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Das Zeugnis des Abessinischen Hochgebirges



"Wie eine klotzige Felseninsel ragt das Hochland von Abessinien, ringsum von 1000-3000 Meter hohen senkrechten Steilwänden umgeben, aus den tiefgelegenen Ebenen des Sudans und der Roten-Meer-Küsten hervor .... es bildet den höchsten Teil der gewaltigen Aufbiegung des östlichen Teils der afrikanisch-arabischen Schwelle ... aus der es durch randliche Brüche ringsum herausgeschnitten ist (1)."
Kein Gebirgsstock unseres Planeten besitzt diese exponierte und eigentümlich charakteristische Lage, die dadurch noch stärker hervortritt, daß hart am östlichen Felsensturz der endlose arabisch-afrikanische Graben klafft, in dessen inneren Winkel das von undurchdringlichen Massen tertiären Magmas überflutete abessinische Gebirgsmassiv wie von unsichtbarer Riesenhand hineingezerrt erscheint.

Das abessinische Rätsel wird noch größer, wenn wir die weitere Umgebung dieses Gebirgsblockes betrachten.  Scheint er doch in der Tertiärzeit der Mittelpunkt urgewaltiger Kräfte gewesen zu sein, von welchem nach allen Richtungen bestimmt ausgeprägte Linien ausstrahlten.  Nicht nur die Zielrichtung der westbalkanischen und apenninischen Gebirgszüge, die Hauptrichtung Javas mit der sich anschließenden Kette der Kleinen Sundainseln weist nach dem Hochland von Habesch, sondern auch die Nordkante des riesigen zentralasiatischen Gebirgsdreiecks, sowie die Formen der Oberflächen des nordamerikanischen Felsengebirges und der Anden sind in geradezu auffallender Weise nach jenem afrikanischen Gebirgshorst orientiert.  Und fast genau gegenüber dieser nur etwas nach Osten verlagerten Felsennase die gewaltige Rundung des Stillen Ozeans, dessen mächtige Randbrüche anscheinend ebenfalls durch gigantische Zugkräfte mit der Heraushebung Abessiniens ursächlich verknüpft sind.
Es ist völlig unmöglich, diese geologischen Vorgänge mit irgendwelchen noch heute tätigen irdischen Kräften erklären zu wollen.  Im Gegenteil, die Betrachtung des mit Abessinien so geheimnisvoll verbundenen tellurischen Gebirgsbaues läßt Mächte ahnen, die aus dem Universum her das Großgeschehen der Erde bestimmen, mit Gigantenfaust das Hochland von Habeschs herausrissen, es nach Osten zerrten, den ganzen Erdball erschütterten und dabei wichtige Teile des tertiären Gebirgsbaues richtunggebend beeinflußten.

Dank der Welteislehre ist es uns möglich, auch von diesem Geheimnis den Schleier hinwegzuziehen.  In der Tertiärzeit, als unsere Luna noch als selbständiger Planet die Sonne umschwang, stand am Erdenhimmel der Tertiärmond.  Der Weltraumwiderstand verengerte allmählich seine Bahn, so daß er mehr und mehr an unseren Planeten heranschrumpfte.  Immer rascher umlief er seinen Zwingherrn, und bei einer Entfernung von sieben Erdradien (circa 45 000 km) hatte er die Rotation der Erde vollkommen eingeholt; mit anderen Worten: Tageslänge und Monat waren einander gleich geworden.  Jahrtausendelang blieb der (Tertiär)Mond über demselben Meridian, als ob er dort fest verankert wäre.  Er stand jedoch darüber nicht vollkommen still, sondern pendelte täglich einmal nach Süden und einmal nach Norden.  Die Ursache dieser Bewegung während des sogenannten stationären Stadiums lag hauptsächlich in der Schiefe der Erdekliptik begründet, die - wie aus mehreren Anzeichen zu schließen ist - jedenfalls zu Beginn des eintägigen Monats 16-18 Grad betragen haben wird.  Da zu dieser Zeit der tertiäre Mondumlauf noch etwa 3-5 Grad gegen die Erdbahn geneigt war, sind Unterschiede bis zu diesem Betrage (je nach Lage der "Knoten") obiger Größe zuzuzählen oder abzuziehen, wodurch wir dann u. a. das Bild einer größten und kleinsten Pendelschwingung erhalten.
Genauer ausgedrückt, umkreiste jedoch die tertiäre Luna die Erde nicht im eigentlichen Sinne, sondern die gewissermaßen festverbundenen Körper schwangen um einen gemeinsamen Schwerpunkt, der bei der überwiegenden Größe unseres Planeten aber noch innerhalb der Erde (ungefähr 1000 Kilometer unter ihrer Oberfläche) lag.  Bei der geringen Entfernung von sieben Erdradien übte der gefesselte oder stationäre Trabant eine ungeheure Wirkung auf den Erdkörper aus, so daß dieser (übertrieben gesagt) eine Eiform annahm.  Das "Eispitz" war dem Mond zugekehrt, das "Eirund" lag dem gegenüber und wurde in der Hauptsache durch die asiatisch-amerikanischen Randgebirge begrenzt.  Auch der größte Teil der Wassermassen war (wie wir auf Grund der Welteislehre wissen) zu zwei gewaltigen Fluthügeln zusammengezogen; der Fliehkraftsflutberg befand sich über der Wanne des Stillens Ozeans, der Schwerkraftsflutberg war über Afrika verankert.

Durch seine ins Unermeßliche gewachsenen Anziehungskräfte verminderte der gefesselte Begleiter im "Eispitz" die Druckkräfte der Erde so gewaltig, daß deren Schwerewirkung zum Teil aufgehoben wurde.  Infolgedessen fanden die unterirdischen Gewalten, die in der Regel unter starkem Siedeverzug stehen, Gelegenheit, sich in nie gekanntem Maße auszuwirken.  Ungeheure Mengen von Magma brachen aus dem Erdinnern hervor und überlagerten die Zone der Mondpendelung mit einer undurchdringlichen Decke, so den Kern zum abessinischen Hochgebirge legend.  Die eigentliche Heraushebung des abessinischen Klotzes fand jedoch erst am Schluß der stationären Zeit statt.  Im Lauf der Jahrhunderte war der Trabant wieder der Erde nähergekommen und suchte die Erddrehung in Richtung nach Osten zu überholen.  Es fehlen alle menschlichen Vorstellungen, um die Kräfte zu erfassen, die in dieser kritischen Zeit an dem ostafrikanischen Gebirgsmassiv zerrten.  Zug um Zug ward es nicht nur nach Osten gewuchtet, sondern gleichzeitig auch durch die Macht des kosmischen Riesen so weit aus seiner Umgebung herausgehoben, daß noch heute seine Felsenmauern 1000-3000 Meter nach allen Seiten abstürzen.


(Bild- und Textquelle: "Schlüssel zum Weltgeschehen", Heft 12, S. 398, Jahrg. 1928, R. Voigtländers Verlag-Leipzig)
Abb. 1: Das Hochgebirge von Abessinien mit dem Großen Ost- und Westgraben.  Das Hochland von Abessinien gekreuzt schraffiert, die arabisch-afrikanische Schwelle einfach schraffiert.  Schwarz die Bruchkanten.  Die Pfeilrichtung (auch in der Nebenkarte) deutet die Bewegungsrichtung des Tertiärmondes beim Losriß vom stationären bzw. letzten pseudovorstationären Zeitabschnitt an.  Punktierte Pfeile = Zielrichtung der apenninischen und westbalkanischen Gebirgszüge.  Nebenkarte: Punktierte Linie = vermutlicher Verlauf des Großen Westgrabens nach Lösen des Mondes vom letzten pseudovorstationären Stadium.


Durch das Absinken des Hinterlandes (des östlichen Sudan) bildete sich ein mächtiger Randbruch mit einem nach Westen konvexen Bogen, der im Norden bei Suakin am Roten Meer beginnt und im Süden erst in der Gegend des Rudolfsees endet.  (Nach Gerbing, Abb. 1.)  Da sich diese Bruchkante bei Suakin und am Rudolfsee mit dem kurz darauf entstandenen afrikanisch-asiatischen Graben vereinigt, ist die Linie, die die Längenausdehnung des Hochlandes von Habesch von Suakin (19 Grad nördl. Br.) bis zum Rudolfsee (etwa 3 Grad n. Br.) klar und scharf begrenzt, u. a. wohl der untrügliche Beweis dafür, daß am Schluß des eintägigen Monats der Mond nur noch zwischen diesen Punkten (etwa 16 Breitengraden) hin und her pendelte.  Es war also dem tertiären Begleiter während der stationären Epoche gelungen, die Erdachse von 16(-18) Grad bis auf ungefähr 8 Grad Abweichung von der Senkrechten aufzurichten.  Wahrscheinlich hatte sich in diesem Zeitraum auch die Mondbahn so stark der Erdekliptik angeglichen, daß die Differenz nur noch 1-2 Grad betragen haben dürfte, so daß dieser geringe Unterschied, der je nach Lage der Mondknoten der Erdachse plus oder minus gerechnet werden muß, bei der endgültigen Heraushebung des abessinischen Hochlandes vernachlässigt werden kann.

Diese Erkenntnis löst zugleich eine Reihe anderer, höchst wichtiger erdgeschichtlicher Fragen.  Das abessinische Massiv verrät nämlich deutlich, daß durch sein Zentrum, hart südlich des Tanasees (11-12 Grad nördl. Br.), der tertiäre Äquator verlief.  Demgemäß durchschnitt er auf der entgegengesetzten Seite der Erde den Stillen Ozean unter 11-12 Grad südl. Breite.  Als Schnittpunkte mit dem heutigen Gleicher (Äquator) kommen Ecuador und Sumatra/Borneo in Betracht.  Dadurch erscheint zwar das Hochland von Habesch stark nach Osten verlagert, doch ist zu bedenken, daß es während der stationären und nachstationären Stadien dauernd nach Osten gezerrt wurde.

Die Richtigkeit unserer Auffassung wird durch eine Reihe weiterer Umstände bezeugt.  Nicht nur der mächtige asiatisch-europäische Gebirgszug von der Ostküste Chinas bis zum Atlantischen Ozean (der, wie Hörbiger darlegt, ebenfalls durch Druck- und Zugkräfte bei der tertiären Mondannäherung entstanden war) ist grundsätzlich dem tertiären Gleicher parallel geordnet, sondern auch die Grenzen der amerikanisch-europäischen Gletschermassen, die großen Lößgürtel der Erde (auf der Karte, um die Übersichtlichkeit nicht zu erschweren, nicht vermerkt) und die Linie, die die Spitzen der drei großen Halbinseln des südlichen Asiens miteinander verbindet, laufen dem damaligen Äquator gleich.  Es ist dies um so wichtiger zu betonen, als gerade die eben genannten Erscheinungen durchschnittlich 11-12 Grad mit dem heutigen Gleicher divergieren, also bezüglich ihrer Entstehung in keine rechte Verbindung zum gegenwärtigen Äquator gesetzt werden können.  (Abb. 2.)


(Bild- und Textquelle: "Schlüssel zum Weltgeschehen", Heft 12, S. 400, Jahrg. 1928, R. Voigtländers Verlag-Leipzig)
Abb. 2: Erde mit tertiärem Äquator; a-b große europäisch-asiatische Faltenzone; c-d Grenzen (soweit festgestellt) der tertiären Gletschermassen, naturgemäß sind hierbei örtliche Verhältnisse zu berücksichtigen; e-f amerikanische Faltenzüge; I, II und III Bruchkanten an der asiatischen Seite des "Eirundes"; kurze Schraffen = unterseeische Bruchlinien.  Der Pfeil deutet die ungefähre Gesamtverlagerung des Hochgebirges von Abessinien an; N und S tertiäre Pole der Erde. 
Die heutigen Pole und Breitengrade sind am Rande der Halbkugeln vermerkt.



Mit der tertiären Gleicherfrage ist gleichzeitig auch das Problem der tertiären Pollage geklärt.  Der damalige Nordpol befand sich etwa unter 78/80 Grad nördl. Breite und 150/160 Grad westl. Länge; dementsprechend war der Südpol entgegengesetzt orientiert.  Zeugen hierfür sind insbesondere Form und Ausdehnung des Nordpolarmeeres, das mit seinen Landgrenzen - abgesehen von späteren kleineren Verschiebungen - gegen den heutigen Nordpol wie verlagert erscheint, dagegen den tertiären in Form eines fast regelmäßigen Kreises, in dem er der Mittelpunkt war, umgibt.  Ähnliches gilt vom Stillen Ozean.  Auch dieser liegt mit seinen nördlichen Grenzen viel zu weit vom heutigen Nordpol entfernt, mit seinem südlichen Quadranten aber dem Südpol zu nahe.  Die tertiäre Pollage dagegen korrigiert diese auffälligen Unstimmigkeiten aufs beste; denn in diesem Fall nimmt der Große Ozean die Mitte zwischen den damaligen Polen ein und entspricht genau dem Eirund, von dem die gegenwärtige Erdkarte nur ein schiefes Bild wiedergibt.

Die Zerrwirkungen des ostwärts drängenden Mondes am Schluß der stationären Zeit reichten aber weit über Afrika nach Westen hinaus.  Mit unvorstellbarer Gewalt griff der kosmische Riese hauptsächlich die östliche Flanke des "Eirundes" an und verursachte in Amerika die Entstehung zweier mächtiger Faltenzüge.  Besonders an den Wendepunkten der Mondpendelung wurden die Zugwirkungen so stark, daß Teile der inneren Falte so gewaltig nach Osten gebogen wurden, daß zwischen den Gebirgszügen ausgedehnte Hochflächen sich bildeten (u. a. auch die Bucht von Arica!). die in ihrer Form (Abb. 2) unmißverständlich auf Abessinien, über welchem das kosmische Kraftzentrum lag, verweisen.
Ganz ähnlich ist die Herausbildung der sibirischen Randgebirge zu deuten.  Auch sie sind wahrscheinlich auf mächtige Zerrwirkungen zurückzuführen; doch fällt ihre Entstehung in den Beginn des stationären Stadiums, als die Mondpendelungen noch viel weiter nach Norden und Süden reichten und die (tertiäre) Luna noch das Bestreben hatte, hinter der Erddrehung zurückzubleiben, also über das entstehende abessinische Gebirge nach Westen zurückzusinken.  Jedenfalls wird auch die Zugrichtung der Kleinen Sundainseln einschließlich Javas damals seine erste Herausbildung erhalten haben.

Als das Ende des eintägigen Monats nahte, bereiteten sich ungeheure Ereignisse auf Erden vor.  Unentwegt zerrte der himmlische Riese an seinen unsichtbaren Fesseln und wuchtete den ganzen Gebirgsstock samt seiner Umgebung ein großes Stück nach Osten fort.  Überall zeigten sich Risse und Sprünge, aus denen das feurige Magma hervorbrach.  So stieg, von der Erde gesehen, der (tertiäre) Gigantenmond ein letztes Mal von Süden zum tertiären Gleicher herauf, als urplötzlich das Band, das ihn fesselte, zerriß.  Die (tertiäre) Luna war wieder frei, und auch das "Eispitz" versuchte in seine alte Lage zurückzuebben.  Sofort aber setzte der Mond seine Kräfte bei den ostwärts liegenden Gebieten an und versuchte, diese mitzureißen.  Und nun geschah das erdgeschichtlich einzig Dastehende: Zwischen dem Hochland von Habesch einerseits und den östlichen Gegenden andererseits riß unter dem Zwiespalt der tellurisch-kosmischen Gewalten ein ungeheurer Abgrund auf.  Vom Golf von Suez bis hinunter ins Herz Ostafrikas und noch darüber hinaus klaffte eine breite Spalte, deren nördliche Hälfte zum größten Teil vom Roten Meer ausgefüllt wurde, deren südlicher Abschnitt aber nur zum Teil von Seen bedeckt ist.  (Sogenannter ostafrikanischer Graben.)
Dieser mächtigste Grabenbruch der Welt ist über 5000 Kilometer lang; er umschließt das abessinische Hochland unter einem stumpfen Winkel und deutet zum Teil den Betrag an, um den der Tertiärmond das "Eispitz" und das auflagernde Hochland von Habesch mit nach Osten zu schleppen vermochte.  Gegen das viel schwerer zu bewegende "Eirund" wurde es also stark nach Osten gezogen, ein Vorgang, der naturgemäß bei der Festlegung der tertiären Gleicherlinie in Rechnung gestellt werden muß.  Bei diesem Verlagerungsprozeß sank das rückwärtige Gebiet (Teile des östlichen Sudans) ein, so daß dies charakteristischerweise nicht gegen das Hochland von Habesch ansteigt, wie dies alle übrigen Teile der mächtigen arabisch-afrikanischen Schwelle tun, die wir somit als winzigen Rest des ehemaligen "Eispitzes" auffassen können.

Selbst der Weg, den der sich plötzlich losreißende Mond nahm, ist auf der Erdkarte klar vorgezeichnet.  Der kritische Moment brach herein, als der von Süden aufsteigende Mond sich dem tertiären Gleicher auf etwa zwei bis drei Grad genähert hatte.  In diesem Augenblick gab unvermittelt das abessinische Widerlager nach, und der Mondriese bewegte sich nicht wie bisher nach Norden weiter, sondern schoß in ostnordöstlicher Richtung vor.  Alles Land auf diesem Wege wurde von seiner Umgebung losgerissen und sank ebenfalls in die Tiefe.  So entstand zum Großen Graben ein gewaltiger Flankenbruch, der zum größten Teil durch den Golf von Aden bedeckt wurde.  Die tertiäre Luna stand also sechs bis sieben Stunden (heutiger Rechnung) nach ihrem Freiwerden nicht wieder über Suakin am Roten Meer, sondern auf der Höhe der Ostspitze Arabiens (etwa 60 Grad östl. Länge), das heißt, der Mond hatte in sechs bis sieben Stunden ungefähr 2300 Kilometer nach Nordnordost über der Erdoberfläche zurückgelegt (2)!!  Als er von hier sich wieder nach Süden wandte, riß wahrscheinlich der von Mombassa nach Südwesten verlaufende Graben, dessen Linienführung genau auf die eben genannte Gegend verweist.
Die Bewegungsrichtung des freigewordenen Mondes macht es auch verständlich, weshalb der nördliche Abschnitt des Großen Grabens (Rotes Meer) im Gegensatz zum südlichen Teil so breit aufgerissen ward.  Gegen den Nordabschnitt vermochte eben der Mond seine Riesenkräfte fast rechtwinklich anzusetzen, während sie gegen den südlichen nicht so sehr zur Auswirkung kommen konnten, da sie hier nur unter einem sehr stumpfen Winkel, z. T. sogar nur tangential angreifen konnten.

Wahrscheinlich brach am Ende des stationären Zeitalters auch der größte Teil des Mittelmeerbeckens ein.  Das ersehen wir nicht nur aus den schon erwähnten Zerrungslinien der apenninischen und westbalkanischen Halbinsel, sondern auch aus Schollen und Kesselbrüchen (z. B. denen der Lombardei und des ungarischen Tieflandes), die in der Regel an der Südseite der tertiären, ost-westlich verlaufenden Hochgebirgsfalten liegen und besonders den tektonischen Bau des westlichen Mittelmeeres ausgesprochen nach Abessinien tendieren lassen.

Mit dem "Eispitz" suchte auch das "Eirund" zu folgen; darum entstanden gleichzeitig an der Grenze des "Eirundes" (des Stillen Ozeans) nicht minder katastrophale Randbrüche.  An der amerikanischen Seite preßten sie die Falten noch mächtiger auf und ließen aus ihren Spalten schier unfaßbare Mengen des feuerflüssigen Erdinnern hervorbrechen, so daß Hunderttausende von Quadratkilometern davon überflutet wurden!  Auf der asiatischen Seite wirkten dementsprechend gigantische Zugkräfte, die zum Teil das Randgebiet in drei Stufen abbrechen ließen. (Auf Abb. 2 mit I, II u. III bezeichnet.)

Es sträubt sich der Verstand, all des Entsetzlichen zu gedenken, das mit dem Bruch des stationären Zeitabschnittes über die Erde hereinbrach, als gleichzeitig an den ungeheuren Bruchlinien Hunderte von Vulkanen ihre Feuergarben zum Himmel schleuderten, die Gewalten der Tiefe dröhnten und brüllten, die Erde wankte und bebte, die Flutberge in wenigen Stunden ihre unermeßlichen Wassermassen zwei- bis dreitausend Kilometer über die unglücklichen Gefilde der Erde vorwärtswälzten und allzerstörende Brandungswellen gegen die Küsten des Festlandes brausten .... (3).

Dem großen arabisch-afrikanischen Graben - wir wollen ihn zwecks näherer Bestimmung kurz den Großen Ostgraben nennen - entspricht auf der Gegenseite Abessiniens ein zweiter, den wir als Großen Westgraben bezeichnen wollen.  Seine Entstehung gehört aber nicht dem stationären Abschnitt an, sondern hauptsächlich dem letzten vorstationären (pseudostationären) Stadium, als also der Mond immer noch etwas hinter der Erddrehung zurückblieb, jedoch bereits vorübergehend über dem eben sich bildenden Hochland von Habesch verankert war.  Beim Lösen von diesem letzten vorstationären Zustand mußten sich somit in Richtung nach Westen (wenn auch nicht in gleicher Stärke) etwa dieselben Katastrophen ereignen, wie bei dem Bruch mit der eigentlich stationären Zeit.  Ein Blick auf die Karte lehrt uns, daß das in der Tat der Fall war.
Der nördliche Teil des Großen Westgrabens beginnt mit dem Jordantal, setzt sich über den Golf von Akaba südsüdöstlich fort und erreicht den Nilgraben etwa bei Keneh.  Die Verbindungslinie ist sowohl durch eine Reihe von Inseln als auch durch den unteren Abschnitt des Wadis Keneh (auf der Abb. 1 der Kleinheit wegen nicht vermerkt) sehr deutlich vorgezeichnet.  Durch den später erfolgten Bruch des Großen Ostgrabens wurde dann das Endstück des Großen Westgrabens (auch das südliche!) nach Osten gezerrt, die Kreuzungsstelle durch vulkanische Ergüsse verwischt (vgl. auch den Vulkan Rungwe an der südlichen Überschneidung!) und somit die einheitliche Verbindung unterbrochen.  Ob der untere Abschnitt des Nilgrabens (von Keneh bis Kairo) als Gabelbruch zur gleichen Zeit aufriß oder erst mit der Ausbildung des Großen Ostgrabens entstand, kann erst durch nähere Untersuchung entschieden werden. - Von Keneh läuft dann die Bruchzone ungefähr in derselben Richtung weiter und biegt bei Alt-Dongola scharf nach Südosten in Richtung zur Nordspitze des abessinischen Hochgebirges um!
Der südliche Teil des etwas unregelmäßig gerissenen Großen Westgrabens nimmt seinen Anfang am Njassasee, setzt sich im Tanganjikasee (T.S. auf Abb. 1) nach Nordosten fort, um (entsprechend dem Nordabschnitt!) ungefähr bei dem Albertsee nach Nordosten in Richtung zur Südspitze des Hochlandes von Habesch abgelenkt zu werden!  Das ursprüngliche Mittelstück (auf der Nebenkarte der Abb. 1 durch die punktierte Linie angedeutet) scheint demnach zu fehlen; jedenfalls ist es aber in der letzten Zeit des stationären Stadiums durch die ungeheuren Zerrkräfte der gefesselten (tertiären) Luna zum größten Teil zerstört worden; möglicherweise ist die Bruchlinie an der Westseite des abessinischen Klotzes zum Teil mit dem zentralen Abschnitt dieses Grabens identisch; denn gerade die bei Alt-Dongola und in der Gegend des Albertsees durchaus sinnentsprechend auftretenden Umbiegungen (4) weisen auf die kosmischen Gewalten hin, die am Ende des eintägigen Monats nicht nur den Gebirgsblock, sondern auch einen großen Teil seines Hinterlandes nach Osten zerrten, wodurch eben in der Höhe des nördlichen und südlichen Endpunktes des Hochlandes von Habesch die betreffenden Stellen des Großen Westgrabens vollkommen umgebogen, die mittleren Teile jedoch wohl größtenteils zerstört wurden.  Auch hier werden erst genauere geologische Untersuchungen in den Einzelheiten Klarheit schaffen.
Selbst vom westlichen Flankenbruch (dem Golf von Aden entsprechend) scheint noch eine deutliche Spur vorhanden zu sein.  Wahrscheinlich dürfen wir in dem Tasili-Tümmo-Tarso-Gebirge seine nördliche Bruchkante erblicken; wie der südliche Gebirgsrand Arabiens weist es auf den zentralen Teil Abessiniens; im äußersten nordwestlichen Ausläufer dieses Gebirgszuges werden wir (nebst anderen Momenten) Anzeichen dafür zu sehen haben, daß die Pendelschwingung des letzten vorstationären Mondes mit 16-18° anzunehmen ist.  Jedenfalls bildete sich kurz nach dem Fortrücken vom letzten pseudovorstationären Zeitabschnitt nebst einer Reihe anderer Bruchzonen auch der vom Abu-Hammed nach Fodja streichende Graben, der im Verein mit anderen Störungslinien dieser Epoche zwanglos den eigenartigen Lauf des Niles bzw. des Niltales erklärt, gleichzeitig aber auch darauf hinweist, daß die Ursache der dortigen alten Hochkultur letzten Endes in Vorgängen der stationären Stadien der Tertiärzeit ihre grundlegende Voraussetzung findet.

Über noch andere Ankergründe der tertiären Luna sowie weitere Rätsel im Antlitz der Erde wird ein zweiter Aufsatz folgen.

Georg Hinzpeter


(Quelle: Monatszeitschrift "Schlüssel zum Weltgeschehen", Heft 12, S. 396-404, Jahrg. 1928, R. Voigtländers Verlag-Leipzig)




Anmerkung:
(1) Gerbing, Das Erdbild der Gegenwart.  Verlag List und v. Bressensdorf, Leipzig 1927.  II. Band S. 474 f.
(2) Als Vergleich möchten wir an einen Vorgang beim Tauziehen erinnern.  Läßt die eine Seite plötzlich los, dann stürzt die Gegenpartei eine bestimmte Strecke mit größter Wucht rückwärts!
(3) Über das Zeugnis der Mythe aus dieser hochkritischen Zeit siehe das Buch des Verfassers: Urwissen von Kosmos und Erde.  R. Voigtländers Verlag, Leipzig-1928.  S. 124 ff.  Vgl. auch Behm / Planetentod und Lebenswende.
(4) Diese sowie der Endpunkt der Zugrichtung des Golfes von Aden sind ebenfalls Anzeichen dafür, daß die Pendelausschläge des Mondes am Schluß des stationären Abschnittes etwa acht Grad (vielleicht noch etwas weniger!) betrugen.