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Warum tarnen sich Autos von US-Soldaten in Deutschland mit deutschen Kennzeichen?



(Quelle: http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=2128533)


Amerikaner tarnen sich als Deutsche
Die Autos von US-Soldaten erhalten demnächst aus Sicherheitsgründen
deutsche Kennzeichen

Vom 11.11.2005

Von
Christoph Cuntz

WIESBADEN Im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus tarnen sich Amerikaner in Deutschland künftig als Deutsche. Ab Dezember erhalten die 103 000 privaten Fahrzeuge der hier stationierten US-Soldaten sowie der Zivilbeschäftigten deutsche Kennzeichen, heißt es in einer Mitteilung des
US-Heeres in Europa. Angehörige des Militärs, die etwa in Taunusstein wohnen, bekommen
ein RÜD-Kennzeichen, US-Soldaten mit Wohnsitz Wiesbaden eine WI-Nummer. Die neuen
Schilder lösen die Ende der 90er Jahre eingeführten HK-, AF- und AD-Kennzeichen
ab, die bereits eine Anpassung an europäisches Kennzeichen-Design darstellten.
Auf diesen Schildern ist die Zahlen-Buchstaben-Kennung schwarz auf weiß zu lesen, daneben ein blaues Feld, in dem bislang das Symbol der Nato sowie die Buchstaben "USA" eingestempelt sind. Deshalb sind die Fahrzeuge - trotz der angepassten Optik - leicht als Autos von US-Soldaten zu identifizieren.
Die Pressestelle des US-Heeres wirbt für die neuen Schilder mit dem Argument, diese erlaubten es den Amerikanern, sich auf der Straße unerkannt unter die Deutschen zu mischen. In Italien und Belgien habe das US-Militär von den Fahrzeughaltern positive Rückmeldungen erhalten.
Bis ins Detail wird die Tarnung amerikanischer Fahrzeuge perfektioniert. Aus dem Nato-Symbol wird ein europäischer Sternen-Reigen, aus "USA" wird "D". Zwar kennen die Amerikaner keinen TÜV, haben eine abgespeckte Sicherheitsprüfung, nach der sie gleichwohl die deutsche TÜV-Plakette
erhalten. Auch werden die US-Fahrzeuge auf dem vorderen Schild eine ASU-Plakette tragen,
auch wenn die Fahrzeuge gar nicht auf ihre Umweltfreundlichkeit untersucht wurden.
Schließlich sollen die Amerikaner auf das Heck ihres Autos ein D-Abziehbild zu kleben, wenn sie nach Frankreich oder in die Schweiz fahren. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, das in Hessen für den Kennzeichenwechsel zuständig ist, nannte die Umstellung eine "Schutzmaßnahme". So wird
empfohlen, die amerikanische Herkunft nicht durch überflüssige Symbolik zur Schau zu stellen.
So sollten aufgeklebte Südstaatenflaggen oder Buttons wie "Don´t Mess with Texas" (Leg´ Dich nicht mit Texas an) entfernt werden, vor allem dann, wenn man mit einem Ford Pickup ein typisch amerikanisches Auto fahre.
Nach Darstellung von Ilka Gilbert-Rolke, Sprecherin der Stadt Wiesbaden, ist die Zulassungsstelle zuversichtlich, dass der Nummernwechsel problemlos bewältigt werden könne. Es gebe keine Erkenntnisse über die Zahl der Fahrzeuge, die neue Kennzeichen erhalten. Übrigens: Auch mit den neuen Nummern zahlen Amerikaner für ihre Autos in Deutschland keine Steuern - Strafzettel
aber schon.
Die von der Optik her deutschen Kennzeichen sind Eigentum des US-Heeres. Das galt auch für die Ende der 90er Jahre eingeführten AD-, AF- und HK-Kennzeichen, die keinerlei Bedeutung haben - die Buchstabenkombinationen waren damals deshalb gewählt worden, weil sie frei waren.





Kommentar von der WFG-Schriftleitung:
Wir finden es schon recht seltsam, daß sich amerikanische Soldaten in Deutschland hinter deutschen Nummerschildern verstecken müssen, da wir hier sicherlich nicht Anschläge wie z.B. im Irak zu verzeichnen haben.  Gibt es vielleicht andere Gründe, weshalb amerikanische Armeefahrzeuge nicht als solche von Deutschen zu erkennen sein sollen?