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Leseprobe zum Manuskript


     




Vorwort

Die erste Auflage dieses Werks erschien 1937 im Schwarzhäupter-Verlag , zwei Jahre vor dem frühen Tod Otto Rahns.  Erst im Jahre 1985 kam eine Wiederauflage im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur dieser Buchausgabe heraus.
Da wir festgestellt haben, dass heutzutage anscheinend Universitätsbibliotheken und sonstige Antiquariate nicht mehr über die Originalausgabe verfügen (höchstens über Fotokopien des Buches), haben wir beschlossen, dieses Buch in einer einfachen Druckform wieder herauszugeben.
Bemerkenswerterweise hat bis zum heutigen Tag auch  keiner der sogenannten „alternativen“  Verlage dieses höchst interessante und bemerkenswerte Buch wieder aufgelegt. 
Dies im Gegensatz zu Otto Rahns erstem Buch: Kreuzzug gegen den Gral .
Warum ist nun das zweite Buch so brisant?
Otto Rahn setzt hier seine Arbeit fort, die er einst im ersten Buch -Kreuzzug gegen den Gral- begonnen hatte.  Er versucht hier in Form eines Reiseberichts (in Frankreich, Italien, Deutschland, England, Island) den weitgehend verwischten Spuren mittelalterlicher Ketzer, Heiden und Weisen nachzugehen, die durch Verfolgung und absichtliche Verleumdung in Vergessenheit geraten sollten.




Einleitung aus dem Buch "Luzifers Hofgesind":

Diesem Buch liegen Tagebuchblätter zugrunde, die ich in Deutschland begonnen, im Süden weitergeführt und in Island vorläufig abgeschlossen habe.  Ich durfte sie abschließen, denn das Erlebnis der Mitternachtssonne hatte mir einen wesentlichen Ausschnitt des Kreises erschlossen, in welchem sich mein Denken und Trachten gesetzmäßig bewegt.
Wie der Künstler, der an einem Mosaik schafft, zuerst die Steinchen der verschiedenen Farben anhäufen muß, um sie dann erst in das vorerlebte und in Umrissen vorgezeichnete Werk einzusetzen, so habe auch ich gehandelt.  Unter mannigfachen Himmeln und in ungleichen Landen habe ich Ahnungen und Erkenntnisse gewonnen.  Deren Gesamtheit ergab die Gesamtschau.
Ich habe durch Weglassung, Ergänzung oder Unterstreichung, nicht zuletzt auch die Umformung die aus meinem Tagebuch ausgewählten Blätter so gestaltet, daß das von mir im Geist geschaute Bild von anderen betrachtet, begriffen und geliebt werden könne. 
Möge meine Hand eine glückliche gewesen sein!

Niedergeschrieben habe ich dieses Buch in einem oberhessischen Städtchen.  Wenn ich von meinem Schreibtisch aufblickte, so breitete sich eine Landschaft vor mir aus, die mir unendlich teuer ist, und nach der ich mich, als mich das Geschick durch fremde Gefilde und durch Wüsteneien trieb, oftmals zurückgesehnt habe: Oberhessen, welches das Land meiner Väter ist.  In einem Dorf an bewaldeten Höhen, die den Gau gegen Süden abzuschließen scheinen, haben sie seit Menschengedenken den Boden bebaut, vor dem Amboß gestanden, Korn zu Mehl oder in niedrigen Stuben überm Webstuhl gesessen.  Ihre Heimat ist steinig, und vor ihrem Himmel hängen sehr oft Wolken.  Wohlhabend sind nur wenige von ihnen geworden.  Die Vorfahren meiner Mutter, denen der Odenwald Zuhause war, hatten es viel leichter.  Dort sind Sonne und Luft milde, und die Erde meint es gut mit denen, die ihrer in Liebe warten.  – Das oberhessische Städtchen, in dem ich lebte und dieses Buch schrieb, wird von den Mauerresten einer Burg überragt.  Unweit des erhaltenen Burgtores steht eine uralte Linde.  Hier soll Bonifatius den Chatten das Christentum Roms gepredigt haben.  Blickte ich, unter die Linde stehend, nordwärts, so wurde mein Auge von einem jäh aufragenden Basaltkegel gebannt.  Auf dessen Gipfel hatte der „Apostel der Deutschen“ eine klösterliche Feste: die Amöneburg.  Meine Urahnen hat der Heilige Bonifatius, der das Evangelium der Liebe zu verkünden vorgab, nicht geliebt.  In einem Brief, den er im Jahre siebenhundertzweiundvierzig an den Papst schickte, bezeichnete er sie als idiotisch.
Wenige Wegstunden sind es von meinem oberhessischen Städtchen nach Marburg an der Lahn.  Ein Sohn dieser Stadt, die „Geißel Deutschlands“, missionierte ebenfalls für Rom.  Auf dem Rücken eines Maulesels durchschritt der Magister und Inquisitor Konrad von Marburg sein Heimatland, sammelte Rosenwunder zur Heiligsprechung seines erlauchten Beichtkindes, der Landgräfin Elisabeth von Thüringen, - und sammelte Ketzer.  Diese verbannte er inmitten seiner Vaterstadt an einer Stelle, die heute noch „Die Ketzerbach“ heißt.

Meine Urahnen sind Heiden gewesen, und meine Ahnen waren Ketzer.