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Der Venuskalender der Mayavölker und die Welteislehre (1)



In den mittelamerikanischen Gebieten haben uns Indianerstämme durch ihre eigenartige Kultur, besonders aber durch ihre Götterverehrung als Sonnenanbeter Sagen und Berichte über ihre Urväter hinterlassen, die uns für die WEL unschätzbare Dienste erwiesen haben.
Baudenkmäler und Bildschriften in den Felsengebieten der peruanischen Hochebene erzählen uns von den großen Wassern, den Sintfluten, zur Zeit der letzten Mondauflösung, worüber Hanns Fischer in seinem Buche "Weltwenden" ausführlich schreibt.
Und doch ist darin nur ein kleiner Teil zusammengefaßt, dem heute schon wieder viele neue Beobachtungen und Entdeckungen angegliedert werden könnten und uns als Bausteine zu unserer Glazialkosmogonie dienen sollten.

Ende des vorigen Jahres (1927) lief die Nachricht ein, daß ein englischer Forscher auf der Halbinsel Yukatan, der Urheimat der Mayavölker, unter den zahlreichen Pyramidenbauten eine besonders auffallende Pyramide entdeckte, deren Bauweise ganz ähnlich wie die Cheops-Pyramide in Ägypten unzweifelhaft als ein der Wissenschaft und Himmelskunde gewidmeter Bau anzusehen sei.  Wir ersehen auch hieraus wieder den Zusammenhang zwischen Ost und West, der eine Überbrückung durch Atlantis verlangt. 
Diese Entdeckung zwingt uns eine noch größere Achtung vor der an sich schon hohen Kultur der Maya ab.

Als die Spanier unter Cortez auch Yukatan besetzten, fanden sie eine uralte hohe Kultur der Mayas vor.  Der Bischof Diego de Landa wurde im Jahre 1549 mit der Bekehrung der götzendiensttreibenden Indianer betraut und machte nach seiner Ansicht "reine Wirtschaft", über die er uns folgend berichtet:
"Dieses Volk benutzte auch gewisse Charaktere oder Buchstaben, mit denen sie in ihren Büchern ihre Angelegenheiten und ihre Wissenschaften von alters her aufzeichneten und mit Hilfe deren sie dieselben erläutern und lehren konnten.  Wir fanden eine große Menge dieser Schriften, aber da sie nichts enthielten als Aberglauben und Lügen des Teufels, so verbrannten wir sie alle, was die Eingeborenen sehr betrübte und ihnen sehr schmerzlich war."
Von diesen handgeschriebenen Büchern sind bis auf unsere Zeit nur 3 Bücher erhalten, von denen je eins in Dresden, in Madrid und Paris aufbewahrt wird.  Aus diesen Büchern, die eine schon in Silben geschriebene Bilderschrift haben, erfahren wir von der hohen Kultur, den Staatseinrichtungen, den Handelsbeziehungen und der wissenschaftlichen Betätigung der Mayas.  Ein durch Punkte und Striche mit der Vollzahl 20 aufgebautes Zahlensystem (wie im französischen Zahlensystem quatre-vingt: 4 x 20 = 80) besitzt sogar eine Null und zeugt von der mathematischen Begabung.  Etliche Forscher schätzen diese Kultur höher und älter ein als diejenige der Ägypter.

Die Dresdner Maya-Handschrift berichtet uns ausführlich von dem gut ausgebildeten Kalender, das heißt der Zeitrechnung der Mayas, die in den Aufzeichnungen mit dem 6. August 6613 v. Chr. beginnt und zu dieser Zeit schon eine abgeschlossene Gestalt hatte.  Um das Jahr 1890 hat als erster der Sprachenforscher Prof. Förstemann die Entzifferung der Dresdner Mayahandschrift sich zur Aufgabe gestellt und besonders die Zeitrechnung aufgedeckt, die nach dem Umlauf der Venus als Kalender gestaltet wurde.  Später hat dann Dr. Herbert J. Spinden, der Kurator für mexikanische Archäologie von der Harvard-Universität, weitere Grundlagen des Maya-Kalenders in astronomischen Ereignissen jener Zeit herausgefunden und gründete dieses auf die Stellung der Venus zwischen dem zweimaligen Erscheinen dieses Wandelsternes als Morgenstern in Konjunktion mit der Sommersonnenwende der Jahre 538 und 530 v. Chr.  Die nun gelöste Aufgabe, die auf den Kreislauf und die Phasen der Venus gegründete Zeitrechnung der Mayas mit der astronomischen Chronologie im modernen Sinne in Übereinstimmung zu bringen, war um so schwieriger, als die Mayas 5 Schalttage kannten; wenn sie auch genau wußten, wie weit ihr Kalenderjahr mit dem natürlichen Jahre übereinstimmte.  In der Dresdner Handschrift sind die Himmelserscheinungen seit dem 6. August 6613 v. Chr. mit erstaunlicher Genauigkeit verfolgt und die Tage, Monate und Jahre verzeichnet.  Das Jahr wurde eingeteilt in 18 Monate zu je 20 Tagen und 5 Schalttage, nebenher ging eine Zählung von Wochen zu je 13 Tagen.  Auf dem Gebiete der Zeitrechnung zeigten die Mayas eine besondere Begabung.  Die Zeitrechnung und der Kalender spielten dann auch im Leben des Volkes eine große Rolle, es gibt fast kein einziges Überbleibsel in Mayahieroglyphen, wo sich nicht unter den Schriftzeichen Zahlen- und Tages- oder Monatshieroglyphen vorfänden.

Betrachten wir unsere heutige Zeitrechnung, deren Monatsteilung einerseits dem Erdenjahre, andererseits aber auch dem Mondumlaufe angepaßt wurde, und diese Zeitrechnung, die fast überall in der alten Welt seit alters her eingeführt war, so müssen wir uns die Frage vorlegen: Warum griffen die Mayas nach dem schwer zu beobachtenden Venusumlauf, da die Venus in Gegenüber- und Zwischenstellung zur Sonne auf längerer Bahnstrecke sogar unsichtbar bleibt, der Mond dagegen mit seiner schnell veränderlichen Sichel eine viel gefälligere und übersichtlichere Zeitrechnung ergibt?

Wie uns nun die geretteten Maya-Handschriften berichten, war um 6613 v. Chr. der Venuskalender formvollendet und stand damit die Kultur auf großer Höhe.  Der Weg bis zu dieser Höhe erforderte  sicherlich auch viele tausend Jahre Vorbereitung, so daß sich uns hier der Gedanke aufzwingt: "Die Mayas, durch ihre eigenen Handschriften als ältestes Kulturvolk erkannt, gründeten ihre Zeitrechnung als Vormondmenschen." 
Der Mond stand ihnen hierzu nicht zur Verfügung, da er noch als selbständiger Wandelstern seines Weges zog, dafür erkannten sie aber deutlich an den sichelartigen Phasen der als Morgen- oder Abendstern leuchtenden Venus kleinere Zeitabschnitte, nach denen sie sich richten konnten.  Die Jahreszeiten treten in diesen Breitengraden nicht so in Erscheinung wie bei uns und konnten deshalb weniger als Zeitmesser in Frage kommen (2).

Den Forschern der Maya-Handschriften ist der Venuskalender seit seiner Entdeckung stets ein Rätsel gewesen, um so mehr als in den Büchern auch vom Mond, obzwar in untergeordneter Bedeutung, gesprochen wird und ihm auch eine Gottheit geweiht ist.  Diese Aufzeichnungen erfolgten jedoch zu einer Zeit, als der Venuskalender durch viele Jahrtausende vorher zu seiner vollkommenen Form sich bereits entwickelt hatte.  Erst die Welteislehre läßt uns das Rätsel des Venuskalenders lösen und gibt auch gewiß den Forschern der Mayahandschriften Fingerzeige zur Klärung manch anderer Aufzeichnungen, deren Sinn nicht immer verständlich wurde.  Mit unserer heutigen Betrachtung stützen wir auch den Bericht des Plato, in welchem uns von den Arkadiern erzählt wird, daß diese sich Proselenen oder Vormondmenschen nannten.  Es ist dies um so bedeutsamer, als die Quellen, aus denen wir schöpfen, räumlich so weit getrennt sind.

Die Mayas schufen sich 15 Götterbilder, mit denen alle großen Empfindungen und Begebenheiten ausgedrückt wurden.  So gab es außer dem Hauptgotte Tzultacá und Mam, den Todesgott, den Gott für Naturerscheinungen, den Gott für die Ernte, den Gott für den Mond und die Nacht, den Maisgott, den Kriegsgott, den Sonnengott usw., aus deren bildlichen Darstellungen sich die Hieroglyphen und Silbenzeichen für ihre Schrift entwickelten.
Außerdem hatten sie 6 Tiergestalten, die Eule, die Schlange, den Hund, den Geier, den Jaguar und die Schildkröte.
Den Neumond drückten die Mayas durch die Eule, den Vollmond durch den Jaguarkopf und die Sonnenfinsternis durch den springenden Jaguar aus.  Es ist wohl zu beachten, daß der Vollmond durch eine Raubtiergestalt bezeichnet wurde.  Wir können uns gut vorstellen, welchen Eindruck der Wandelstern Luna bei seiner größten Erdnähe vor dem Einfange auf die alten Mayas als Vormondmenschen gemacht haben muß mit seinem kometartigen Schweife und der scharf zerrissenen Eiskruste, die vielleicht einen furchterregenden Anblick gewährte.  Dazu gab der auf Yukatan heimische und gefürchtete Jaguar das passendste Symbol.  Auch hier wollen wir einen Vergleich ziehen mit dem ähnlichen Symbol, das in der für die Welteislehre so bedeutsamen Offenbarung Johannis im Kapitel 13 Vers 2 angewendet ist: "Und das Tier, das ich sehe, war gleich einem Pardel und seine Füße als Bären-Füße, und sein Mund eines Löwen-Mund."
Das ganze Kapitel 13 handelt vom siebenköpfigen Tier der Lästerung und zweiköpfigen der Verführung.  Es sind hiermit nur die Erscheinungen des neuen (heutigen) Mondes, zum Teil auch die des alten tertiären Mondes symbolisch gemeint und der in Afrika heimische Panther (alte Bezeichnung "Pardel") als Symbol dafür eingesetzt.  Wenn auch der Jaguar und Panther zoologisch verschiedene Tiere sind, ist doch ihre katzenartige und gefürchtete Raubtiernatur die gleiche.  Was für Zusammenhänge sind auch hier noch aufzudecken (3) !

In der keramischen Handfertigkeit, der Bildhauerkunst und des Tempel- sowie des Hausbaues haben die Mayas Hervorragendes geleistet.  Leider sind all die Baudenkmäler durch das feuchte tropische Klima fast vollständig vernichtet, nur Ruinen erzählen uns von dem durch die "europäische Zivilisation" zugrunde gerichteten Mayavolke, dessen vermischten Nachkommen heute unbewußt achtlos an den Ruinen ihrer großen Väter vorübergehen.


Ober-Ing. Paul Köhler

(Quelle: Monatsheft "Schlüssel zum Weltgeschehen", Heft 2, S.42-45, 4. Jahrg., 1928, R. Voigtländers Verlag-Leipzig)




Anmerkung:
1) Benutzte Literatur: 1. Kunst und Religion der Mayavölker von E. P. Dieseldorf.  2. Die Göttersagen der Mayahandschriften von Dr. Paul Schellhas.  3. "Gartenlaube", Jahrgang 1892, S. 704 u. 746.

2) Vielen Forschern gilt das Venusjahr nicht nur älter als das Mond-, sondern auch als das Sonnenjahr.  Uns ist das ohne weiteres verständlich; denn im Jungquartär stand die Erdachse fast senkrecht.  Die Sonnenbahn blieb sich stets gleich, Jahreszeiten fehlten allenthalben gänzlich, so daß als einziger praktischer Zeitmesser nur die Venus in Frage kommen konnte.  Anmerk. d. Schriftl.

3) Auf Grund der Urüberlieferung bzw. der Weltzeitalterlehre (Weltzeitalter = geologischer Hauptabschnitt) war der Antike es wohl bekannt, daß sich aus dem Jungmonde, der mythologisch vielfach auch als Zwilling der Sonne galt, im Lauf der Zeit das "Böse", d. h. das Drachenungeheuer (der untergangsnahe Trabant) entwickelte.  Anmerk. d. Schriftl.