir für Merkur ausgeführt haben, so wird Hörbigers Auffassung über die Zustände auf Venus auch durch die neueren Bestimmungen nicht in ihrer Gültigkeit betroffen, welche eine etwa 24stündige Achsen- drehzeit wahrscheinlich gemacht haben.  Wenn Venus sich so rasch dreht, ist es natürlich auch nicht verwunderlich, daß die Nachtseite (im Sinne der neuen Messungen) verhältnismäßig hohe Temperaturen aufweist, und nicht weltraumkalt gefunden wird.


Wir glauben das Wesentliche hier gesagt zu haben: Merkur und Venus stehen also nach der Welteislehre (Glacial-Kosmogonie) heute unter einem uferlosen Eisozean.  Die Zeit, welche sie brauchten, um vom Zustande der Glutflußkugeln zum jetzigen zu gelangen, muß sehr von ihrer Größe beeinflußt gewesen sein.
Wir dürfen also sagen, daß Merkur jedenfalls eine viel kürzere Zeitspanne bloß auf seiner Oberfläche erträgliche Wärmegrade dargeboten hat als Venus.
Es kann also auf ihm sich die Entwicklung höherer Lebensformen (Pflanzen, Tiere) jedenfalls nur sehr kurze Zeit vollzogen haben, wahrscheinlich zu kurze Zeit, um es bis zu Hochformen (Menschen) herauf zu bringen.  Schon günstiger lagen die Verhältnisse für Venus, von der wir nicht beurteilen können, wieweit auf ihr die Emporentwicklung von Lebewesen gediehen sein mag, bis die immer ungünstiger werdenden Verhältnisse endlich diese wieder zum Verschwinden brachten.
Heute sind jedenfalls Merkur und Venus in unserem Sinne nicht mehr als bewohnbar anzusehen, ja in diesem Punkte tritt die Welteislehre in vollständigen Gegensatz zu der von Laplace beeinflußten Anschauung der gegenwärtigen Sternforschung: Venus ist heute nicht eine noch jugendliche Erde, auf der jetzt die Steinkohlenzeit herrscht und die Saurier ihr Unwesen treiben, sondern Venus ist eine schon vorzeitig gealterte Erde, die unserem Heimatstern wegen ihrer Kleinheit und der stärkeren Eisbespeiung seitens der Sonne in der Entwicklung schon weit voraus ist und heute schon einen Zustand vorstellt, der unserer Erde auch in ferner Zukunft einmal sicher bevorsteht.

Max Valier


(Quellenschriftauszug: Buch "Der Sterne Bahn und Wesen" von M. Valier, 1926, R. Voigtländer Verlag, Leipzig)