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Leseprobe zum Manuskript






Einleitend

Wenn jemand am Morgen zuerst den verkehrten Stiefel anzieht, so gilt das als ein schlechtes Vorzeichen für den beginnenden Tag.  Das scheint selbstredend ein kindhafter Aberglaube zu sein, über den zu reden, sich unter ernsten Männern erübrigt.  Aber es scheint nur so; denn wenn man Jahr und Jahr gewohnt ist, zuerst immer den linken Stiefel zu schnüren, sich aber plötzlich dabei ertappt, diese Gewohnheit unbewußt durchbrochen und den rechten Stiefel bevorzugt zu haben, so kann nur eine weitgehende Unkenntnis der Lebensäußerungen und ihres Wesens uns daran hindern, in dieser Tatsache etwas zu erblicken, das uns mancherlei zu sagen hat.

Uns zu sagen hat: Darauf kommt es an.  Nicht minder aber darauf, daß wir auch fähig sind, diese Sprache zu verstehen.  Und an diesen beiden Voraussetzungen pflegt es beim heutigen Menschen zu hapern.  Die Regungen des Lebens, ihre Gleichförmigkeit oder ihr Wechsel, die Äußerungen der Natur haben ihm nichts mehr zu sagen, weil er das Mienenspiel, weil er die Sprache der großen Mutter nicht mehr versteht.  Unverständnis pflegt aber fast ausnahmslos mit eitler Selbstüberheblichkeit gepaart zu sein, die dann schnell ein überlegendes Lächeln zur Verfügung hat und ein immer absprechendes Urteil.  Nur darum hält sie die Tatsache für unwesentlich, daß jemand unbewußt einen regelmäßigen Brauch verläßt und, wenn er diese Abweichung bemerkt, aus ihr bestimmte Schlüsse zieht.  Das Wissen unserer Tage sieht in solchem Tun nur einfältigen Aberglauben.
Ganz anders erscheinen jenem die Dinge, der unserer Natur nahesteht.  Ihm also kündet der verkehrte Schuh einen Tag, der, sagen wir ein wenig übertrieben, Gefahren in sich birgt, einen Tag, an dem man ganz besonders acht auf sein eigenes Tun und Lassen zu geben hat, um sich vor Mißerfolgen und Enttäuschungen zu bewahren.

Es ist hier noch nicht an der Zeit, die näheren Zusammenhänge des eben gestreiften vermeintlichen Aberglaubens aufzudecken; es genügt vielmehr hervorzuheben, daß wir uns mit ihm bereits innerhalb des dunklen Gebietes des deutschen Aberglaubens befinden.
In weitem Umfange gehört er in den Bereich der Volkskunde, die mehr oder minder als eine Sammlung alles dessen zu betrachten ist, was in Sitten, Bräuchen, Sprichworten, in Bauernregeln und im Aberglauben aus dem Dasein und den Lebensformen unserer Ahnen auf uns gekommen ist.  Die gesamte Volkskunde befindet sich heute, als einer notwendigen Wirkung des bisherigen undeutschen Weltbildes, in der Lage jener, die nicht mehr begreifen, welcher Sinn in all dem Ahnenerbe enthalten ist.  Sie versteht die Natur nicht mehr und fast alle ihre Deutungsversuche gehen am wahren und überraschend reichen, dabei aber immer lebenswichtigen Gehalt der Urweistümer vorbei.  Trotzdem sind wir ihr zu hohem Dank verpflichtet; denn ohne die unermüdliche und selbstlose Arbeit der Volkskundler wäre es uns kaum möglich, noch heute die oft längst vergessenen Sitten und Bräuche der Vorväter auf ihren wahren Gehalt hin zu prüfen und, was für uns entscheidend, sie grundsätzlich einer Wiedereinbürgerung zuzuführen in die neue, in die heutige Lebensform des deutschen Volkes.
Emsig und verläßlich haben die Volkskundler gesammelt.  Sie haben die Bräuche verglichen und haben ihre Verbreitung festgestellt; aber sie haben eins unterlassen: sie haben die im Aberglauben enthaltenen Behauptungen nicht in der Natur nachgeprüft.  Die Volkskunde hat am Schreibtisch gesessen.  Sie hat sehr schöne Ergebnisse erzielt; aber sie hat alle die Weisheiten übersehen, die im Aberglauben verborgen sind.  Sie hat den Freitag als Freitag, sie hat Donar und Ostara als Götter, sie hat alles wörtlich genommen.  Sie hat den Aberglauben als etwas betrachtet, das einem Wahnglauben sehr nahe kommt. 

Es drängt sich darum die Frage auf, was wir überhaupt unter Aberglaube zu verstehen haben.  Wenden wir uns an die Wissenschaft; sie gibt uns die Antwort: "Aberglaube ist der Glaube an die Wirkung und Wahrnehmung naturgesetzlich unerklärter Kräfte, soweit diese nicht in der Religionslehre selbst begründet sind".
Kühl und nüchtern ist diese Begriffsbeschreibung.  Eine andere lautet: "Aberglaube ist zu seinem größten Teil nichts anderes als ein Überrest alten Glaubens und alter wissenschaftlicher Anschauungen, die von den führenden geistigen Kreisen unserer Kulturgemeinschaft nicht mehr geteilt und deshalb verurteilt werden".  Unter den führenden geistigen Kreisen unserer Kulturgemeinschaft ist die heutige Wissenschaft zu verstehen.

Mit keiner dieser Deutungen können wir voll einverstanden sein.  Denn wir werden zeigen, daß es gar keine Naturgesetze geben kann, sondern nur Regeln, daß nichts in der belebten Welt formelgemäß abläuft.  Sehen wir aber von diesem landläufigen Irrtum ab, dann müssen wir immer noch eine Unterlassung feststellen.  Es ist unrichtig, hier von unerklärten Kräften zu sprechen, weil eine solche Behauptung das Vorhandensein erklärter Kräfte voraussetzt.  Diese gibt es nicht.  Niemand ist in der Lage zu sagen, was eine "Kraft" ist; niemand kann sie "erklären"; sie ist einfach da; sie ist meßbar; sie ist anwendbar, wie etwa die Elektrizität; nur erklärt ist sie nicht.  Wir haben dieser Kraft einen künstlichen Namen gegeben.  Er ist jedoch keine Erklärung.  Aber selbst wenn wir uns bei dieser Unzulänglichkeit des Ausdrucks in der Deutung des Aberglaubens bescheiden, bleibt dennoch eine wichtige Tatsache bestehen, eine Tatsache, die hier gänzlich übergangen wurde.  Es fehlt nämlich das klare Bekenntnis, Aberglaube sei der Glaube an die Wirkung und Wahrnehmung jener von der heutigen Naturforschung nicht mehr beachteter Kräfte.
Das ist aber ganz etwas anderes, ist etwas Neues und es ist im Grunde das selbe, was die zweite Deutung behauptet, wenn sie nämlich davon spricht, daß die alten Anschauungen von unserer heutigen Wissenschaft nicht mehr geteilt und deshalb verurteilt werden.
Demgegenüber legen wir eine Begriffsbestimmung vor, deren Berechtigung allerdings erst nach Kenntnis des ganzen Buches anerkannt oder abgelehnt werden kann.  Wir umschreiben: "Aberglaube ist der oft bewußt verfälschte, teilweise durch die Naturentfremdung unserer Zeit und der führenden geistigen Kreise mißverstandene, teils auf dem Wege über den haltlosen Wunderglauben verbrämte Rest eines ehemaligen Weisheitsschatzes unserer Ahnen.  In seinem wahren Wert überragt er all unser heutiges Lebenswissen an Tiefe und Bedeutung".

Als ein allgemeines Beispiel mögen uns hier zunächst die Bauernregeln gelten.
Bauernregeln - der Städter belächelt, der Landmann verehrt sie.  Der Bauer, wenigstens soweit er Altbauer ist, bedient sich ihrer, während der Jungbauer lernte, mehr der Wetterkarte und dem Wetterfunk zu trauen.  Er ist nicht umsonst durch die Fachschulen gegangen und hat erfahren, welchen Standpunkt die Wissenschaft einnimmt.  Und dieser Standpunkt ist, wenn wir von einigen erst in den letzten Jahren in Erscheinung getretenen Ausnahmen absehen, durchaus ablehnend.  Und die Wissenschaft ist in ihrem vollen Recht; denn sie vermochte an zahlreichen Beispielen die Unhaltbarkeit der alten Volksansichten zu erhärten.  Und der Bauer ist auch im Recht!  Auch er vermochte und vermag noch heute den Nachweis zu erbringen, daß eine keineswegs geringere Zahl von Regeln sehr treffende Wettervoraussagen ermöglicht.
Das sind Tatsachen, die wir erweisen werden.  Das sind aber auch Tatsachen, die uns zeigen, es habe weder die Wissenschaft noch der Bauer hinreichende Gründe, das Urwissen in Bausch und Bogen abzulehnen oder es ebenso als der Weisheit letzten Schluß zu bewundern.
Es bleibt uns mithin kein anderer Ausweg als die nüchterne Feststellung: Beide irren sich, die Wissenschaft ebenso wie der Altbauer, sofern wir die Bauernregeln wortwörtlich in der Form verstehen wollen, wie sie uns heute vorliegen.  Lernen wir dagegen von neuem die viele Jahrtausende alten Weistümer im Sinne unserer hochstehenden Ahnen, im Sinne des deutschen Ur-Bauern verwenden, kommen wir also in die Lage, die inzwischen entstandenen Irrtümer zu erkennen und zu beseitigen, dann erleben wir eine Überraschung.  Wir finden nämlich, daß die Bauernregeln, sinngemäß angewendet, alles das in den Schatten stellen, was die gegenwärtige Wetterwissenschaft für den jeweiligen Heimatbereich des betreffenden Bauern an kurz- und langfristigen Witterungsvoraussagen zu geben vermag.
Diese Behauptung klingt zunächst anmaßend.  Wir werden indessen in die Lage kommen, sie zu beweisen.  Überdies ist es gut, sich in diesem Zusammenhange daran zu erinnern, daß die Meteorologie eine sehr, sehr junge Wissenschaft ist, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens Bewunderswertes geleistet hat, daß aber die Bauernregeln auf ein nachweisliches Alter von zuweilen mehr als zehntausend Jahren zurückblicken.  Sie entstanden zudem aus bitterer Lebensnotwendigkeit; denn keine andere Erwerbsform ist derart von der Witterung abhängig wie der Bauer.  Eine unvorhergesehene Dürre oder ein überraschend kommendes Regenjahr entschieden wenigstens einst über Leben und Tod.  Naturnotwendig mußte der Ur-Bauer alles daran setzen, zu erfahren, ob es zweckmäßig sei, in dem einen Jahre etwa feuchtere Gründe, im anderen trockenere Höhen für die Bestellung auszuwählen.  Er mußte also in der Lage sein, über die Möglichkeit einer Wettervoraussage auf sehr lange Sicht zu verfügen.  Der Selbsterhaltungstrieb zwang ihn dazu.  Mit anderen Worten: Zur Erhaltung seiner Sippe, also um für sich und die Seinen ein gesundes und darum richtiges Leben zu gewährleisten, war es nötig, die Wetterlage im Voraus zu erkennen.  Wer nun richtig lebt, sich also der Welt gewachsen zeigt, der lebt weise.  Aus diesem Grunde sprechen wir von den Bauernregeln auch als von Volksweistümern.

Diese Volksweistümer schicken wir uns nun an, von den eingeschlichenen Irrtümern zu befreien.  Damit gebe ich erstmalig im Zusammenhang die Ergebnisse meiner ein Vierteljahrhundert umfassenden Arbeiten auf diesem Gebiete bekannt.  Jeder, ob Wissenschaftler oder Bauer, ob Dorfbewohner oder Städter, ob Gartenbesitzer oder Sportsmann - ich betonte, jeder wird in der Lage sein, die hier aufgestellten Behauptungen nicht nur nachzuprüfen, sondern sie nutzbringend für sein Dasein, ja auch für seinen Beruf, selbst für seine Mußestunde nutzbringend anzuwenden.
Auch das klingt wieder ein wenig unglaubhaft.  Bereits aber der erste Versuch, eine mißverständliche Regel wieder in vollem Umfange anwendbar zu machen, wird uns von der Richtigkeit dieser Angaben überzeugen.
Wir wenden uns darum gleich einmal einer Regel zu, deren völlige Unzuverlässigkeit auf der Hand liegt, einer Regel also, für deren Unhaltbarkeit wir nicht erst die wissenschaftliche Untersuchung zu bemühen brauchen; denn zumindest jeder Landbewohner lächelt, wenn wir die alte Volksweisheit ins Gedächtnis rufen, die da lautet:
Der Freitag-Mittag prägt oft uns ein,
Wie künftigen Sonntag das Wetter wird sein.

Diese Regel behauptet im Grunde nicht mehr und nicht minder, als daß das an jedem Freitag um die Mittagszeit herrschende Wetter am darauffolgenden Sonntag wiederkehren werde.  Das ist, gelinde gesagt, eine geradezu törichte Ansicht, die, da völlig unzutreffend, einer ernsthaften Widerlegung überhaupt nicht bedarf.  Würden wir also nun im üblichen Sinne verfahren und unser niederschmetterndes Ergebnis, wie das bisher geschah, verallgemeinern, so würden wir fraglos zu einer scheinbar berechtigten Ablehnung des Bauernwissens kommen.
Es gehört schon eine sehr reiche Erfahrung und eine aus eigenem Erleben schöpfende Kenntnis der bäuerlichen Seele, es gehört die dörfliche Herkunft dazu, ich möchte sogar sagen, das Bauernblut, um hier noch den Mut aufzubringen, trotzdem zu versuchen, Sinn in diesen vermeintlichen Unsinn zu bringen.

Es ist nun verblüffend zu entdecken, daß trotz der umfassenden wissenschaftlichen Nachprüfungen, denen die Bauernregeln unterworfen wurden, dieser Versuch niemals unternommen wurde.  Die Freitagsregel galt als ein Paradestück, galt als Kronzeuge für die Kindhaftigkeit des Volkswissens.  Vom Standpunkte des Zählforschers, des Statistikers, war gegen dieses Urteil gar nichts einzuwenden.  Nichts also darum auch gegen die wissenschaftliche ablehnende Haltung.  Alles aber war und ist einzuwenden gegen die allgemeine einstige Haltung den geistigen Fähigkeiten unserer Ahnen gegenüber und nicht auch zuletzt dem Bauern in seiner Gesamtheit gegenüber.  Man war gewohnt, von den primitiven Ahnen zu sprechen und ahnte nichts von der ungeheuren Höhe ihrer Kultur; nichts, aber auch gar nichts von der überraschend tiefen Naturkenntnis unserer Vorfahren.  Uns, die wir einsam um die Anerkennung der germanischen Urkultur rangen, uns hielt man für Wolkenwanderer.

Jetzt aber ist der Tag gekommen, wo bewiesen werden kann, was an dieser Wolkenwanderei ist.  Es ist der Tag der endgültigen Ehrenrettung des germanischen Ur-Bauern, des deutschen Bauern überhaupt; denn nie ist dieser nüchtern denkende und doch von edler Seelenwärme durchpulste Bauernschlag so töricht gewesen, eine Regel aufzustellen, die jeder natürlichen Berechtigung entbehrt.  Irgendwie muß der Freitagsglaube und damit der Zusammenhang zwischen Freitags- und Sonntagswetter den Tatsachen entsprochen haben.  Gewiß klingt diese Vermutung auf den ersten Blick sinnlos, wenn nicht gar albern; denn Freitag ist eben Freitag und Sonntag bleibt immer noch Sonntag.  Es ist auch nicht einzusehen, warum es hinsichtlich der Wettergestaltung einmal anders als in der Gegenwart gewesen sein könnte, warum also einmal Freitags- und Sonntagswetter von einander, im Gegensatz zu heute, abhängig hätten sein sollen.
Indem wir aber diese Überlegung aussprechen, beweisen wir nur unsere eigene Unwissenheit, unsere Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Lebensbedingungen unserer Ahnen.  Das Entscheidende in ihrem Dasein war ihre Naturnähe.  Das will sagen: Unsere frühen Vorfahren richteten sich nach der Natur und lebten so, wie die heimatliche Natur es ihnen vorschrieb.  Sie lebten darum ohne die großen Reibungen der heutigen Zivilisation, sie lebten glücklicher, weil gesünder, weil weiser.  Bei ihnen war etwa der Monat noch wirklich mit dem Monde verknüpft.  Jeder Monat begann mit dem Tage nach Neumond und endete mit dem Neumond.  Auf etwa den fünfzehnten Tag jeden Monats fiel der Vollmond.  Neumond und Vollmond waren darum die beiden gegebenen Festtage des Monats, wie das noch heute bei allen natürlich lebenden Völkern der Fall ist.  Neumond und Vollmond waren die beiden monatlichen Sonntage.  Sie schlossen zwischen sich die beiden je vierzehntägigen Wochen ein.  Das besagt ja noch das Wort "Woche", das so viel wie "Wechsel", also Mondwechsel bedeutet.
Halten wir das einmal fest: Der Ur-Monat war durch den Lauf des Mondes bestimmt, die Wochen durch die Mondwechsel, also durch die Zeit des zunehmenden Mondes in der ersten, durch die Zeit des abnehmenden Mondes in der zweiten Monatswoche.  Statt vier Wochen hatte der damalige, der Ur-Monat also nur zwei Ur-Wochen.  Es gab demgemäß innerhalb des Ur-Monats auch nur zwei Freitage, die wir hier auch als Ur-Freitage bezeichnen wollen.

Das alles ist zwar zu wissen sehr hübsch.  Aber unsere Frage, inwiefern diese Ur-Freitage mit den Ur-Sonntagen hinsichtlich der Wetterlage zusammenhingen, ist uns noch völlig rätselhaft.

Hier muß nun unser im letzten Jahrzehnt wiedergewonnenes Wissen um den tatsächlichen Einfluß des Mondes auf das Wetter herangezogen werden, wobei wir uns eine Erklärung für spätere Untersuchungen über die Frage aufheben müssen, warum die Wetterwissenschaft so lange den Mondeinfluß als nicht vorhanden bezeichnen mußte.  Begnügen wir uns mit der Feststellung, daß er heute erwiesen ist und versuchen wir, uns die wahren Zusammenhänge in großen Zügen zu verdeutlichen.
Für unsere Betrachtungen haben wir die Tatsache in Rechnung zu stellen, daß unsere Erde von der Sonne elektrische Kräfte zugesendet erhält, die unter Umständen Regenwetter auslösen können.  Je stärker dieser elektrische Zustrom ist, um so höhere Schlechtwettergefahr besteht.
Wenn wir nun unseren Mond berücksichtigen, der wie die Erde elektro-negativ geladen ist, so dürfen wir folgern, daß er die positive Sonnenelektrizität an sich heranzieht.  Tritt er also zwischen Sonne und Erde, was um die Neumondzeit geschieht, so muß der Erde durch seine Zusammenraffung eine erhöhte Menge elektrischer Kräfte zugeführt, mithin die Voraussetzungen zu Regen geschaffen werden.
Erfahrungsgemäß beginnen nun in normalen Zeiten die Neumondwirkungen bereits etwa zwei Tage vor dem astronomischen Neumond.  Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse beim Vollmond, also wenn unser nächtlicher Begleiter, von der Sonne gesehen, hinter der Erde steht.  Dann summen sich die Erd- und Mondanziehungskräfte auf und leiten wieder eine gesteigerte Menge Sonnenelektrizität auf unseren Heimatstern.  Auch hier wird die Wirkung bereits zwei Tage vor Vollmond spürbar.  In beiden Fällen, beim Voll- wie beim Neumond, hält sie gewöhnlich auch noch bis zwei Tage nach den Mondwechseln an.

Nun wissen wir aber, daß in der Zeit des Ur-Monats die beiden monatlichen Sonntage mit dem Neu- und dem Vollmond zusammenfielen.  Wir wissen ferner, daß diese Mondwechseltage noch heute oft Wetterwechsel bringen, Schlechtwetter; wir wissen ferner, daß bereits zwei Tage vor diesen Tagen des Neu- und des Vollmondes, vor diesen Ur-Sonntagen, sich der Umschlag zum Schlechten ankündigt; wir wissen ferner, daß diese zweiten Tage ehedem die Ur-Freitage waren und haben somit - die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der scheinbar ganz unzutreffenden Regel vollinhaltlich erwiesen.
Um sie heute wieder anwendbar zu machen, heute, wo der Monat nichts mehr mit dem Monde zu tun hat, wo anstatt der zwei Sonntage deren vier und statt der zwei Wochen deren mindestens auch vier getreten sind, haben wir nun folgendes zu tun: Wir nehmen unseren Kalender zur Hand und streichen uns jeweils die zwei Tage vor Neu- und vor Vollmond rot an, dann die Tage des Neu- und des Vollmondes selbst und dazu jeweils die folgenden zwei Tage; denn unsere Regel erlaubt uns, ganz abgesehen von der Wetterlage, auch noch weitere lebenswesentliche Einsichten.
Wir werden nämlich bei der Beobachtung nicht nur finden, daß die Ur-Freitage sowohl in gutem oder schlechtem Sinne vortrefflich die Wetterlage bis zu den Mondwechseltagen angeben als auch meist noch die der auf sie folgenden zwei Tage, sondern wir begreifen zudem die Weisheit der Ahnen, die das riet: "Am Freitag soll man keine neue Arbeit und keine Reise beginnen, da man dann viel mit Hindernissen zu kämpfen hat".
Dieser Freitagsaberglaube, der Glaube an den Freitag als Unglücksbringer, ist heute noch überall am Leben.  Er trifft aber ebenso wenig zu wie die vordem behandelte Regel.  Wenden wir ihn dagegen auf den Ur-Freitag an, dann wird er zu einer Wahrheit von ungeheurer Bedeutung.  Denn es ist nur nötig, sich daran zu erinnern, daß jene Sonnenelektrizität nicht nur Schlechtwetter bedingen kann, sondern einen entscheidenden Einfluß auf Nerven und Leben hat.  Die Wettervorfühligkeit setzt ein und sie wirkt sich aus in gesteigerter Erregbarkeit, in benommenem Kopf, in Schmerzen, in verminderter Aufmerksamkeit, in Fahrigkeit, Ungeschicklichkeit, Arbeitsunlust, vermindertem Appetit.  Da nun jede neue Arbeit, um zu der Regel zurückzukehren, unsere vollen Kräfte, unsere uneingeschränkte Tüchtigkeit zum Gelingen voraussetzt, da aber unsere Fähigkeiten ganz besonders am Ur-Freitag vermindert zu sein pflegen, so tun wir gut, wenn wir die Aufgabe nicht zu verschieben vermögen, uns dauernd bewußt zu bleiben, daß uns nur allerstärkste Anstrengung und Anspannung zum Ziele führen können.  Da überdies auch die Geschicklichkeit und die Aufmerksamkeit abgedrosselt sind, so ist der Rat, keine Reise zu unternehmen, auch heute noch sehr weise; denn wer einmal während der jetzt rot bezeichneten Tage die Zeitungen sammelt, der wird, wie unser Material einwandfrei beweist, eine Häufung von Verkehrsunglücken, Sportunglücken, von Wetterkatastrophen, Todesfällen - kurz, er wird vollauf das bestätigt finden, was die Regel aussagt.  Immer muß also der Ur-Freitag für uns das Zeichen sein, unsere Selbstbeherrschung zu steigern und eingedenk zu bleiben, daß auch wir, wie unsere Ahnen das richtig erkannt hatten, Glieder unserer heimatlichen Natur und abhängig von dieser Natur sind.  Richten wir uns darum nach der Natur, so werden wir im Sinne einer Ertüchtigung des Volksganzen handeln; wir werden aber auch Werte erhalten und wir werden noch etwas ungeheuer Wichtiges tun: Wir werden wieder, schlicht und nüchtern, zu den reichen Schätzen und den segenspendenden Kräften der Heimat zurückfinden.  Wir werden die Quellen unserer Muttererde wieder voll erschließen; wir werden neue, wichtige Hilfen entdecken, wenn wir nur das Eine tun, wenn wir das in den Bauernregeln enthaltene Vermächtnis der Ahnen als treue Enkel wieder zu hüten anfangen.