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Das gelöste Rätsel um Tihuanaku



Das Geheimnis der Meseta


Nahezu tropisch warme Sonne übergoldet das leicht bewegte Wasser einer Bucht, die der Ferne zu in ein Binnenmeer ausmünden könnte.  Mag schon die Wasserweite ein Meer vortäuschen - in Wirklichkeit ist es doch nur ein See, der hier im Andenhochland seine blauen Wasser spielen läßt.  Noch ist bei diesem größten Hochlandsee unseres Planeten, dem Titikaka von rund 200 km Länge und rund 180 km Breite, urwüchsiges Indianerleben anzutreffen, wie es das äußerst dünn besiedelte Bolivien vielfach vorweist.  Armut und beispiellose Anspruchslosigkeit lösen beim kulturverwöhnten Besucher dieser Gegend zwiespältige Gefühle aus, sobald er eben noch in einem der wenigen Zentren mit Großstadtluft verweilte, gleichsam einer kulturell betonten Oase inmitten meilenweiter Naturstille und Hochlandeinsamkeit.  Wo auf einen Quadratkilometer Fläche im Mittel nur drei Menschen leben, kann das nicht anders sein.

Neben kleineren Gewässern flutet der Titikaka auf jener gewaltigen, heute rund 4000 m über dem Meeresspiegel liegenden Hochlandfläche zwischen der östlichen Haupt- und der westlichen Küstenkordillere.  Das von den Eingeborenen mit Meseta benannte Hochland ist etwa 200 km breit, besitzt eine Längenausdehnung von weit über 1000 km und fällt (zwischen dem 15. bis 25. Breitengrad) in geringem Maße von Norden nach Süden zu ab.  Im Norden ist die Meseta durch die kreuzende Kordillere (Cordillera Crucera) gegen das in die Amazonasniederung verlaufende Hochland von Peru abgeriegelt.  Im Süden dagegen endet die Meseta allenthalben unvermittelt mit den chilenischen Salpeterfeldern an der zum Stillen Ozean steil abfallenden Küste.  Soweit unser Hochland bergig erscheint, erreichen die Höhen nicht entfernt diejenigen der sie umschließenden Gebirgsketten, deren schneebedeckten Gipfel das Hochland im Mittel einige Hundert, zum Teil bis zu anderthalbtausend Meter überragen.

Voller Erwartung ist der Forschungsreisende hierher geeilt, der glaubt, sich am heutigen Natur- und Landschaftsbild davon überzeugen zu können, daß ein Mondkataklysmus zumal hier seine sichtbaren Spuren hinterlassen hat und vor allem die zunächst befremdende These an Beweiskraft gewinnt, daß nicht nur primitive, sondern gleichwohl mit Weisheit gesegnete Menschen der Jahrmillionenferne die Tragödien tatsächlich durchlebt bzw. bis auf Restteile überstanden haben.  Solange man allerdings das Bild der Urindianer noch vor Augen hat, die auf verschilften Filzdecken in Buchten des Titikaka ein mehr als dürftig zu nennendes Dasein bestreiten, möchte man kaum glauben, daß an gleicher Stelle und auch außerhalb des Hochlandsees dereinst hohe Kulturen niedergebrochen sind.  Doch jeder Zweifel an deren einstigem Bestehen schwindet, sobald man das unweit vom Titikaka sich erstreckende Ruinenfeld von Tihuanaku betritt.  Noch hat der Zahn der Zeit die teilweise freigelegten Bauwerke der Vorferne nicht derart zermalmt, hat menschlicher Unverstand nicht soviel hinweggeräumt, daß eine Rekonstruktion vergeblich bleibt.  Ist doch ein nicht geringer Teil der hier ruhenden Bauwerksreste ausgeraubt und für neuzeitliche Bauvorhaben verwendet worden, lange bevor sich Gelehrte der modernen Altertums- und Vorgeschichtsforschung damit beschäftigten.

Ob man die Kirche des heutigen Landstädtchens Tihuanaku in Augenschein nimmt, seltsame Kapitelle an den Gutshäusern der Finkeros bewundert, ob man eine gepflasterte Straße oder eine steinerne Brücke überwandert - alsbald wird man gewahr, daß die hierfür verwendeten Werksteine, Skulpturen, Portale, Fenstereinfassungen, Wasserleitungsrinnen und dergleichen mehr fast ausnahmslos dem nahegelegenen Ruinenfeld entnommen sind.  Mit einigem Stolz weist ein indianischer Bauer auf die Eingangstür seiner sonst dürftigen Behausung hin.  Die Tür ist wohlverstanden aus skulptierten Werksteinen aufgebaut, die zum Teil gerade dem wertvollsten vorzeitlichen Nachlaß Urtihuanakus entrissen wurden.  Und wenn wir die Mulas des Indios aus einem prächtig gearbeiteten Trog mit eingemeißelten Treppenfiguren und großen Spiralbändern fressen sehen, so dürfte der Hausherr keine blasse Ahnung davon haben, welche Kostbarkeit einer fern gelebten Zeit hier einer grauen Alltäglichkeit geopfert wurde.  Es mag dem Massengewicht der in Vorzeiten verwendeten Steinblöcke zu verdanken sein, daß wesentliche Bauwerke nicht allzusehr verstümmelt wurden und einem baukundigem und architektonisch geschultem Fachmann die Möglichkeit bieten, sie im Geiste wiederherzustellen.

Seit geraumer Zeit hat nun ein besonderes Bauwerk des Ruinenfeldes ein unabänderlich hohes Interesse bei noch allen hier grabenden und schürfenden Gelehrten erweckt.  Die schweren Riesenpfeiler der einstigen Umfassungsmauern des ersichtlich kultischen und gestirnskundlichen Zwecken dienenden Baues, das Ostportal mit seiner monumentalen Freitreppe, ferner einige Steine im Innern der Anlage und solche, die unter Schutt lagen, lassen zum mindesten den Grundriß der Anlage bis auf den Zentimeter genau erkennen.  Für eine hier ausgeübte und zur praktischen Anwendung gelangenden Gestirnsbeobachtung spricht vor allem ein verhältnismäßig nur wenig beschädigtes, vorläufig mit "Sonnentor" benanntes Baugebilde.  Es besteht aus einem Block graugrüner Andesitlava von etwa zehn Tonnen Gewicht mit einer herausgemeißelten Türöffnung von Manneshöhe.  Über der Türöffnung zieht ein eigenartiger Figurenfries entlang, der die gelehrten Deuter von Anbeginn an auf ein in Stein verewigtes Kalendersystem schließen ließ. 



(Bildquelle/-text: Buch "Das Sonnentor von Tihuanaku und Hörbigers Welteislehre" von E. Kiss, 1937)
Lichtbild des Sonnentores in Tihuanaku. Phot. Professor Arthur Posnansky in La Paz



Dieser Schluß ist sehr naheliegend, denn ohne einen Kalender als zeitbestimmendes Verständigungsmittel bleibt jede Kultur, auch die unserige, in Frage gestellt.  Seit es Menschen verstanden, über den primitiven Zeitbegriff von Tag und Nacht hinauszugelangen, d.h. dem jährlichen Gang der Sonne auf die Spur zu kommen und vor allem den rhythmischen Wechsel der Mondphasen zu erkennen und mit der periodischen Wiederkehr bestimmter Naturabläufe (Jahreszeitenwechsel, Wachstumsperioden usw.) in Beziehung zu setzen, war eine Grundlage für eine kalendermäßige Zeiteinteilung und damit eine Kulturentwicklung schlechthin gewonnen.  Denn kulturlos wären wir allesamt geblieben, hätten es gestirnskundige Praktiker nicht schon vor langen Jahrtausenden verstanden, erkannte Gesetzmäßigkeiten im Gang der Gestirne zeitbestimmend auszuwerten, dem Wirtschaftsleben nutzbar zu machen und damit wertvolle Vorarbeit für alle spätere astronomische Rechenarbeit zu leisten!  Dieser wiederum verdanken wir es, daß wir heute über ein wohlgeordnetes Zeitsystem verfügen, beispielsweise unser Gregorianischer Kalender bis auf einen geringfügigen Fehler von noch nicht 24 Stunden in dreieinhalb Jahrtausenden mit dem kosmischen Uhrwerk übereinstimmen soll.

Seit Alexander von Humboldt an der Wand der Kathedrale von Mexiko einen Kalenderstein der alten Azteken bewunderte, der auf eine Jahreseinteilung von
18 Monaten (!) schließen läßt, hat sich das Material über offenbar uralte Kalendersysteme fast unwahrscheinlich gehäuft.  Die Struktur eines alten Mayakalenders läßt beispielsweise erkennen, daß er nicht nur Jahrtausende hindurch bis zum Einfall der Spanier befriedigend funktionieren konnte, sondern in mancher Hinsicht unserem heutigen Kalender noch überlegen war.
Bis in die Neuzeit hinein galt es für ausgemacht, daß ältester Kalenderbrauch in den alten Kulturzentren der Euphrat- und Tigrisniederung ursprünglich geübt und von dort nach Indien und Ostasien, Arabien, Ägypten und die Länder des Mittelmeeres verbreitet wurde.  Diese Meinung ist erschüttert, seit wir wissen, daß offenbar noch ältere Kalendersysteme bestanden, die erst auf Umwegen dorthin gelangten, wo wir bislang ältestes Kalenderweistum vermuteten. 
Aus bestimmten Resten uralter Steinsetzungen Mittel- und Nordeuropas möchten sich darum bemühende Forscher längst verschollene Kulturen herauslesen.  Es wäre in diesem Zusammenhang auch an die gewaltigen Steinkreise von Avebury und Oxford, in Schottland und in der Heide von Salisbury ("Steingehänge"), an die schon vom alten Herodot beschriebenen "Irrgärten" am Mörissee oder an solche bei Wisby auf Gotland zu denken.  Was aber kündet uns der Sonnentorfries des mit Kalasasaya oder Sonnenwarte benannten Kultbaues dort oben beim Titikaka?



(Bildquelle/-text: Buch "Die Sintflut und ihre Wiederkehr" von Behm, 1956)
Zeichnung des rechten und linken Friesteiles des Sonnentorkalenders mit einer Zäsur,
die an den straff hochgerichteten Kondorköpfen der untersten Friesreihe zu erkennen ist.



Schon eine oberflächliche Betrachtung läßt vermuten, daß alle Einzelheiten der ein Strahlenantlitz darstellenden Hauptfigur, noch alle Bildfeinheiten der flankierenden Zepterträger, wie auch alle stilisierten (mit kranzartigen Zeichen und Kondorköpfen umgebenen) Menschengesichter eines Mäanderbandes bestimmte Sinnzeichen für Jahresabschnitte, ja selbst Tage und Stunden, darstellen dürften.  So treten im Rahmen der figürlich dargestellten Jahresreihe des Mäanderbandes zwei geharnischte und behelmte Trompeter auf.  Deren Friesanordnung beweist unzweideutig, daß es sich hier nur um eine sinnbildliche Wiedergabe des sich wendenden Sonnenlaufes handeln kann.  Zudem deutet die Fußstellung der kleinen Trompeterfiguren die wieder zurückkehrende Marschrichtung der Sonne an, und die Spitzen der ausschreitenden Füße tragen je einen Kopf des heiligen Sonnentieres Toxodon.  Weiterhin ist die Stellung der Trompeter in Übereinstimmung mit dem Stand der Sonne zur Jahresmitte und zum Jahresende gebracht, der sich bekanntermaßen auf der Südhalbkugel der Erde gerade umgekehrt wie auf der Nordhalbkugel verhält.

Demnach ist nicht allzuschwer zu entziffern, daß es den Steinmetzen Urtihuanakus gelungen war, die Sonnenwenden und die Tages- und Nachtgleichen figürlich darzustellen.  Die Schwierigkeiten der weiteren Entzifferung häuften sich erst dort, wo die Suche nach einer Wiedergabe der Anzahl der Tage pro Jahr bzw. pro Jahreszwölftel beginnt.  Selbst dem in Tihuanaku-Fragen als bisher unerreichte Autorität geltenden, inzwischen verstorbenen Vorgeschichtsforscher Arthur Posnansky vom Archäologischen Institut in La Paz gelang es nicht, den steingehauenen Hieroglyphen die uns geläufigen Zahlen der Jahrestage (365) und der Tagesstunden (24) abzulesen.  Sobald er darum bemüht war, hier zu einer wünschenswert befriedigenden Lösung zu gelangen, blieb er genau besehen doch im Problemhaften stecken oder mußte sich voraussetzungshalber höchst willkürlicher Annahmen bedienen.  "Nicht um die Breite eines Fingernagels gelang es mir, wirklich in die Tiefe zu stoßen", bekannte er vor etlichen Jahren einmal, als er zu dem Abguß des Sonnentorfrieses in seinem Tihuanakuinstitut in Miraflores emporsah.

Dies konnte ihm auch kaum gelingen, solange er in der üblichen Vorstellung befangen blieb, daß durch alle Zeiten hindurch die Zahl der Tage im Jahr und die Dauer der Tageszeit stets gleich geblieben sind.  Wer immer eines solchen Glaubens ist, wird sich vergeblich darum bemühen, Tihuanakus Kalendergeheimnis jemals enträtseln zu können.  Lediglich das Sonnenjahr kann zeitlich dem heutigen entsprochen haben, was sich mit der Vorstellung eines Hinschrumpfens der Erde zur Sonne hin insofern verträgt, als ein solcher Vorgang ein kosmisches Zeitmaß erfordert, das selbst in Jahrhunderttausenden keine menschenmöglich feststellbare Änderung der Sonnenjahrzeit gegeben zu sein braucht.  Das erklärt auch die leicht möglich gewordene Entzifferung der am Sonnentorfries figürlich und sinnzeichenhaft zum Ausdruck gebrachten Sonnenjahrvorgänge.

Um jedoch eine Änderung der Zahl der Tage und damit zusammenhängend der Monate im sichgleichbleibenden Sonnenjahr gegeben und das möglicherweise am Sonnentorfries dargestellt zu sehen, muß man sich schon mit der Lehrmeinung jener Kosmologen befreunden, die den Todesweg eines Mondvorgängers und die dadurch bewirkten Zeitlängenverschiebungen hinsichtlich der irdischen Tage und Monate verteidigt.  Obwohl uns das bereits plausibel wurde, bleibt zu beachten, daß wir auch hier mit kosmischen Zeitläufen zu werten haben und sich bei noch genügendem Abstand des Mondes von der Erde irgendwelche Änderungen in der Tagesdauer usw. nicht von heute auf morgen vollziehen sollten.  Es brauchten sich demnach viele Menschengenerationen, die während eines Mond- kataklysmus nacheinander auf Tropenhöhen lebten, zunächst keine Sorgen darüber zu machen, ob ihr Formen, Bauen und Gestalten am Ende doch sinnlos ist.  Eines ist sicher - wenn der Sonnentorfries sich kalendar auf Himmelsbeobachtungen an einem Tertiärmond (Vorgänger der Luna) gründet und während einer Zeitepoche gefertigt wurde, da der Trabant unsere Erde schon verhältnismäßig nahe umkreiste, sein Erdumlauf die Erddrehung vielleicht schon zu überholen begann, dann müßten ihm wohl oder übel andere Tageslängen und dergleichen mehr als die gegenwärtigen abzulesen sein.  Wenn dies aber gelingt, stünde zugleich ein unerhört hohes Alter des Torfrieses, das in die Jahrmillionen geht, außer Zweifel.



(Bildquelle/-text: Buch "Die Sintflut und ihre Wiederkehr" von Behm, 1956)
Inneres der Sonnenwarte Kalasasaya in Tihuanaku.  Nach einer Rekonstruktion von Reg.-Baurat Kiss.  Auf dem obersten Stufenabsatz das Sonnentor.




Um hier die Probe aufs Exempel zu machen, muß sich noch jeder an die Friesenträtselung heranwagende Forscher des Rüstzeuges von Kosmologen und Geologen bedienen, die aus astronomischen Erwägungen und geologischen Entdeckungen heraus eine mondbedingte Antlitzgestaltung des Erdkörpers für gegeben erachten oder zum mindesten als brauchbares Untersuchungsmittel zu schätzen wissen.  Haben doch Strandlinienvermessungen zumal im Andenhoch- land ergeben, daß hier vor Zeiten wesentlich andere Bewässerungsverhältnisse als heutigentags geherrscht haben müssen, daß das Weltmeer bis hoch hinauf zu den Andenketten flutete, in äquatorialen Breiten beiläufig um runde 4000 m höher als heute stand und die damalige Meseta ein anderes Bild als heute bot.  Ohne Zweifel standen ihre Gewässer mit dem damaligen Weltmeer in Verbindung, sie war aber nicht gänzlich überflutet, sondern der Titikaka und die weiteren Seen des Hochlandes waren an Umfang mehrmals größer als heute.  Noch gegenwärtig entspricht der Salzgehalt mancher Mesetaseen dem des Meeres, mag auch das Wasser des Titikaka infolge der durch Regen- und Gletscherwasser bewirkten Aussüßung eher brakisch sein.  Viele der jetzt noch vorhandenen Salzseen und Lagunen müssen vor Zeiten eine zusammenhängende Wasserfläche gebildet haben und ebensowohl verraten uns Eigentümlichkeiten der Landschaft, wie in der Atakamawüste und der Ostfalte der Kordillere, wo ehedem die salzigen Wasser gestanden haben bzw. zur chilenischen Küste hin wieder abgeströmt sind.



(Bildquelle: Dieses Foto wurde uns von einer Leserin unserer Netzseite zur Verfügung gestellt.)
Ein Salzsee (Peru/Bolivien) der sich in einer Höhe von zirka 3600 m Höhe befindet.


Von erheblicher Bedeutung für unser Vorbringen ist eine besondere, 1926 von den Professoren Posnansky und Troll auf etwa 500 km Länge hin genau nivellierte Strandlinie.  Sie ist den Wänden der flachen Berge, die vom Titikaka zum Pooposee und den diese beiden Seen verbindenden Desaguodero-Flußlauf (in jeweils mäßiger Entfernung der Gewässer) entlang streichen, deutlich abzulesen.  Die Strandlinie - in Gestalt ehemaliger Uferablagerungen, vom Brandungsschlag bewirkter Felsauswaschungen, wie sie eine längere Zeit hindurch ungefähr gleichbleibender Wasserstand nach seinem Absinken hinterläßt - kennzeichnet einwandfrei die Uferlinie eines ehedem zusammenhängenden breiten, seenartigen Gewässers.  Sie deutet auf eine (teilweise einem Binnenmeer gleichende) weitgedehnte Wasserfläche mit darin aufragenden Hochinseln auf der Meseta hin.  Aber sie besagt uns noch weit mehr.

Das Ruinenfeld von Tihuanaku und damit die prähistorische Sonnenwarte mit dem Sonnentor liegt heute rund 20 km vom Titikakasee entfernt und etwa 27 m über dem heutigen Spiegel des Sees erhöht.  Die Strandlinie verläuft hier in gleicher Höhe und läßt darauf schließen, daß Urtihuanaku vor Zeiten einmal eine Hafenstadt am damaligen Binnenmeer, d.h. einer von Gebirgsmauern umsäumten Seebucht mit Zugang zum Weltmeer war.  Da unter den nach und nach freigelegten Bauwerken des Ruinenfeldes mindestens fünf als Häfen erkennbare Anlagen und ein das ehemalige Stadtgebiet umschließender Hafenkanal festzustellen sind, ist der Hafenstadtcharakter als solcher nicht anzuzweifeln.  Schon knapp hundert Meter nördlich der Kalasasaya geben sich dereinst aus schweren Haussteinquadern gefertigte Bauwerke eindeutig als die Molenmauern zweier rechteckiger Hafenbecken zu erkennen.  Die Übereinstimmung vom Strandlinien- und Ruinenbefund wäre somit ein erstes Positivum im Rahmen der Enträtselung Urtihuanakus.

Die Strandlinie als solche besitzt nun die zunächst fatal erscheinende Eigenschaft auf einer Strecke von 400 km hin um den Betrag von 86 m nach Süden zu allmählich abzufallen.  Dieser, wenn auch nur geringe Abfall (also rund 20 cm pro km) läßt sich nur so erklären, daß die Gleichgewichtslage der Wassermassen auf Erden dereinst eine andere als heutigentags war, daß mit anderen Worten der durch die Strandlinie markierte Wasserspiegel im Falle eines Vermessens mit unseren heutigen Meßinstrumenten durchaus als wagrecht und nicht etwa schräg verlaufend registriert worden wäre!  Fragen wir nach der Ursache der veränderten Gleichgewichtslage der irdischen Wassermassen in Vorzeittagen, so gehen wir nicht fehl, an die vom Mondvorgänger äquatorwärts hochgesaugte Meeresflut zu denken.

Unmittelbar vor und nach der Zeit des eintägigen Monats mußte sich ein Zustand eines jeweils mehrtausendjährigen Beharrens der hoch hinauf in das Andengebiet reichenden Wassermassen ergeben haben, wie ihn die uralte Strandlinie heute noch entsprechend anzeigt.  Ihr Verlauf entspricht im großen und ganzen der annähernd zu berechnenden Flutringböschung in ihrem südlichen, polwärts gerichteten Abfall.  Würde das Andenhochland auf der Nordhalbkugel der Erde liegen, so müßte die Strandlinie nach Norden zu abfallen.  Daß jedenfalls das Meseta-Meeresbuchtgebiet mit seinen für die damalige Menschheit geeigneten Inselbereichen in Wirklichkeit keinen schief verlaufenden Wasserspiegel besaß (den es erfahrungsgemäß auch gar nicht geben kann), die Strandlinie aber dennoch etwas schief verläuft, resultiert darin, daß die Normalen zu den Radien der Erde einstmals durch das Vorhandensein des immerhin schon recht erdnahen Tertiärmond (Vorgänger der Luna) verschoben war.  Damit wäre ein weiteres Positivum zu verzeichnen, das Urtihuanaku zeitlich in die Jahrmillionenferne rückt.

Genauer besehen haben wir mit einer erdgeschichtlichen Zeitspanne zu werten, da der Tertiärmond den eintägigen Monat knapp hinter sich hat, sein Todesweg zur Erde hin sich bereits auf dem absteigenden Ast bewegt.  Forscher, die, etwa wie Hörbiger, sich darum bemühten, die astronomischen und kalendaren Zustände zu dieser Zeitspanne ebenfalls zu ergründen, sind der Meinung, daß im gleichen Sonnenjahr wie heute die Tagesdauer dazumal 29,4 Stunden, die Anzahl der Tage etwa 298 bei 447 Tertiär-Mondumläufen, demnach 37 bis 38 pro Jahreszwölftel, betragen hat und schätzungsweise 200 Sonnenfinsternisse stattgefunden haben.
Die Frage liegt nun nahe, ob der Sonnentorfries möglicherweise von Steinmetzen gefertigt sein könnte, welche die so fern liegenden Zeiten als Angehörige einer hochentwickelten Kultur durchstanden und somit ein von unserem heutigen völlig abweichendes Kalendersystem steingemeißelt nachgelassen haben.  Um eine Beantwortung dieser Frage hat sich der vor dem letzten Weltkrieg zeitweilig in Tihuanaku forschende Regierungsbaurat Edmund Kiss nach Kenntnis der obigen Zahlwerte redlich bemüht.  Sollten diese etwa auch dem uralten Tihuanakukalender abzulesen sein?  Sein dem Sonnentorfries tatsächlich herausgelesenes - auf die kürzeste Formel gebrachtes - Ergebnis lautet: Tagesdauer 30,2 Stunden, Zahl der Tage 290, Tertiär-Mondumläufe 447 (pro Jahreszwölftel 37,2) und Sonnenfinsternisse 204 - alles pro Sonnenjahr!

Die im großen und ganzen völlige Übereinstimmung der Zahlwerte ist derart verblüffend, daß an einen Zufall nicht zu denken ist.  Nicht nur das Kalender- geheimnis Tihuanakus als solches scheint demnach enträtselt zu sein, sondern unsere gesamte Kulturforschung wird sich daran gewöhnen müssen, mit weit ausgedehnteren Zeitläufen zu werten, als sie sich das bislang nur träumen ließ.  Läßt einerseits eine uralte Standlinie auf das hohe Alter bestimmter Bauten Urtihuanakus schließen, deren Hafenanlagen mit der sie schneidenden Standlinie in Einklang stehen, so stellen andrerseits die entzifferten Ideographien am Sonnentor eine vollwertige Gegenprobe aufs Exempel dar.

Fassen wir einige Bauwerke des Ruinenfeldes noch etwas näher ins Auge oder nehmen wir die geologische Beschaffenheit der Meseta und ihrer Gebirgsumrandung noch etwas unter die Lupe, schwinden jede Zweifel an der Realität der hier einst stattgefundenen Gewaltabspiele.



(Bildquelle/-text: Buch "Die Sintflut und ihre Wiederkehr" von Behm, 1956)
Der alte Tempel in Tihuanaku mit dem eigenartigen Fries von Porträtsköpfen dich über dem Fußboden. 
Nach einem Rekonstruktions-Schaubild von Reg.-Baurat Kiss.


Sehr hohen Alters wie auch die Anlage der Kalasasaya dürften die Reste eines ursprünglich in die Erde hinein gebauten, vorläufig mit "Alter Tempel" umschriebenen Bauwerkes sein.  Die dicken Mauern sind zwischen megalithische Pfeiler eingelassen, mit denen sie in der Fläche bündig liegen.  Damit sie nicht zwischen den Pfeilern herausfallen, sind sie mit Nut und Feder in sie eingefügt.  Dieser soliden Bauart ist es zu verdanken, daß die Wände über undenkliche Zeiträume hin wenigstens in ihren unteren Teilen einigermaßen erhalten blieben, im übrigen auch infolge ihres Erdeinbaues keiner wesentlichen Verwitterung ausgesetzt waren.  Bemerkenswert und vom Schauer des Geheimnisvollen umwebt sind eigenartige, den Innenwänden eingelassene inzwischen inkrustierte Porträtköpfe, die einer Ahnengalerie entsprechen dürften.  Der Einbau in den Felsboden und die Verwendung künstlicher Mittel gegen Einsturzgefahr spricht für Erdbebenschutz, wie ein solcher während einer Zeitspanne ungewöhnlicher Beben geraten sein mußte.  Das dürfte auch für merkwürdig engräumige Gelasse gelten, die sich unter dem Erdboden befanden und hinsichtlich ihrer Bauweise gegen Bebenstöße hervorragend gesichert waren, vielleicht auch einen willkommenen Unterschlupf gegenüber Aschenregen der Vulkane und nicht zuletzt gegenüber Großhagel und niederbrechenden Mondtrümmern boten.  Verschiedene der über das Ruinenfeld, auch über das Weichbild der modernen Stadt Tihuanaku zerstreuten Gelasse, die man allenthalben mit "unterirdischen Wohnungen" bezeichnen kann, werden heute noch von indianischen Bewohnern als Keller benutzt.

Auf ein sehr großes, 200 x 200 m umspannendes festungsartiges Bauwerk, das dereinst auf einem offenbar künstlich aufgeschütteten Berg errichtet war, weisen dessen allenthalben freigelegte Stützmauern hin.  Zum Teil sind auch die Grundmauern verschiedener Gebäude erhalten, die ehedem auf der oberen Plattform der Festung, der man den Namen Akapana verliehen hat, festgefügt standen.  Für einen ursprünglich auf der Plattform befindlichen Teich spricht eine hier ausmündende Entwässerungsleitung, deren Beginn infolge der einstmaligen Verwendung schwerer Hausteinplatten und Andesitblöcke fast vollständig erhalten blieb.  Auch Akapana, das bei einer Versuchsrekonstruktion gleichsam den Eindruck eines bombensicheren Bunkers erweckt, dürfte den urältesten Bauten Urtihuanakus hinzuzuzählen sein.

Schließlich sei, ohne das Ruinenfeld auf seine weiteren Bauwerke hin abzutasten, noch auf die merkwürdigen Terrassenbauten, von den Eingeborenen Andenes benannt, hingewiesen.  Es handelt sich hier um landwirtschaftlich genutzte Stufenäcker, deren Stützgemäuer ein Wegspülen der Ackerkrume verhindert.  Sie bedecken in einer Länge von etwa 2000 km und einer Breite, die dem Abstand (etwa 200 km) der beiden Kordilleren entspricht, alle Berge bis in die hohen Gipfelgebiete hinauf, finden sich selbst auf dem Illimani, dem Granitklotz bei La Paz in über 5000 m Höhe.  Sie würden sich wahrscheinlich auch noch höher hinauf entdecken lassen, wenn der Schnee einmal verschwände, der in der geologischen Gegenwart auch unter heißer Sonne hier dauernd liegen bleibt.  Nicht nur die Berge Boliviens, sondern auch die von Peru auf der Strecke vom Titikakahafen Puno bis nach Cuzco und darüber hinaus sind mit solchen Terrassenbauten übersät, die von der Tiefe gesehen gleich zarten Notenlinien wirken und die um so besser erhalten und damit vor menschlicher Zerstörung bewahrt sind, je höher sie liegen.  Es ist kaum zu errechnen, welche gewaltige Gesamtstrecke die hundertfach übereinandergetürmten Kunstbauten wohl ausmachen, wie oft sie wohl, aneinandergereiht, den Erdball umspannten!  Einige der nicht allzuhoch gelegenen Terrassen werden heute noch von einsichtigen Indianern genutzt, sofern diese den Wert der Terrassen als Humus- und Feuchtigkeitssammler erkannt haben.

Solche Ackerbauterrassen dürften zweifelsohne in jenen Zeiten angelegt worden sein, da die Menschheit nach und nach in die Andenhochberge, in die Meseta gedrängt wurde, weil (abgesehen von wenigen weiteren Erdgebieten, wie etwa dem abessinischen Hochland mit ähnlichen Terrassen) grundsätzlich kein Lebensraum für Menschen mehr bestand, die sich noch Generationen hindurch hier kulturell betätigen konnten und Beweise dafür der Nachwelt hinterlassen haben.  Das Zeitalter der Terrassenanlagen kann somit nur dasjenige der vom erdnahen Mondvorgänger äquatorwärts hochgestauten Meeresflut gewesen sein.  Den damaligen Terrassenbauern müssen selbstredend die uns Gegenwärtigen hoch anmutenden Kordilleren infolge des um etliche tausend Meter höher liegenden Ozeanspiegels weit niedriger, geradezu als mäßig hohe Berge oder Hügel erschienen sein.

Diese Berggebiete waren dazumal nicht mit Schnee bedeckt, denn einmal lagen sie dem hochangestiegenen Meeresspiegel weit näher als je zuvor, überragten diesen um allenfalls 2000 bis 3000 m und zum andern mußten die vom Mondvorgänger hier dichtgetürmten und gleichsam emporgesaugten Luftmassen ebenfalls dem Zustandekommen eines verhältnismäßig milden Klimas Vorschub leisten.  So war es den Menschen sehr wohl möglich, hier oben Ackerbau zu treiben und auf den endlosen Terrassen Nahrung für alle zu schaffen, die sich auf der Meseta als einem Asyl von Dauerbestand im Verlaufe der Zeiten angesiedelt hatten.  War doch die übrige Erde zur damaligen Zeit nahezu unbewohnbar.  Was aber das in den äquatornahen Gebieten steigende Meer den Menschen an Lebensraum weggenommen hatte, ersetzte ihnen jetzt eine der Agrikultur zuträgliche Wärme.  Weiterhin dürften die Mesetagewässer in dieser fern verrauschten Erdenzeit äußerst fischreich gewesen sein, dürften auch über erheblich große Fische verfügt haben, wie es ergrabene Reste der ehemaligen Fischfauna augenfällig machen.

Ähnlich wie an den Ufern des heutigen Titikaka Unmassen von Kalkalgen gedeihen, hielten deren Vorläufer die flachen Uferteile der damals viel weiter ausgedehnten Mesetagewässer besetzt.  Pausenlos sanken die kalkigen Reste der ihren Lebensreigen jeweils beendeten Algen ab, schichteten sich meterdick auf, wurden späterhin trockengelegt und verfestigt und lassen sich heute auf kilometerweiten Strecken hin entdecken.  Zum großen Teil helfen die Niederschläge kalkhaltiger Algenarten mit, ehemalige Ufermarken bzw. Strandlinien als solche zu erkennen.

Kalkablagerungen ähnlicher Natur sind wohlweislich auch auf den Steinquadern verschiedener Ruinenteile Urtihuanakus festzustellen.  So sind beispielsweise die Stufen der Freitreppe Kalasasayas mit einem derart festen Kalkbelag überzogen, daß es nicht leicht fällt, etwas davon abzukratzen und Untersuchungszwecken zugänglich zu machen.  Das deutet darauf hin, daß die Bauwerke vorübergehend unter Wasser gerieten, verträgt sich aber wiederum mit der Folgerung, daß bei bedrohlicher Annäherung des Mondvorgängers die sich ständig mehr einengende und rasend umlaufende Meeresgürtelflut noch entsprechend höher ansteigen und auch die Gewässer der Meseta in Mitleidenschaft ziehen mußte. 
Auch hierfür spielt uns das Naturgeschehen einen geradezu wundersamen Zeugen in die Hand.  Es handelt sich weniger um eine eigentliche Strandlinie mit ausgesprochenen Brandungshohlkehlen und festverkitteten Kalkbändern, sondern mehr um eine durch einen Muschelhorizont gekennzeichnete Ufermarke, offenbar eine solche, die uns den einstmals höchsten Stand der Meseta-Wasseransammlung verrät.  Dafür spricht vor allem der Umstand, daß die Pfahlmuschelreste der Vorferne im Zuge des Ufermarkenverlaufs noch heute offen zutage liegen, massenweise eingesammelt werden können, somit weder zu Kalkstein gepreßt wurden, noch späterhin unter irgendwelchen Druck gerieten.  Heutigen Indianern liegt es ob, aus den überkommenen Muschelresten recht brauchbaren Maurerkalk zu brennen.  Der Verlauf der stellenweise verwaschenen oder unterbrochenen Ufermarke stimmt im ungefähren mit demjenigen der uns bereits bekannten und Urtihuanaku berührenden Strandlinie überein, nur daß die Ufermarke wenige hundert Meter höher sich hinzieht.

Der Befund läßt darauf schließen, daß die Mesetabewohner trotz des Verlustes ihrer Metropole sich nach und nach immer höher hinauf in die Berge begaben, auch ihre Ackerbauterrassen ständig höher anlegten, um somit die Reste des Bodens, die ihnen höhere Gewalt überließ, zur Gewinnung des täglichen Brotes ausnutzen zu können.  So erklärt sich wiederum das heutige Bild der restgebliebenen Agrarterrassen, die ehedem nicht ausnahmslos auf einmal angelegt wurden bzw. gleichzeitig in Benutzung standen.  Sicherlich haben die letzten der bergehoch gedrängten Menschengeschlechter keine weiteren Kulturbauten mehr errichtet, zumal der Erdball allmählich im Zeichen einer unmittelbar bevorstehenden Mondauflösung stand.  Hatten doch die nunmehr oberhalb der höchsten Wasseransammlung hausenden Menschen ganz unter dem Zwielicht des niederbruchbereiten Mondvorgängers, unter einer wolkenverhüllten und wechselweise verdunkelten Sonne, unter Kaltstürmen, Hagelunwettern und sonstwie entfesselten Naturgewalten zu leiden.  Angesichts des riesenhaften Mondes dürften die Menschen der damaligen Zeit sehr wohl gefühlt haben, daß dem Erdball so etwas wie ein Jüngstes Gericht bevorstand.  Prasselten aber erst die ersten zentnerschweren Hagelschauer nieder, denen eisenharte Mondtrümmer folgten, war es für viele gewiß nicht leicht, sich im letzten Augenblick noch in einer Felskammer schützend zu bergen.  Damit war zugleich der Zeitpunkt des Abflusses der riesenhaft angestauten Gürtelmeerflut gekommen, was für die Menschen hier oben eine Entlastung von den sie umgebenden Wassermassen bedeutete, indessen sich auf der weiteren Erdoberfläche das unter Großbeben sich vollziehende Sintflutgeschehen abspielte.

Die Wirkung der mit unvorstellbarer Wucht und Schnelle abströmenden Wasser erkennt man noch heute mit erschütternder Deutlichkeit, sobald man die drei riesigen Terrassen der Küstenkordillere am zweckmäßigsten per Mula durchquert.  Ob man nun von Arika nach Takna reitet und von dort über die Küstenande emporsteigt, oder ob man mit der Bahn Arika-La Paz die wüsten Strecken durcheilt, die von Gigantenhand durcheinandergewühlt und mit unendlichen Schuttmassen überstrudelt zu sein scheinen, oder ob man von Mollendo aus nach Cuzco durch die Wüste reist, in der Arequipa unter Eukalyptusbäumen ruht - überall bietet sich das gleiche Bild ungeheuren Geschehens und beispielloser Wasserfluten!  Wenn kurzsichtige Geologen behaupten, daß dies alles vielleicht Gletscherarbeit sei, so hat ihnen bereits Posnansky entgegnet, daß solche Gletscher allenfalls auf dem Jupiter liegen müßten, um eine Arbeit zu verrichten, wie sie in Hunderten von Kilometern Breite tatsächlich geleistet worden ist.  Hier bleibt nichts anderes übrig, als die Schuttberge und Trümmerfelder für zweifellos fluviatielen, somit flutbewirkten Ursprungs zu halten.

Schrieb uns doch der bereits genannte E. Kiss, der mit Posnansky und weiteren Gelehrten eng zusammenarbeitete, vor Jahren einmal, daß beim Anblick dessen, was in der Küstenkordillere geschehen sei, selbst ein heftiger Gegner geologischer Katastrophen nicht mehr mit ehrlichem Gewissen sagen könne, das alles sei ganz allmählich geschehen oder es sei eine Wirkung der gewiß recht heftigen Tropenregen.  "Und wenn Lyell (der Vater des Gedankens eines ständigen geologischen Gleichgeschehens, Verf.) Gelegenheit gehabt hätte, von Mollendo nach Arequipa durch die Felsenwüste zu reiten, so würde er nach seiner Rückkehr Abbitte für das geleistet haben, was er in der wissenschaftlichen Welt angerichtet hat.  Denn bei der Betrachtung einer einzigen Quebrada, einer beliebigen Schlucht, die sich durch eine der drei gigantischen Andenterrassen zieht, würde er gesehen haben, daß hier ganze Berge grauer Felsen von unermeßlichen Fluten mit Geröll und Sand übereinander und zusammengestrudelt worden sind, als seien es leichte Späne von Kork und Holz.  Und wenn man staunend vor dem Ergebnis solcher Naturgewalten steht, so glaubt man auf einem fremden Planeten zu sein und nicht auf der Mutter Erde, die an anderen Stellen ihres weiten Rundes einen so sanften Eindruck macht.  Mag es sonst auf der Erde für den Geologen genug interessante Dinge geben, die er kennt und über die er sich nicht wundert, in den Kordilleren lernt er geradezu beten - und vielleicht auch nachdenklich werden!"
Ist es doch bezeichnend, aus dem Munde eines alten Indio zu vernehmen, daß seine Vorfahren eine Berge überrennende Flut miterlebten und Teile der Felsengebirge heute noch versteinerten Wellen gleichen!

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Sind doch alle Gelehrten, die der Meseta wie dem Andengebiet überhaupt ihr besonderes Interesse schenkten bzw. eine Lebensarbeit daransetzten, der Ansicht, daß hier durch jeweils größere Zeiträume getrennte verschiedene Kulturen blühten und wieder verschwanden, ein Vorgang, der unserer Meinung nach tatsächlich erst durch den Hineinbezug kosmischer Gewalten deutbar zu werden scheint und die hier rankende reiche Problematik verringert.

Schon der Amerikaner William Prescott, der vor reichlich hundert Jahren die Mitwelt mit der Kultur der Azteken und Inkas vertraut machte, glaubte die Vermutung aussprechen zu dürfen, daß schon lange vor der Zeit der Inkas ein in der Bildung sehr vorgeschrittenes Menschengeschlecht in Südamerika lebte.  In der Nähe des Titikakasees würde dieses Geschlecht beheimatet gewesen sein, dessen Ergründung eine dankbare Aufgabe des sinnenden Altertumsforschers sei.  Aber - so meinte Prescott - es sei ein Land der Finsternis, das weit über das Gebiet der eigentlichen Geschichte hinausreiche.  Damit hatte der verdiente Forscher des alten Amerika den Nagel auf den Kopf getroffen.  In unserem zwanzigsten Jahrhundert aber konnte sich Posnansky anläßlich besonderer Bauwerkfunde, die er in einer Bucht des Titikaka auf der Insel Siminake 1931 entdeckte, nicht der Worte enthalten: "Unzweifelhaft ist die Kultur von Siminake ganz unendlich alt, denn das Bauwerk mit seinen über drei Meter dicken Mauern muß schon vor der Eiszeit entstanden sein, als der Titikaka noch nicht so groß war wie heute und erst späterhin seine Wasser über die Meseta reckte."

Dies mögen jene verstehen, die als Verteidiger der, wenn auch seit Darwins Tagen reichlich gemodelten, Abstammungslehre oder auch als Archäologen daran Anstoß nehmen, jahrmillionenferne Kulturen der Menschheit mit kühler Gelassenheit für real zu halten.  Doch gegenüber ersichtlichen Beweisgründen für ein außerordentlich hohes Alter der Menschheit und deren jeweils selbständigen, nicht etwa auf ein billiges Entwicklungsnacheinander basierenden Kulturen, lassen sich heute keine stichhaltigen Einwände mehr machen.  Schließlich sind schon genügend viele biologisch, anatomisch, geologisch, prähistorisch oder auch kulturgeschichtlich geschulte Forscher auf bestem Wege wertvolle Pionierarbeit zu leisten, die in eine völlig Neuorientierung aller das Menschengeschlecht und seine noch offenen Rätsel berührenden Dinge einmünden wird. 




Einfang der Luna - Ende Tihuanakus

Noch blüht erdenweit mondlose Kultur, empfindet das Leben allgemein die Ruhe des Erdsterns.  Doch allmählich künden sich die Vorboten des Mondeinfanges an, lange bevor noch der Nochplanet seinen Himmelspfad um die Erde schlingt.  Langsamer als die Erde umläuft er die Sonne, doch alle paar Jahre kommt die Erde zwischen ihn und die Sonne zu stehen (Opposition).  Dann ist sein Abstand von der Erde jeweils am geringsten und etliche Wochen hindurch spielen beide Himmelskörper ihre Kräfte bereits gegeneinander aus. Unterirdische Gewalten werden in der Erdkruste wach, lösen Beben aus, die Meergewässer erfahren eine Störung.  Tieferliegende Strandgebiete werden überschwemmt und der kultivierte Mensch der damaligen Zeit nimmt solche Vorboten des kommenden Mondeinfangs gewissermaßen als kosmische Warnungen hin.

Diese Warnungen gewinnen an Ausmaß, je mehr der merkwürdige Nochplanet von Opposition zu Opposition an Größe zunimmt und schließlich einem Planetenscheibchen von geringer Tellergröße gleicht.  Sofern ein Sterngucker der damaligen Zeit mit einem Teleskop hätte arbeiten können (was immerhin im Bereich des Möglichen liegt), stellt er fest, daß der unheimliche Himmelskörper sich merklich verändert.  Ehedem glänzende Flächen werden dunkler und eigentümliche Nebelschwaden breiten sich über das Gestirn aus.  Die Kräfte der Erde beginnen wohlverstanden seine bisherige Oberfläche zu zerstören und modellieren jenes Oberflächengefüge zurecht, wie wir es im ungefähren unserem Erdmond noch heute abzulesen vermögen.  Sehr tumultarisch geht es damals auf der Oberfläche des unmittelbar vor seinem Erdeinfang stehenden Himmelskörpers zu.  Seine dicke Eiskruste zerbricht, Wasserströme treten von innen heraus, Ureisschollen zerknicken, treiben umher, bis wieder alles fest niederfriert.  Weiterhin bremst die Erde die ursprüngliche Eigendrehung des mondwerdenden Körpers ab, saugt den letzten Rest seiner Lufthülle hinweg, so daß eine heftige Wasserdampfung und Eisverdunstung eingeleitet wird, als deren Folge eine Art Kometenschweif hinter dem Gestirn einherzieht.  Das alles läßt die Menschen wahrlich nicht gleichgültig, zumal an schwerwiegenden Erdstößen und plötzlich aufflammenden Vulkankratern kein Mangel ist.



(Bildquelle/-text: Buch "Die Sintflut und ihre Wiederkehr" von Behm, 1956)
Schema eines Mondeinfanges - ein vordem selbständiger Planet wird Erdmond.  Links oben: vom Strahlungsdruck der Sonne abgetriebene Partikelchen.
Lb = einstige Planetenbahn des werdenden Mondes.  MEb = Mondeinfangsbahn.  kMb = angenäherte heutige Mondbahn.


Sobald jedoch die Schwerkraft der Erde die Einschwenkung des Nachbargestirns in eine Mondbahn bewirkt, d.h. der Augenblick des eigentlichen Gestirneinfanges erreicht ist, erlebt die Erde einen allgewaltigen Schicksalstag.  Die Eingliederung der Mondbahn in die Äquatorebene der Erde und die ebenso plötzlich eintretenden Gewalteinwirkungen der beiden Himmelskörper zueinander lassen das Ozeanwasser der Erde in Windeseile äquatorwärts stürmen.  Ein ungeheurer Wogenschwall läßt das Inselreich Atlantis sturmüberflutet niederbrechen, ähnlich rasch, wie es die Überlieferung vermeldet.  Gleich zwei Rennfahrern, von denen der kleine äußere den größeren inneren um einen Bruchteil überholt, folgen im Augenblick des Einfangens Erde und Mond noch um die Sonne.  Dem kleineren war aber jetzt nicht mehr die Kraft gegeben, selbständig weiterzurasen, sondern von unsichtbaren Mächten des größeren gefesselt wurde er von diesem vorn übergeschwenkt.  Während das in Wirklichkeit zu einem Zusammenprall der beiden führen müßte, denken wir uns nun den größeren weitersausen und den kleineren von dieser Sausfahrt mitgerissen, dabei den größeren dauernd umfahrend.  Zunächst als gestreckte Ellipse, deren größere Achse beim öfteren Umkreisen um die Erde schließlich immer kleiner wurde, d.h. die Ellipse sich immer kreisähnlicher ausrundete, um schließlich die Gestalt der heutigen Mondbahn anzunehmen.  Eine endgültige Einregelung der heutigen Mondbahn vollzog sich zwar nicht von heute auf morgen, sondern währte etliche Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende.

Inzwischen waren aber die Nachwehen mondeinfangbedingter Erdkatastrophen zur Ruhe gekommen.  Wohl hat das Mondeinfangspiel die Erde gehörig bedrängt, doch nicht allerorten auf Erden war der Mensch den damit verbundenen Schrecknissen ausgesetzt und nicht für ewige Zeiten sollte die nachsintflutliche bzw. vormondliche Atlantiskultur infolge ihrer erdweiten Verbreitung begraben werden.  Während z.B. Menschen in manchen Gebieten der mittleren und höheren Breiten von den Mondeinfangfluten kaum erfaßt oder nur mäßig betroffen wurden und eher unter Erdbeben zu leiden hatten, muß es Bewohnern des Andenhochgebietes und damit auch der Meseta weniger glimpflich ergangen sein.  Daß hier oben wieder Kulturen blühten, nachdem die Meseta unmittelbar nach der Sintflut wohl für lange Zeiten hindurch unbewohnt war, läßt sich nur so verstehen, daß dieses Mesetagebiet gleichsam wie ein Magnet auf Menschen irgendwelcher Zeiten einwirkte, daß es einem in den menschlichen Generationenfolgen unvergessen bleibenden Kulturheiligtum entsprach.

An sich hatten es Menschengruppen während der mondlosen Zeit nicht nötig, die Meseta etwa als Ausweichgebiet vor Naturgewalten aufzusuchen.  Aber sie taten es dennoch, wie es die Ruinenbefunde eindeutig beweisen.  Hier oben beim Titikaka fand tatsächlich ein Kommen und Gehen von Kulturen statt.  Zu wiederholten Malen wurde an nachgelassenen Bauwerksresten längst abgesunkener Vorfahren wieder gebessert und weitergebaut.  So wollen die berufendsten Forscher der hier in Frage kommenden Materie verstanden sein.  In die Perspektive mondbedingter Erdtragödien gerückt können wir auch sagen: Hier haben Menschen bereits zur vorsintflutlichen Ringmeerflut geweilt und prachtvolle Bauten errichtet.  Hier haben Menschengeschlechter die Sintflut durchstanden und deren Abströmen erlebt, und hier haben weit spätere Geschlechter über Kulturtrümmern der Vorferne erneut geformt und gestaltet, vielleicht solche, die als atlantische Kolonisatoren hierher fanden und Meisterwerke atlantischer Kultur nachließen.  Es sollte die Tragik auch dieser Glücklichen sein, inmitten eines besonnten Daseins geradezu urplötzlich zugrunde zu gehen.

Bei der Durchmusterung der Ruinenfelder fällt es dem Beschauer merkwürdig überraschend auf, daß reichlich viele Bauarbeiten, die Zeugen der zeitlich jüngsten Kulturepoche auf der Meseta sind, plötzlich eingestellt sein mußten.  Eine Stadt - nennen wir sie jetzt Alttihuanaku - die offenbar im zügigen Aufbau mit Prunkbauten stand, wurde gleichsam Hals über Kopf an diesem Ausbau behindert!  Ein fein ziseliertes Maurerlot liegt beispielsweise neben einem Meißel aus gehärteter Bronze am Fuße eines eben begonnenen Werkstückes, das bis auf den heutigen Tag nicht vollendet wurde.  Mit sauber gemeißelten Nischen und Ornamenten versehene Hausteinblöcke stehen aufgereiht und fertig zum Versetzen wie auch das Hauptgesimse eines wahrscheinlich mausoleumartigen Baues.  Inmitten einer Bauanlage stehen trachytene Gußformen bereit, darinnen die Bronzedübel und Klammern gegossen wurden, mit denen man die Werksteine untereinander verband.  Nahe der Kalasasaya liegen gewaltige Gesimse, die gerade vollendet werden sollten.  Auch eine von getrocknetem Schlamm bedeckte Büste wurde aufgefunden, der nur eine edel geformte Menschengestalt als Vorbild gedient haben kann.




(Bildquelle/-text: Buch "Die Sintflut und ihre Wiederkehr" von Behm, 1956)
Gesamtansicht des Ruinenfeldes von Puma-Punktu in Tihuanaku.


Das alles spricht deutlich dafür, daß die Schöpfer und Baumeister der in Arbeit befindlichen Bauten dereinst von einer grauenhaften Katastrophe überrascht wurden und nicht etwa freiwillig ihre Arbeitsplätze verlassen haben.  Daß dieser Katastrophe eine Unzahl von Menschen und Tieren zum Opfer fielen, verraten deren Gebeine, die dem grauweißen Ton des Untergrundes und der weiteren Umgebung massenhaft eingestreut sind.  Die Zahl dieser Gebeine ist so groß, daß es Hunderttausende gewesen sein müssen, die hier ein plötzliches Ende fanden.  Offenbar hat es sich aber nicht nur um Eingesessene Alttihuanakus wie auch weitere der Meseta gehandelt, die hier zugrunde gingen, sondern um sehr verschiedene Völker der Menschheit.  Sollte es sich vielleicht zum Teil um Wallfahrer handeln, die von weither kamen, sich hier zu einem kultischen Großfest ein Stelldichein gaben und im Augenblick frömmiger Zuversicht gleichsam zur Hölle fuhren?  Auch dieser Gedanke wurde einmal ausgesprochen.  Das würde zugleich erneut dafür sprechen, daß hier im Andenhochland sich eine Kultstätte weltbürgerlichen Ausmaßes breitete, ein Symbol ewiger Gotteskindschaft aller Menschen der Erde!

Daß in erster Linie ein Flutgeschehen für das Vernichtungswerk in Frage kommt, steht einwandfrei fest.  Hiervon überzeugt im besonderen wieder ein Gebiet am Illimani-Berg, dem abzulesen ist, daß sich hier eine ungeheure Flutwelle Bahn gebrochen haben muß.  Unmittelbar an der Durchbruchsstelle liegt La Paz, in deren weiterer Umgebung sich riesenhafte Schlammgebirge türmen.  Der Beschauer gewinnt den Eindruck, als steckten die alten Granitkerne der Kordillere in einer Manchette aus weißem, grauen und rotem, mit Kiesellagern untermischtem Ton.  Dem Augenschein nach muß dazumal ein ganzes Städtchen (Hanko-Hanko) auf einer kilometerdicken, vom oberen Rande der La Paz-Schlucht losbrechenden Erdscholle in die Tiefe verfrachtet sein, wobei die Hauptmasse der Flutwoge über die Bewohner hinweggesprungen ist.  Die kaum faßbare Wucht dieser Flutwelle mögen die Lehm- und Schuttmassen beiderseits vom Illimani, einem festen Rammsporn aus Granit, eindeutig illustrieren.

Für uns besteht kein Zweifel darüber, daß die Mondeinfangsflut bei ihrem ersten Brandungssturm auch bis zur Meseta hinauf leckte, im übrigen aber Beben die Sperren der hochgelegenen Andenseen urplötzlich sprengten.  Einmal suchten die niederbrausenden Wasser einen Weg ins heutige Argentinien hinein und zum andern dürften sie auch westwärts in Richtung der heutigen Salpeterfelder Chiles zum Stillen Ozean abgeflossen sein.

Abgesehen vom erdgeschichtlichen Befund, der die Schreckenstragödie anschaulich genug demonstriert, darf an einen weiteren sehr bezeichnenden Umstand erinnert werden.  Es ist bekannt, daß der Mensch in seinen religiösen und magischen Kultzeichen Gegenstände oder lebende Wesen darstellt, die er irgendwie mit seinem Eigenschicksal in Verbindung bringt und die er durch entsprechende Nachbildungen gleichsam bezwingen möchte.  So finden sich unter den Schätzen des Museums in La Paz außerordentlich viele Darstellungen des Mondes in Verbindung mit dem Puma als Verkörperung des Bösen.  Demnach legten die Menschen Alttihuanakus besonderes Gewicht auf den Mond, den sie irgendwie fürchteten.  Sie kannten diesen aber nicht als solchen, sondern offenbar nur als Planeten, denn sie haben stets einen kreisrunden Himmelskörper, ein typisches Planetenscheibchen, nachgebildet.  Den Mond auch einmal als Sichel darzustellen, kam ihnen gar nicht in den Sinn und konnte es auch nicht, da sie am Ende einer mondlosen Zeit, als "Vormondliche" lebten.

Halten wir im Sagenschatz der Menschheit Umschau, so dämmert bei manchen Volksstämmen auch die Mondeinfangskatastrophe nach.  So konnte eine Mayainschrift entziffert werden, die einen Atlantisuntergang berührt und einen die Erde streifenden Planeten (!) dafür verantwortlich macht.  Die Chibchas im äquatorialen Südamerika führen die Legende von einem Gott Nemquetscheba, der ein recht böses Weib besaß.  In einem Zornesausbruch ließ das Weib, Huythaca, den Rio Funza (vom Meer her) so (zurück-)schwellen, daß er die Hochebene von Cundinamarca überschwemmte, und sich nur wenige Menschen im letzten Augenblick auf die Berggipfel retten konnten.  Um diese Untat zu rächen, schleuderte der sonst menschenfreundliche Gott sein Weib zum Himmel, wo es sich in einen Mond verwandelte.  Von diesem Tage an soll eine vordem mondlose Erde einen Mond besitzen.

Im Bemühen um Ergründung des Zeitpunktes, da Alttihuanakus letzte Kulturblüte ausgelöscht wurde, sind mehrere Forscher unabhängig voneinander und auf verschiedenen Wegen zu dem Ergebnis gelangt, daß beiläufig 14 000 Jahre verflossen sind, seit die Menschheit einer ins Riesenhafte anwachsenden Wasserverlagerung ausgesetzt war.  Das deckt sich wiederum mit Berechnungen derjenigen, die die Mondwerdung eines Planeten ähnlich datieren und damit einen kosmisch verursachten Aufruhr auf Erden verbinden.  Deren Deutung läßt uns jedenfalls eine bisher geheimnisvoll umschleierte, mit glänzenden Kulturen ausgestattete wirkliche Vorgeschichte der Menschheit verstehen und bietet den Vorzeitforschern den Schlüssel zur Klärung vieler Probleme an, die bis dahin das Vorzeitgeschehen umwittern.


H.W. Behm

(Quelle: Buch "Die Sintflut und ihre Wiederkehr" von H.W. Behm, Jahrg. 1956, Sponholtz Verlag)