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Ursache von Wärmewellen und Kälterückschläge



Zur Deutung des Winterwetters

Beim Studium der üblichen Wetterberichte und Voraussagen stößt man fortwährend auf zwei Fronten, die wie zwei feindliche Heere mit wechselndem Glück einander bekämpfen.  Siegt die Polarfront, so bekommen wir kaltes Wetter, ist die Äquatorfront stärker, so wird es wärmer.  Man glaubt, die über den eisigen Polargegenden liegenden Luftschichten würden zeitweise aus unbekannten Gründen nach Süden vorrücken, und in den übrigen Zeiten gelänge es den über Afrika lagernden heißen Luftmassen, die Polarfront zurückzudrängen.  Dieser Glaube an rein irdische Ursachen der wechselnden Witterung kann aber durch nichts begründet werden.  Wenn man die verhältnismäßig dünne Schicht der Atmosphäre über der Erde und die großen Entfernungen Mitteleuropas von den Polargegenden und von den tropischen Gebieten bedenkt, so kann es einem nicht sehr wahrscheinlich vorkommen, daß die Kälte des Nordens und die Hitze des Südens mit unserem Wetter viel zu tun habe.  Bei der Kälte wäre es noch eher möglich, denn kalte Luft ist bekanntlich schwerer als warme.  Sie könnte also vom Norden nach Süden vordringen und die wärmeren Luftmassen Mitteleuropas unterschichten.  Dies könnte aber sicher nur sehr langsam vor sich gehen, vermutlich kaum schneller als ein Mensch zu Fuß laufen kann, so daß eine Luftbewegung von sehr mäßiger Geschwindigkeit zustande käme.

Die etwa Mitte Dezember 1927 (als Beispiel) eingetretene Kälte könnte immer noch eher einer allmählich fortschreitenden Einwirkung der Polarfront zugeschrieben werden.  Wir haben es aber gar nicht nötig, so weit in die Ferne zu schweifen.  Die Kälte, und zwar eine viel grimmigere als im Nordosten Sibiriens haben wir viel näher, und zwar über uns im Weltraum.  Nur wenige Kilometer über der Erde herrscht bekanntlich eine nach oben immer mehr zunehmende Kälte.  Ihre Einwirkung auf die über der Erdoberfläche herrschende Temperatur können wir in jeder klaren Nacht verspüren, besonders in langen Winternächten, wo die Ausstrahlung der ohnehin geringen Wärme sehr bedeutend ist.  Wir brauchen also absolut keine Polarfront, um kälteres Wetter zu bekommen, sondern nur klare oder dünnbewölkte Nächte, wie sie um diese Zeit vorherrschten.  Wären nur rein irdische Einflüsse maßgebend, so hätten wir vorwiegend trockene Kälte mit geringen Niederschlägen, denn es würde nur der in der Luft enthaltene Wasserdampf zu Schnee verdichtet werden.  Darum konnten wir bei uns auch nur sehr mäßige Schneefälle bei ziemlicher Kälte beobachten.  In Italien jedoch, wo die Luftfeuchtigkeit bedeutend höher war, mußte die Abkühlung von oben viel stärkeren Schneefall zur Folge haben, und tatsächlich wurden in den Zeitungen von Italien bis 1½ m Schnee gemeldet.  Wenn sogar in Süditalien viel Schnee fiel, so ist es sehr unwahrscheinlich, daß an diesen Schneefällen die sogenannte Polarfront schuld sein soll, denn so tief nach dem Süden könnten eiskalte Luftmassen schwerlich gelangen, wenigstens nicht in so kurzer Zeit.

Wenn die Kälte einen gewissen Höhepunkt erreicht hat, pflegt sie ziemlich plötzlich in warme Witterung umzuschlagen.  Dann heißt es wieder, daran ist die kräftiger gewordene Äquatorialfront schuld.  Angeblich ist es die heiße Luft aus der Wüste Sahara, welche die Polarfront zurückdrängt und Tauwetter bringt.  Wie jedoch die leichtere warme Luft des Südens die schwerere Luft des Nordens zurückzudrängen imstande sein soll, ist den Anhängern dieser veralteten Lehre selbst noch ein Rätsel.  Im günstigsten Falle könnte die warme Südluft, wenn sie überhaupt weit kommt, die kalte Nordluft überschichten, würde sich aber in höheren Lagen sehr bald abkühlen.  Niemals könnte sie als warme Luft zu uns auf die Erdoberfläche heruntersteigen und einen sogenannten Föhn verursachen.

Für diese Vorgänge hat uns die Welteislehre eine sehr viel bessere und glaubhaftere Erklärung gebracht.  Weder Polar- noch Äquatorialfront können erheblich nach Süden bzw. nach Norden vorrücken und Wetterumschläge von Bedeutung verursachen.  Sie verhalten sich vielmehr wie zwei Heere, die beide nicht viel Luft zu Angriffen haben und lieber in ihrem Gebiet bleiben.  Käme es nur auf diese beiden Fronten an, die in der gedachten Form gar nicht existieren, so wäre das Wetter bei uns von einer unheimlichen Ruhe und Beständigkeit, und zwar fast immer schön.  Selten würde ein Wölkchen den Himmel trüben, und die Monate andauernder Dürre würden allen Pflanzenwuchs verdorren lassen.  Erst im Herbst würde infolge Verminderung der Sonnenstrahlung und damit verbundener Abkühlung Regenwetter eintreten, und sehr bald würde der zunehmende Wärmeverlust so wie heuer einen zeitigen Schneefall und andauernde Kälte zur Folge haben.  Es würde aber nur zu spärlichen Niederschlägen kommen, denn es würde nur dasjenige Wasser zu Regen und Schnee verdichtet werden, das durch Verdunstung von der Erde entstanden ist und sich gerade in der Luft befindet.  Es würde über den größten Teil der Winterzeit der Schnee liegenbleiben und vorwiegend klares, bitterkaltes Wetter herrschen, wie es jetzt Mitte Dezember über große Teile von Europa verbreitet war.

Wie erklärt aber die Welteislehre Hörbigers den bisherigen Verlauf der meisten Winter mit so vielen Unterbrechungen der Kälte durch Tauwetter?
Woher kommt denn in solchen Wintern die Wärme?  Nun, die ist eben nicht irdischen Ursprungs, sondern kommt wie die Kälte des Winters von oben, aber aus noch viel höheren Regionen, nämlich von der Sonne.  Freilich nicht von den Lichtstrahlen der Sonne, die zugleich der Erde die meiste Wärme spenden, sondern von den Explosionen auf der Sonne, wie sie uns in Form von Sonnenflecken, bedingt durch Eiskörpereinsturz, erscheinen.  Die dadurch hervorgerufenen Dampfexplosionen schleudern, gefrorenen Wasserdampf durch den Weltraum mit ungeheurer Geschwindigkeit.  Manche dieser Strahlen oder sogenannten Anblasungen treffen die Erde und werden uns zunächst in Form von Feder- oder Zirruswolken sichtbar.  Sie sind die Vorboten einer Erniedrigung des Luftdruckes, und wenn die Anblasung genügend stark auf uns gerichtet war, so fällt das Barometer und wir bekommen im Sommer zunehmende Trübung mit abkühlenden Niederschlägen, im Winter dagegen Erwärmung und Tauwetter.  Sobald die Anblasung sich ausgewirkt hat, kann infolge der Einwirkung der Weltraumkälte wieder Schneefall und Kälte eintreten, die so lange anhält, bis eine abermalige Anblasung durch neu auftretende Sonnenflecken wieder lindes Wetter bringt.

Damit hat jedoch die Äquatorialfront nicht das geringste zu tun, wenigstens nicht in unseren Breiten, und es wäre Zeit, von diesen Fronten nicht mehr zu reden, denn sie geben keine wirkliche und gründliche Erklärung des Witterungsverlaufes, sondern sind nichts als leere Worte.  Viel wichtiger wäre es dagegen, wenn sich die Meteorologen mit den wunderbaren Gedankengängen der Welteislehre genau bekannt machen und besonders das Auftreten und Verschwinden der Sonnenflecken beobachten würden.  Aus ihrer Zahl und Größe könnten sie viel zuverlässigere Schlüsse ziehen als aus den sagenhaften zwei Fronten, die mehr oder minder rätselhaft erscheinen.

Prof. Wilhelm Morres

(Quelle: Monatsheft "Schlüssel zum Weltgeschehen", Heft 5, S. 171-173, Jahrg. 1928, R. Voigtländers Verlag-Leipzig)



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Über Wärmewellen und Kälterückschläge
(aus dem Jahr 1929.  Die Überlegungen des Verfassers sind auch für heutige Wettererscheinungen gültig.)


Eine wiederholte Unterbrechung des kalten Winterwetters durch sogenannte Wärmewellen, die im vergangenen Winter einige Male Tau- und Regenwetter brachten, wurde von den Meteorologen in üblicher Weise mit dem Vordringen der "Äquatorialfront" erklärt, welche heiße afrikanische Luft nach Norden Vordringen lassen soll.  Daß diese Erklärungsweise nicht zutrifft, dafür haben die Wettermeldungen vor Weihnachten 1927 einen schlagenden Beweis gebracht.  Am 21. Dezember konnte man in Mitteleuropa noch überall die tiefsten Kältegrade von mehr als 20 Grad Celsius unter Null ablesen.  Von Grönland dagegen wurde schon am 19. Dezember Tauwetter mit 7 Grad über Null gemeldet.  Am 21. Dezember war die "Wärmewelle" von Norden nach Süden bis nach England und Frankreich vorgedrungen.  Am 22. Dezember flaute die Kälte auch bei uns ab, doch erst am 23. fing der Schnee an zu schmelzen.  In Südeuropa (Italien, Serbien, Bulgarien, Ungarn usw.) war es noch am 20. Dezember überall bitter kalt und sogar in Süditalien gab es starke Schneefälle mit Frost, wogegen in Grönland schon Tags vorher Tauwetter eingetreten war.

Da kann nun kein Zweifel mehr bestehen, daß die von Grönland nach Süden vordringende "Wärmewelle" nicht von Afrika gekommen sein kann.  Ebenso wenig können die übrigen Regenwetterperioden des vergangenen Winters mit irdischen Einflüssen erklärt werden.  Viel glaubhafter führt uns hier die Welteislehre des Rätsels Lösung entgegen, nach welcher die Sonnenflecken mächtige Strahlen gefrorenen Wasserdampfes in den Weltraum hinausblasen.  Dort, wo Teile dieser Strahlen die Erde treffen, werden die oberen Schichten der Lufthülle auseinandergeblasen, so daß ein Gebiet tieferen Luftdruckes entsteht.  Infolge der Reibung der mit ungeheuerer Geschwindigkeit ankommenden Dampfstrahlen an der Luft entsteht nicht nur Elektrizität, sondern auch Wärme, welche sich dann in Form von Tauwind und Regenwetter auswirkt.  Daraus erklärt sich auch die nicht seltene unmittelbar Hintereinanderfolge mehrerer Tiefdruckgebiete mit anhaltendem, warmfeuchtem Wetter mitten im Winter, selbst hoch im Norden.  Gar mancher Winter war schon eine Kette von Tau- und Regenwetter, so daß es kaum zu einer Eisbildung gekommen ist.  Alle möglichen und unmöglichen Gründe wurden für solche milde Winter verantwortlich gemacht; an die Sonnenflecken hat aber außer Hörbiger niemand ernstlich gedacht.  Man hat die Sonnenflecken als Schlackenbildungen angesehen, die den Beginn der völligen Erstarrung der Sonne einleiten sollen.(1)  Wie kommt es dann aber, daß auf Zeiten starker Fleckenbildung wieder Zeiten geringer oder gar keiner Fleckenbildung folgen und die Sonne beim Auftreten vieler Flecken nicht nur keine Verminderung ihrer Wärmeausstrahlung zeigt, sondern im Gegenteil eine Erhöhung ihrer Temperatur?  Daraus kann man nur schließen, daß es gerade die aus dem Weltraum in die Sonne stürzenden und Sonnenflecken verursachenden großen und kleinen, meist aus Eis bestehenden Körper sind, welche die Sonne weiter heizen und eine Abkühlung verhindern.  Erst wenn dieser Zuschuß einmal wesentlich nachlassen oder ganz aufhören wird, kann die von der Sonne in den Weltraum ausgestrahlte Wärme nicht mehr ersetzt werden.


(Bild- u. Textquelle: Buch "Der Weg ins Unbetretene" von Hanns Fischer, 1935, Dr. Hermann Eschenhagen/Breslau)
Erdkugel von Südosten gesehen mit heranstürmender Feineis-Raffung und Verformung der irdischen Gashülle.  In den Polargebieten ist
das Abströmen der mit Feineis angereicherten höchsten Wasserstoffmassen in den Weltraum als Ursache der Polarlichter sichtbar gemacht.


Nach dem Ausklingen der Anblasungen seitens der Sonnenflecken tritt dann bei uns gewöhnlich das normale trockenkalte Wetter ein, wie wir es besonders in der Zeit vom 12. bis 26. März 1928 aufzuweisen hatten, wo der schneefreie Boden immer gefroren war und nur an den von der Sonne beschienenen Stellen tagsüber oberflächlich auftaute.  All diese Wettererscheinungen, die von der Sonne allein hervorgerufen werden, sind mit gar keinen oder nur schwachen bis mäßigen Luftbewegungen verbunden.

Daneben gibt es aber auch stürmische Wettererscheinungen, entweder in Form von Schneestürmen oder von Wintergewittern mit Blitz und Donner.  Auch davon hat uns der vergangene Winter einiges beschert, wie z. B. die Gewitter am 11. Februar und 6. April, sowie der Schneesturm am 11. März und das ausgesprochene Aprilwetter, welches nach dem herrlichen, von keinem Meteorologen geahnten Osterwetter am 13. April einsetzte und eine volle Woche hindurch eine liebliche Abwechselung von Regen, Schneeschauern und Sonnenschein brachte.  Am 17. April wurden aus allen Teilen Deutschlands gewaltige Schneestürme gemeldet und in Oberitalien gab es nicht nur "außerordentlich schwere Regengüsse, sondern auch Hagelschläge, die von einem orkanartigen Sturme begleitet waren.  In Udine und Belluno fielen Hagelkörner von 30 bis 40 Gramm Schwere und in den Obstgärten wurde großer Schaden angerichtet."  Am 16. April wurde über London gemeldet: "Ein furchtbarer Wirbelsturm wütete in den chilenischen Anden.  200 Personen werden vermißt und 20 000 Stück Vieh sind im Schnee umgekommen."

Also zu gleicher Zeit gab es in ganz verschiedenen Teilen der Erde sogar auf der südlichen Erdhälfte, wo es Herbst war, heftige Stürme aller Art.  Will man derartige Erscheinungen auch mit dem Lückenbüßer, "Polarfront" genannt, erklären?  Glaubt man, daß die verschiedene Erwärmung der Luft vom Boden aus so Gewaltiges vollbringen kann? Weder die Polar- noch die Äquatorialfront wäre dazu imstande, wenn es eine solche überhaupt geben würde.  Gesehen oder sonstwie nachgewiesen hat sie noch niemand. (2)  Selbst angenommen, daß es geschlossene Gebiete mit heißer und mit kalter Luft gibt, so fragt es sich sehr, ob sie scharf abgegrenzt sind, und ob sie ihre Länder, über denen sie sich bilden, auf größere Entfernungen verlassen, um im Norden zur Winterszeit warmes und im Sommer kühles Wetter hervorzurufen.  Am allerunwahrscheinlichsten ist es, daß die Äquatorialfront aus Afrika nach Norden über das Mittelmeer hinausdringen und bis zu uns gelangen kann; denn erstens bleibt warme Luft oben und zweitens kühlt sie sich da sehr bald wieder ab, so daß diese Luft, wenn sie überhaupt imstande wäre, die lange Reise bis zu uns zurückzulegen, hier unmöglich eine Erwärmung der Luftschichten über dem Boden bewirken könnte.

Zur Erklärung der stürmischen Witterungserscheinungen müssen daher viel mächtigere Gewalten herangezogen werden.  Dieselben Eiskörper des Weltraumes, von denen die meisten der Sonne zustreben und auf ihr die Sonnenflecken erzeugen, werden zum Teil von den Planeten angezogen und stürzen auf sie, aber nicht, wie man leicht geneigt ist anzunehmen, in senkrechter Richtung oder in steilem Winkel, sondern in ganz flachem Winkel.  Denn diese Körper fliegen nicht in einer geraden Linie auf andere Weltkörper los, sondern nähern sich dem betreffenden Planeten oder Monde in einer Spirale.  Schon lange vorher kann man diese Körper am klaren Nachthimmel als Sternschnuppen sehen, die im zurückgestrahlten Sonnenlichte aufleuchten, bis sie im Erdschatten eintauchend, verschwinden.  Mit ungeheurer Geschwindigkeit umkreisen sie einigemale die Erde, bis sie mit den obersten Luftschichten sich berühren und in ihrem Fluge immer mehr Widerstand finden.  Durch die Reibung mit der Luft entsteht naturgemäß Wärme und Elektrizität.  Die Wärme bringt den weltraumkalten Eiskörper nicht nur zum oberflächlichen Schmelzen, sondern auch zum Bersten und zur Auflösung in immer kleinere Stücke, die als Hagel auf die Erde gelangen, wenn die Luftwärme zum vollständigen Schmelzen nicht ausreicht.  Nur so ist es zu erklären, daß die Hagelkörner bisweilen hühnerei- bis faustgroß sind (wie 1928 im Odenwald).  Es sind aber auch schon mehrere Kilo schwere Hagelstücke festgestellt worden. 


(Bildquelle- und text aus dem Buch "Der Rhythmus des kosmischen Lebens" von Hanns Fischer, 1925)
Formelhafte Darstellung des Einschusses eines kosmischen Eislings in die Gashülle der Erde.  Oben rechts Druckdiagramm der irdischen Lufthülle als einer Wasserstoffgashülle mit dickgasigem Bodensatz aus 79 Teilen Stickstoff und 21 Teilen Sauerstoff von etwa 700 km sehr verschwommener Höhe, da allmählich in die annähernde Drucklosigkeit des Planetenraumes übergehend, ohne daß die Erdoberfläche je mit Gashülle gesättigt werden konnte.  (Zeichnung von Hanns Hörbiger)


Derartiges kann nicht aus Wasserbläschen frei in der Luft entstehen.  Wenn kalte Luft in warmfeuchte eindringt, kann es höchstens Schnee, Graupeln oder kleine Hagelkörner geben.  Große können nur als fertige Gebilde in unsere Lufthülle gelangen, als Reste der Zerkleinerung großer Eiskörper.  Im Winter gelangen in unsere Breiten nur selten und nur kleinere Eiskörper, so daß in vielen Wintern gar keine Gewitter mit Blitz und Donner beobachtet werden können.  Meist verwandeln sich diese Einschüsse in Schneestürme und im Frühling entwickelt sich daraus fast jedes Jahr das bekannte Aprilwetter als erster Kälterückfall, weil im April die Erde einen Schwarm kleiner Eiskörper durchschneidet.  Der zweite Kälterückfall, der selten in einem Jahr ausbleibt, erfolgt vor Mitte Mai in Gestalt der berüchtigten "Eisheiligen", die 1928 besonders lang zu Gaste waren.

Aber auch später kann es noch bis in den Juni auffallende Kälteperioden geben.  Zwei Tage vor Pfingsten verursachte ein solcher Einschuß von Eis- körpern im Verein mit einer Anblasung von den Sonnenflecken einen 24stündigen, sehr kräftigen Regen, der weit und breit Hochwasser mit sich brachte.  Auffallend war auch der unvermittelte plötzliche Kälteeinbruch am zweiten Pfingsttage nachmittags, der eine stark empfindliche Abkühlung der Luft veranlaßte.  Viele dunkle Haufenwolken in unbedeutender Höhe wiesen auf den Ursprung dieser "Kältewelle", denn die Haufenwolken, die besonders im Sommer oft am Himmel stehen, ohne Regen zu bringen, verdanken ihre Entstehung offenbar einschießenden kleineren Eiskörpern, deren Zerberstung ähnliche Erscheinungen verursacht wie das Platzen eines Schrapnells.  Wer solche Schrapnellwölkchen je den Himmel verzieren sah, wird die große Ähnlichkeit mit Haufenwolken zugeben müssen.  Wie könnte man auch sonst erklären, warum solche Wolken gerade nur an bestimmten Stellen des Himmels entstehen?  Würden sie durch Abkühlung warmfeuchter, von der Erde aufsteigender Luft sich bilden, so könnten sie nicht bloß an einzelnen Stellen stehen, sondern müßten immer den ganzen Himmel bedecken; denn in einer Gegend sind die Unterschiede im Aufsteigen warmer Luft nicht so groß, daß sie so isolierte und hohe, kugelige Gebilde entstehen lassen könnten.

Während solche einzelne Haufenwolken bei geringer Luftbewegung kein Gewitter hervorrufen, pflegt Regenwetter einzutreten, wenn zahlreiche Haufen- wolken bei lebhaftem Winde schon vormittags von Westen nach Osten ziehen.  Das ist ein Zeichen des Einschießens zahlreicher größerer Eiskörper, die infolge der mitgebrachten Geschwindigkeit eine stärkere Luftbewegung erzeugen.  Diese kann bei besonders großen Eiskörpern so stark werden, daß sie Verheerungen anrichtet.  An solchen Wirbelwinden, oft verbunden mit Schneestürmen, Wolkenbrüchen und Hagelwettern, waren besonders die letzten Jahre sehr reich.  Glücklicherweise sind sie fast immer auf ein ziemlich kleines Gebiet beschränkt und dauern nicht lange, sonst wäre es im gemäßigten Klima nicht möglich, Ackerbau zu betreiben, weil alle Jahre die Ernte vernichtet würde.  In den Tropen, wo viel zahlreichere und größere Eiskörper auf die Erde einschießen, geschieht dies deswegen nicht, weil dort die Eiskörper vollständig zu Wasser werden.  Es gibt daher dort nur gewaltige Regengüsse mit starken elektrischen Entladungen.  Auch über der Sahara schießen Eiskörper in gleicher Größe und Zahl in die Lufthülle ein, wie sonst in den Tropen, aber sie werden in der heißen Luft meist vollständig verdampft und verursachen bloß die gefürchteten Sandstürme.  Erst bei ihrer Abkühlung an den abessinischen Hochgebirgen verdichten sie sich zu starken Regenmassen, die in Ägypten die bekannte regelmäßige Über- schwemmung veranlassen. (3)  Man hört aber auch, so öfters in diesem Winter, von ungeheuren Wolkenbrüchen und Überschwemmungen in Marokko, Algier, Tunis usw.; ihre Ursache sind dann besonders große Eiskörper, welche von der heißen Luft nicht verdampft werden konnten.

Unter dem Gesichtspunkte dieser Erklärung heftiger Witterungserscheinungen und Kälterückfälle ist es nun besonders interessant geworden, den Verlauf von Unwettern aller Art genauer zu verfolgen, um zu ergründen, ob direkt einschießende Eiskörper allein oder in Verbindung mit gleichzeitig auf die Erde gelangenden Anblasungen durch die Sonnenflecken stürmisches und kaltes Wetter veranlassen.

Prof. Wilhelm Morres

(Quelle: Monatsheft "Der Schlüssel zum Weltgeschehen, Heft 1 u. 2, S. 16-20,  Jahrg. 1929, R. Voigtländers Verlag - Leipzig)




Anmerkung:
(1) Dies trifft gegenwärtig nur noch bedingt zu, da es eine ganze Reihe verschiedenartigster "Sonnenfleckentheorien" gibt, Hörbigers Deutung aber am vollendetsten befriedigt.  Anm. der Schriftleitung des "Schlüssel zum Weltgeschehen".

(2)
Der sogenannten "Polarfronttheorie" liegt die Annahme zugrunde, daß sich über die Polargebiete kalte Luft anhäuft, die ringsum durch eine Übergangsschicht gegen die wärmeren Luftmassen (äquatorialen Ursprungs) abgegrenzt ist.  Unter dem Einfluß der Erddrehung sollen sich die vom Pol südwärts abfließenden kalten Luftmassen zum mindesten in ihren Randgebieten vorherrschend von Ost nach West bewegen, während darüber liegende wärmere Luftmassen (aus südl. Breiten stammend) von West nach Ost ziehen.  Die erdoberflächliche Grenzlinie zwischen kalter und warmer Luft wird Polarfront genannt.  Anm. der Schriftleitung des "Schlüssel zum Weltgeschehen".


(3)
Vgl. hierzu Hörbiger / Das Rätsel der Nilhochflut und indischen Regenzeit (Schlüssel 1925, S. 76); ferner H. Fischer / Rhythmus des kosmischen Lebens (R. Voigtländers Verlag, Leipzig 1925).