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Warum sind Erdkrater und Mondkrater unterschiedlich entstanden?



Zum "Meteorkrater" in Arizona

Es handelt sich hier ohne Zweifel um ein Gebilde von großem Interesse, zumal es mit dem noch nicht genau untersuchten Fall in Sibirien das seltene Beispiel bietet, wie Großmeteore beim Niedergang auf die Erdoberfläche wirken.  Daß auch in Arizona ein Meteor in Frage kommt, braucht nicht mehr bezweifelt zu werden.  Die ermittelten Ausmaße sind besonders wertvoll: Der Durchmesser des "Kraters" beträgt 1300 m, die Senkung vom Wallkamm, denn ein solcher von 50 m Höhe ist vorhanden, bis zur schüsselförmigen Tiefe 200 m; das Tiefenverhältnis ist also 1 : 6,5.  Man will in 430 m Tiefe unter dem S-Wall auf den ungeheuren harten Meteoreisenkörper gekommen sein und mußte weitere Bohrungen aufgeben.

Der Fall hat aber weiter Anziehendes, wenn man die manchmal wieder auftauchende Anschauung bedenkt, die Mondrundformen seien auf dem gleichen Wege entstanden oder veranlaßt worden.  Ein Normal-"Mondkrater" hat beispielsweise das Tiefenverhältnis 1 : 20 bis 1 : 100, wenn man von den kleinsten Formen bis zu Clavius voranschreitet; und es gibt keine begrenzten Gruppen, etwa nur der Klein- oder der Großformen, sondern nur Übergänge im gleichmäßigen Wachsen der Größe und Abnehmen der dazu gehörenden Tiefe.  Daraus scheint allein schon ein gleichsinniger Bildungsvorgang zu sprechen. 
Dem kleinen Monde und seiner nur ¹/6 betragenden Oberflächenschwere (bez. der Erde) würden unter sonst gleichen Verhältnissen sicher viel größere Rundformen als Einschlagspuren entsprechen; deren Tiefenverhältnis normaler Weise dann 1 : 40 bis 1 : 60 etwa wäre.  Das ist aber jeweils sechs- bis neunmal geringer als beim Meteorkrater in Arizona.  Das spricht gegen den meteorischen Ursprung der mondlichen Rundformen.  Zieht man aber noch in Betracht, daß die Wucht des Aufpralles auf die Erde durch den Luftpuffer sehr stark gedämpft worden sein mußte, während in die Mondschale die Meteore wie ein Geschoß durch eine Fensterscheibe hätten schlagen mögen, so wird die Sache noch bedenklicher: solche Durchschlagslöcher gibt es am Monde überhaupt nirgends und auch die wohlgeformtesten "Krater" und Gruben sind noch viel flacher als der Krater in Arizona. 
Es ist bedauerlich, daß selbst Mondforscher hier lieber dem irreführenden Eindruck Worte verliehen haben als dem entgegengesetzten Tatbestande.  Unsere seit vielen Jahren eindringlich empfohlene Mahnung: "schafft euch Raumvorstellungen"! muß immer noch wiederholt werden.

Philipp Fauth (Mondforscher)


(Aufsatzquelle: Monatsheft "Schlüssel zum Weltgeschehen", Heft 8, S. 255-256, Jahrg. 1929, R. Voigtländers Verlag-Leipzig)