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Wiedergefundenes Atlantis?



Das wiedergefundene Atlantis verfasst Eugen Georg (1931)
(Der Fall Schliemann)

Die Achäologie liebt nicht Sensationen.  Aber die Sensationen scheinen neuerdings hinter der Archäologie her zu sein, sie verfolgen sie förmlich auf Schritt und Tritt.  Es sieht fast aus, als wären alle Entdeckungen und Triumphe einer hunderdreißigjährigen "Wissenschaft des Spatens" nur kärgliche Anfänge gewesen, als würde erst jetzt das goldene Zeitalter archäologischer Großentdeckungen beginnen.  Die archäologischen Erntekammern strotzen förmlich von nie geahnten, jetzt erst eingeheimsten Neuentdeckungen.  In allen Ecken der Welt gibt es archäologische Sensationen.

Kaum hat man sich über die Märchenfunde aus dem Tal der Könige, aus Ur, aus Lubaantum beruhigt, kommen neue aufsehenerregende Nachrichten aus Persien, Indien, Malta, Neuseeland, Afrika - und aus der deutschen Heimat.  In Luristan wird eine bisher vollkommen unbekannte indogermanische Kultur aus dem 2. vorchristlichen Jahrtausend, die hochkünstlerische Kultur der Kaschschu (Kossäer) aufgedeckt.  Grabungen bei Mohenjo-daro, bei Harappa, bei Dekkan (im Distrikt Chitaldroog) fördern prähistorische indische Städte mit Kulturen, reich wie die von Ur und Elam, zu Tage.  Auf dem Eiland Praslin im Indischen Ozean entdeckt man uralte sarkophagartige Gräber.  In Neuseeland legt ein Erdbeben Reste uralter Kultur, vor allem Skelette von Riesenmaßen bloß.  Bei Tarxien auf Malta wird ein geheimnisvoller Steinzeittempel freigelegt, eine uralte Orakelstätte - auf eben jenem Malta, wo rätselhafte, tief in den harten Fels eingegrabene Wagenräderspuren auf jahrtausendealte, verschollene Kulturen hindeuten, deren Reste auf dem Grund des Mittelmeeres liegen mögen.  Vielleicht waren sie gleichaltrig mit der neuentdeckten, der großen Öffentlichkeit kaum noch bekanntgewordenen Bodenseekultur: in der Bucht von Sipplingen fördert man eben eine fabelhaft und raffiniert reiche Pfahlbausiedlung aus dem Schlamm, man bedenke, eine Pfahlbausiedlung aus dem 2. oder 1. Jahrtausend vor Christus, in dem es in Deutschland angeblich nur primitivste Höhlen- und Hüttenkultur gegeben hat.  Aber aus dieser versunkenen Siedlung von Sipplingen werden herrliche und überraschende Hinterlassenschaften einer üppigen Bronzekultur heraufgeholt, Lehnsessel, prachtvolle Truhen, Gewebe, Baustücke von außerordentlicher Schönheit, es sollen technische Sensationen sein, kunstvolle Tür- und Fensterverschlüsse und aus verschlossenen irdenen Truhen Keimlinge von sechzehn Getreidearten (wir von heute kennen nur noch elf!).


Rekonstruktion der Pfahlbausiedlung (Unteruhldingen am Bodensee), die einst durch unsere Vorfahren errichtet wurden.


Und in dem angeblich ahistorischen Afrika, dem "Erdteil ohne Geschichte", entdeckt Leo Frobenius vorhistorische Hochkulturen.  Von Ilife bis Simbabwe, welcher Weg und welche Perspektiven!  Die Joruben- und Beninkulturen, und jetzt die geheimnisvolle erythräische.  - Von Westafrika bis Rhodesien prangt einst ein Kulturgürtel - er ragt grenzenlos in Vergangenheiten, er strahlt vom Herzen Afrikas aus weit über das indische Ostmeer hinüber bis Südarabien, Ceylon, Malabar.

Diese Kultur ist kosmisch orientiert, sie gründet sich also auf eine magische Auffassung der Welt.  Sie baut in Simbabwe, Riesenburgen mit 11 Meter hohen Türmen - hier finden sich auch, neben Terrassenanlagen für Bewässerungszwecke, seltsame, halbunterirdische Kellerbauten, rätselhaft in ihrer Anlage und in ihrem Verwendungszweck (Zufluchtsstätten in kosmischen Wolkenbrüchen?).  Der Erzbau, den diese Völker betreiben, auch er hinterläßt auffallende, merkwürdige, geheimnisvolle Begleitspuren.  Die Felsenbilder dieser vorhistorischen Afrikaner, mit ihren naturalistisch-symbolhaften Darstellungen, gehören in eine Gruppe mit südamerikanischen, australischen, schwedischen.  Und diese sonderbare erythräische Kultur besitzt schon den Stahlmeißel (das Werkzeug ist in Urafrika überhaupt hochentwickelt: die Riesengranitblöcke der ägyptischen Pyramiden werden mit Drillbohrern bearbeitet, wie sie in gleicher Vollkommenheit erst wieder bei der Anlage des Mont Cenis-Tunnels verwendet werden), sie entwickelt eine Eisenkultur, wohl gleichzeitig mit jener verschollenen, phantastischen frühindischen, mit den meilenweiten Schlackenhalden im Kewahstaat und der 17 Meter langen rostfreien Kutubsäule bei Delhi; es stellt sich heraus, daß Eisenkultur mit Bronzekultur gleichaltrig ist - vielleicht sogar älter.  Also fällt das abgebrauchte historische Schema. -


Stein wurde einst mit Drillbohrern bearbeitet. (Tempelanlage bei Sakkara/Ägypten.)


Wer waren diese Kulturträger?
Es sind - nehmen wir zuversichtlich den Begriff einer künftigen Vorgeschichtswissenschaft vorweg - Atlantiden, Söhne, Abkömmlinge der vielumstrittenen, hypothetischen Rieseninsel im Westen, die hier Kolonialkulturen gegründet haben.
Heute ist das alles noch Geheimnis.  Allein schon "erythräische Kultur" ist ein neuer Begriff für Kunstgeschichte und Archäologie.  Und "Atlantiden": das ist für den starr an seinen engmaschigen Forschungswesen festhaftenden Wissenschaftler höchstens ein Begriff aus der griechischen Mythologie.  Nichts weiter.  Wenn etwa in Bolivien-Peru vierzehntausendjährige Kulturen festgestellt werden oder von den Maya in Mittelamerika, daß sie die Null erfunden, daß sie Großzeiteinheiten für 2560 Jahre und für 460 Billionen Tage festgesetzt und Städte - Chich'en Itza - viermal so groß wie Chikago gebaut haben, oder daß die Mesopotamier schon 3000 Jahre vor Christus quadratische Gleichungen mit zwei Unbekannten auflösen und den pythagoräischen Lehrsatz anwenden - so nimmt die Archäologie das eben so hin, und zwar als mit kühler Skepsis zu behandelnde Tatsachen.  Freilich sagt auch sie, jene Frühhochkulturen können "doch nicht vom Himmel gefallen" sein.  Aber von einem großen Standpunkt aus Schlußfolgerungen zu ziehen, etwa auf unermeßlich lange vorausgegangene Kulturentwicklungen, auf gemeinsame Herkunft dieser Vorhutkulturen, auf eine Abstammung von einer einzigen Vor- und Mutterkultur, und so weit zu gehen, die Geologie in die Vorgeschichte einzubauen - so weit ist es eben noch nicht.  Nur zögernd und mit höchster Vorsicht konzediert sie zwei, drei Jahrtausende, um die das Alter der historischen Geschichte zurückgerückt werden darf - in der Richtung nach leeren, dunklen, geschichtslosen Zeiträumen hin.


Das also ist die Ausgangssituation.  Und hier, eben hier, setzt eine ohne Scheuklappen und ohne Vorurteile allmählich sich aufbauende Vorgeschichtswissenschaft ein.  Sie packt das Riesenproblem Vorgeschichte gleich von einer neuen Richtung, von vielen neuen Richtungen her an.  Geschichte geht mit einem Male über in Geologie, in Anthropologie und Paläontologie.  Die optimalen frühgeschichtlichen technischen und geisteswissenschaftlichen Leistungen, auf allen fünf Kontinenten, deuten, so meint die Vorgeschichtswissenschaft, auf seltsam reiche Vorhutkulturen - die eben mit diesen Leistungen noch in historische und frühhistorische Zeiten hineinragen.  Aber die Anfänge liegen so weit zurück, daß sie nicht mehr auf den gegenwärtigen Kontinenten untergebracht werden können!
Damit aber ist, und zwar mit allen seinen komplizierten, ja abenteuerlichen Schlußfolgerungen das - Atlantis- (und Lemurien-) problem aufgeworfen.  Es ist ein geologisches, es ist aber ebensogut ein anthropologisches und kulturhistorisches Problem.  Denn Hand in Hand mit ihm gehen jetzt die allgemeinen Fragen nach dem Alter des Menschengeschlechtes und nach dem Alter der Menschenkultur überhaupt.

Die Anthropologie der darwinistischen Schule hat diesen Fragen mit der (aus den Kombinationen der Abstammungslehre heraus zu verstehenden) verzweifelten Suche nach dem missing link beikommen wollen.  Aber weder der Pithecanthropus erectus von Java noch der Eoanthropus von Piltdown oder der Sinanthropus Pekinensis, nicht der Neandertaler und auch nicht der Heidelberger Mensch (der Unterkiefer von Mauer ist immer noch das älteste je gefundene Stück Menschengebein) haben die Erwartungen befriedigt.  Mit dem gorilloiden oder schimpansoiden Urmenschen scheint es eben nichts zu sein.  Mit all diesen Funden hat nur die Existenz des Menschen für das frühe Quartär, und zwar die gleichzeitige Existenz verschiedener, heute sämtlich ausgestorbener Rassen, bewiesen werden können.  Weiter geht aus ihnen nichts hervor - aus diesen Funden, also aus dem in den Diluvien des Quartärs eingebetteten materiellen Fossilmaterial (das den Grundstock der paläontologischen Geschichte der Menschheit bildet).
Aber da existieren noch andere "Funde" - die immer leuchtender, unangreifbarer und unwiderlegbarer aus dunklen Vergangenheiten herüberglänzen: das immaterielle, das im "Gedächtnis der Menschheit" eingebettete geisteswissenschaftliche Fossilmaterial (das den Grundstock der mnemoneutischen, also der in Überlieferungen kodifizierten Geschichte der Menschheit bildet), der herrliche Schatz hunderttausendjähriger Überlieferungen.  Also Urmythen, Ursagen, Urepen, Traditionen von tausenden von Geschlechtern, Drachen-, Lindwurm, Riesensagen, Sintflut- und Weltuntergangsagen, apokalyptische Visionen und die grandiosen Erinnerungsreste an Eiszeit und Äon, an Paradies und Tiermensch.


Was folgt aus der Entdeckung dieses geisteswissenschaftlichen Fossilmaterials für die Vorgeschichtswissenschaft? 
Es folgt - zunächst - daraus, daß das wahre Alter des Menschengeschlechtes nicht nach Jahrhunderttausenden (wenn man sich schon auf Zahlen festlegen will, aber das ist meist Unfug!) berechnet werden darf.  Sondern nach Jahrmillionen, das Tertiär liegt mindestens 10 Millionen, Kreide und Jura vielleicht 60-100 Millionen Jahre zurück. 
Der Mensch also ist Zeitgenosse der Saurier!  Immer mehr verdichtet sich die Wahrscheinlichkeit eines so ungeheuren Alters zur Gewißheit, auch die materiellen Beweise für diese auch noch heute oft genug sattsam belächelte These mehren sich allmählich.  Zu den Saurierzeichnungen aus Arizona, zu der (zunächst allerorts für amerikanischen Humbug gehaltenen) "versteinerten Schuhsohle aus dem Mesozoikum" ("Schlüssel" 1931, Heft 2/3), zu dem seinerzeit in Rügener Kreide gefundenen Menschenhirnpetrefakt kommen neuerdings in den Ruinen von Oanama (auf dem Isthmus von Panama) ausgegrabene Schüsseln und Tonscherben mit farbigen Zeichnungen von Pterodaktylen, jenen gezähnten, spitzschnäbligen Flugsauriern aus dem Mesozoikum...
Und da soll man vielleicht nicht sagen können, daß sich der Archäologie Sensationen auf Schritt und Tritt über den Weg drängen?


Mensch und Saurier lebten in einer gemeinsamen Zeitepoche.  (Ethnologisches Museum in Berlin.)


Mit allen diesen Feststellungen ist ein ungeheuer wichtiger Stollen in der Richtung auf jenes Problem zu gegraben worden, das das Spitzenproblem und Schlüsselproblem all solcher Überlegungen ist: Denn sie münden alle im Atlantisproblem - und zwar ist es dabei eigentlich nicht in dem Sinne gemeint, als ob erst nach der Existenz dieses Kontinentes überhaupt gefragt werden müßte.  Die geologische Existenz eines Atlantis in irgendeinem Sinne braucht ja - die Wegenersche Kontinentalverschiebungstheorie mit inbegriffen - gar nicht angezweifelt werden.  Also lautet die Kernfrage nicht: Besteht die Überlieferung von einer großen Insel oder einem Festlande jenseits der Säulen des Herkules zurecht, das vorzeiten unter grauenhaften Erdbeben und Springfluten in den Tiefen des Ozeans versunken sein soll? - Sondern sie müßte vielmehr lauten: Hat diesen Kontinent tatsächlich eine verlorene Menschheit bewohnt, hat sie hier tatsächlich eine legendäre Mutterkultur entwickelt und die Erinnerung daran auf die anderen Kontinente verpflanzt?
Nach solcher Richtung hin also muß die Kernfrage formuliert werden. - Es ist hier, auch unter Beiseitelassen aller geologischen Spezialfragen über die Existenzmöglichkeit und die Untergangsursachen der Atlantis, nicht beabsichtigt und auch gar nicht möglich, über das immense, wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche, mehr oder minder glaubwürdige zu dieser Kernfrage zusammengetragene Material, also über die seit fast einem halben Jahrtausend angehäufte Atlantisliteratur, zu referieren.  Nur kurz soll gesagt werden, daß allein aus der Mondkatastrophenlehre Hörbigers eine nach allen Richtungen hin brauchbare Theorie zur Existenz und zum Untergang der Atlantis ableitbar zu sein scheint.
Aber eine andere Angelegenheit, eine jene Kernfrage unmittelbar berührende Affaire, die es in sich haben könnte, zahllose, ja abenteuerliche Probleme mit einem Schlage zu lösen, soll an dieser Stelle aufgerollt (und womöglich erledigt) werden.  Es kann an sie, um es gleich zu sagen, nur mit größter Vorsicht herangegangen werden - im Interesse einer eigentlich selbstverständlichen wissenschaftlichen Sauberkeit und weil gerade nach dieser Richtung hin und gerade in der Behandlung des Atlantisproblems zum Schaden der Sache selbst ja schon genug - ungeheuer viel! - gesündigt worden ist.


Es handelt sich um den Fall Paul Schliemann. - Es war bis jetzt darüber nur Unsicheres aus zweiter Hand, nichts Authentisches in Erfahrung zu bringen.  Da die weiter unten veröffentlichten Originalunterlagen erst vor ganz kurzer Zeit (durch liebenswürdige Vermittlung eines englischen Freundes des "Schlüssel" und der WEL) in meinen Besitz gelangten, war es bisher unmöglich den aus ihnen verfolgbaren Spuren nachzugehen.  Das muß der nächsten Zeit vorbehalten bleiben....
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Zu seiner Vorgeschichte ist kurz zu sagen: Paul Schliemann ist der Enkel Heinrich Schliemanns, des großen Entdeckers der mykenischen Kulturepoche und des Ausgräbers Trojas.  1873 fand Heinrich Schliemann den sogenannten "Schatz des Priamus" - und schon damals ging das Gerücht um, er habe nicht alle in jenem Burghügel ausgegrabenen Schätze publiziert, sondern dieses oder jenes Stück beiseite stellen lassen.  Auch das steht fest, daß sich Heinrich Schliemann zu seinen Lebzeiten, und zwar auf Grund gewisser Trojafunde, über von ihm vermutete Zusammenhänge zwischen dem Alten Orient und Altamerika geäußert hat.  Er stirbt 1890.  Und am 20. Oktober 1912 veröffentlicht nun sein Enkel, Dr. Paul Schliemann, im New York American einen Artikel "How I found the lost Atlantis, the source of all civilization".
Dieser Artikel wird meines Wissens hiermit zum ersten Male vollständig in deutscher Übersetzung veröffentlicht.  Seinerzeit 1912, haben nur wenige deutsche Zeitungen Auszüge aus jenem, in echt amerikanischer Manier sensationell aufgemachten Artikel gebracht und durch ihren archäologischen oder geographischen Mitarbeiter dazu Stellung genommen.  Es ist weiter nicht verwunderlich, daß diese Wissenschaftler einen durchaus ablehnenden Standpunkt einnahmen und mehr oder minder Paul Schliemanns Mitteilungen für wenig vertrauenswürdig, für unkontrollierbar und vor allem eine tertiäre Existenz des Menschen für indiskutabel erklärten.
Damit war der Fall für zwanzig Jahre zu den Akten gelegt.  F. Wencker-Wildberg kommt in seinem Buche "Atlantis, der Roman einer untergegangenen Welt" (W. Borngräber, Leipzig) auf ihn zu sprechen, ohne sich aber weiter in kritischer Betrachtungen über Echtheit oder Unechtheit dieser Angaben einzulassen.  Erst 1931, in der Atlantisnummer der "Woche" (Heft 35), greift Dr. Alexander Beßmertny die Angelegenheit auf - und spricht gleich von einem "Täuschungsversuch und Schwindel", der geeignet sei, das ganze, an sich schon so komplizierte und verworrene Atlantisproblem nur noch undurchsichtiger zu machen.
Nun, soweit ist es eben noch nicht.  Es soll sich vielmehr ja erst herausstellen, ob hier wirklich ein Schwindel, ein grober Betrug vorliegt, oder ob diesen Mitteilungen, allen Zweifeln entgegen, nicht doch wahre und nachprüfbare Tatsachen zu Grunde liegen. - Hier folgt, unter Weglassung etlicher, nicht weiter wesentlicher Zusätze über Heinrich Schliemann, die Übersetzung des Paul Schliemannschen Artikels.


WIE ICH DAS VERLORENE ATLANTIS, DIE QUELLE ALLER KULTUR, FAND.
Einige Tage, bevor mein Großvater, Dr. Heinrich Schliemann, der wahre Entdecker der großen mykenischen Kultur, die in den Büchern Homers beschrieben ist, im Jahre 1890 in Neapel starb, übergab er einen versiegelten Umschlag einem seiner besten Freunde zur Aufbewahrung.  Der Umschlag trug folgende Aufschrift: "Dies darf nur von einem Familienmitglied geöffnet werden, das feierlich schwört, sein Leben den hier skizzierten Forschungen zu weihen."
Eine Stunde, bevor mein Großvater starb, bat er um ein Stück Papier und einen Bleistift. Mit zitternder Hand schrieb er: "Geheimer Zusatz zu dem versiegelten Umschlag.  Zerbrich die eulenköpfige Vase.  Beachte den Inhalt.  Er betrifft Atlantis.  Grabe im Osten der Tempelruinen von Sais und auf dem Gräberfeld im Chacuma-Tal.  Wichtig.  Du wirst Beweise für die Richtigkeit meiner Theorie finden.  Die Nacht naht - lebewohl."
Er verschloß dies in einem Umschlag und beauftragte seine Pflegerin, diesen Brief dem Freund zu bringen, der schon den anderen Umschlag aufbewahrte.  Das geschah.

Obwohl jeder begierig war, den mysteriösen Inhalt des Briefes kennen zu lernen, wagte es doch keiner der Kinder oder Freunde, die Siegel zu lösen.  Keiner wollte sein Leben einer Sache widmen, von der er nichts wußte, bis es zu spät wäre, zurückzutreten. - Diese Briefe wurden in einer französischen Bank deponiert.  Nachdem ich einige Jahre in Rußland, Deutschland und im Orient studiert hatte, entschloß ich mich, die Arbeiten meines berühmten Großvaters fortzusetzen.  Ich überlegte, daß es wohl richtig genug sein müßte, sein Leben einer Sache zu weihen, die er für so bedeutsam hielt, daß er sie so behütete.  Im Jahre 1906 legte ich den Schwur ab und zerbrach die Siegel.  Im Umschlag waren Photographien und zahlreiche Dokumente.  Auf dem ersten stand:
"Wer auch immer dies öffnet, muß feierlich schwören, das Werk fortzusetzen, das ich unvollendet ließ.  Ich bin zu der Schlußfolgerung gekommen, daß Atlantis nicht nur ein großes Territorium zwischen Amerika und den Westküsten Afrikas und Europas war, sondern die Wiege unserer gesamten Kultur.  Darüber ist unter den Fachleuten schon genug gestritten worden.  Nach der Auffassung der einen ist die Überlieferung von Atlantis einfach erdichtet, unter Zugrundelegung fragmentarischer Berichte über eine Sintflut einige Jahrtausende vor Christus.  Andere halten die Überlieferungen für durchaus historisch, ohne aber in der Lage zu sein, ihre letzte Wahrheit zu beweisen.
In dem beigefügten Material sind Urkunden, Notizen und Ausarbeitungen zu finden und alle jene Beweise, die meiner Meinung nach hier in Frage kommen.  Wer auch immer diese Angelegenheit weiterverfolgt, ist feierlich verpflichtet, meine Forschungen fortzusetzen und möglichst zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen, wobei er erstens die Tatsachen verwenden kann, die ich ihm in die Hände gebe, und zweitens nicht verschweigen darf, daß ich der wirkliche Urheber dieser Entdeckungen bin.  In der Bank von Frankreich ist ein besonderes Depot eingerichtet, daß dem Überbringer der beigefügten Quittung übergeben werden wird, und dieses Depot dürfte zur Bestreitung der Kosten der Forschungen ausreichen.  Der Allmächtige möge diese wichtige Arbeit beschirmen!
Heinrich Schliemann."

Ich kann auf diesem beschränkten Raum nicht den Inhalt aller Papiere wiedergeben, ich beabsichtige dies auch gar nicht.  Aber in einem, das für diesen aufklärenden Bericht eins der wichtigsten ist, heißt es:
"Als ich im Jahre 1873 die Ausgrabungen der Ruinen Trojas bei Hissarlik durchführte und in der zweiten Schicht den berühmten 'Schatz des Priamus' entdeckte, fand ich unter diesen Schätzen eine eigentümlich aussehende Bronzevase von ziemlicher Größe.  Es befanden sich darin einige Tonscherben, verschiedene kleine Arbeiten aus einem eigenartigen Metall, Münzen aus demselben Metall und Gegenstände aus versteinerten Knochen.  Einige dieser Gegenstände und die Bronzevase trugen eine Inschrift in phönizischen Hieroglyphen.  Diese Inschrift lautete: 'Vom König Chronos von Atlantis'.
Man kann sich meine Erregung vorstellen!  Hier war der erste, allererste tatsächliche Beweis für die Existenz des großen Kontinents, dessen Geschichte sich durch alle Jahrhunderte hindurch in der ganzen Welt erhalten hat. - Dieses Material hielt ich geheim und wollte es zu der Grundlage meiner Forschungen machen, die ich für unendlich bedeutsamer hielt als die Ausgrabungen von hundert Trojas.  Ich mußte aber zunächst das Werk vollenden, zu dem ich mich verpflichtet hatte, und tat dies um so eifriger, weil ich bestimmt noch andere Objekte zu finden hoffte, die direkt auf den verlorenen Kontinent Bezug haben würden.  Und ich wurde belohnt für meinen Glauben, wie aus folgendem, mit B bezeichneten Dokument zu ersehen ist.
Im Jahre 1883 fand ich im Louvre eine Sammlung von Gegenständen, die in Tihuanaku, in Zentralamerika ausgegraben worden waren.  Und darunter entdeckte ich Tonscherben von genau derselben Form und aus demselben Material und auch Gegenstände aus versteinerten Knochen, die Strich für Strich das Abbild der Gegenstände waren, die ich in der Bronzevase vom 'Schatz des Priamus' gefunden hatte.  Die Ähnlichkeit konnte kein Zufall sein.  Formen und Ornamente waren zu kompliziert dafür.  Es liegt außerhalb jeder Zufallsmöglichkeit, daß zwei Künstler in so weit von einander entfernten Ländern wie es Zentralamerika und Kreta sind, zwei Vasen anfertigen - um nur auf einen der in Frage kommenden Gegenstände hinzuweisen -, die genau die gleiche Form und Größe besaßen und von denen eine jede mit sonderbaren Eulenköpfen in gleicher Weise verziert war. 
Die Vasen aus Zentralamerika trugen keinen phönizischen Charakter und keinerlei Inschrift.  Ich beeilte mich, meine eigenen Stücke noch einmal zu prüfen, und durch Versuche und eingehende Forschungen überzeugte ich mich, daß die Inschriften von fremder Hand herrührten und in einem späteren Zeitpunkt als die Gegenstände selbst entstanden waren.
Ich verschaffte mir einige ähnliche Stücke aus Tihuanaku und unterzog sie chemischen und mikroskopischen Untersuchungen.  Diese Versuche zeigten eindeutig, daß beide Vasen, sowohl die aus Zentralamerika wie die aus Troja, aus dem gleichen eigenartigen Ton hergestellt waren, und ich stellte später mit aller Bestimmtheit fest, daß dieser Ton weder im alten Phönizien noch in Zentralamerika vorkommt.
Die metallenen Gegenstände mußte ich analysieren, anders war ihre Beschaffenheit nicht festzustellen, denn diese Metallmischung war mir unbekannt, ich hatte sie noch nie gesehen.  Die chemische Analyse ergab, daß das Material aus Platin, Aluminium und Kupfer bestand, eine Legierung, die man sonst nirgends bei antiken Hinterlassenschaften gefunden hat und die heute unbekannt ist.
Damit waren also Gegenstände vollkommen gleichartigen Materials und zweifellos gleicher Herkunft für diese beiden weit voneinander entfernten Länder festgestellt.  Die Gegenstände selbst sind weder phönizische noch mykenische oder mittelamerikanische Arbeiten.  Was folgt daraus?  Daß sie von einem gemeinsamen Ursprungsort her an diese Fundorte gelangten.  Die Inschrift auf meinen Gegenständen ergab den Ursprungsort: Atlantis!
Daß die Gegenstände in großer Verehrung gehalten worden waren, beweist ihr Unterbringungsort im 'Schatz des Priamus' und das besondere Gefäß, in dem sie aufbewahrt wurden.  Ihr Wesen läßt keine Zweifel darüber, daß sie Gegenstände heiliger Zeremonien waren und zwar im gleichen Tempel.  Handelte es sich vielleicht um Reliquien eines Gottesdienstes, wie man ihn auf Atlantis abhielt, und der dann von diesem großen Land aus in diesen weitentfernten Kolonien und Ländern, wie es das einstige Kreta und Mittelamerika waren, Verbreitung gefunden hatte?  Wurden solche gottesdienstlichen Gegenstände vom Mutterland aus versandt, wie heute die Römische Kirche Bibelübersetzungen verbreitet, oder wie Isis-Statuen und Altarzubehör von den Ägyptern in ihre Kolonien versandt wurden?
Diese außerordentliche Entdeckung und meine immer schwächer werdende Gesundheit veranlaßten mich, meine Nachforschungen energischer fortzusetzen.  Ich fand im St. Petersburger Museum eine uralte Papyrusrolle.  Sie datiert aus der Regierungszeit des Pharao Sent aus der II. Dynastie, 4571 vor Christus.  Sie enthält eine Beschreibung, wie dieser Pharao eine Expedition 'nach Westen' aussandte, um Spuren des 'Landes Atlantis' zu finden, von wo vor 3350 Jahren die Vorfahren der Ägypter, alle Weisheit ihres Mutterlandes mit sich bringend, einwanderten.  Die Expedition kehrt nach fünf Jahren mit der Meldung zurück, sie hätte weder ein Volk noch Hinterlassenschaften gefunden, die Aufschluß über das verschwundene Land zu geben imstande wären.  Eine andere Papyrusrolle im gleichen Museum, von Manetho, dem ägyptischen Historiker, geschrieben, bezeichnet eine Periode von 13 900 Jahren als Regierungszeit der Weisen von Atlantis.  Der Papyrus setzt diese Periode auf den Beginn der ägyptischen Geschichte an, die damit also auf annähernd 16 000 Jahre zurückgeht.
.... Eine Inschrift, die ich am Löwentor von Mykenä ausgrub, berichtet, daß Misor, von dem, wie die Inschrift lautet, die Ägypter abstammten, der Sohn des Taaut oder Toth, des ägyptischen Gottes, war, und Taaut wiederum der ausgewanderte Sohn eines atlantischen Priesters, der sich in eine Tochter des König Chronos verliebte, deshalb flüchten mußte und nach langen Irrwanderungen in Ägypten landete.  Er baute den ersten Tempel zu Sais und lehrte dort die Weisheit seines Mutterlandes. - Diese Inschrift ist höchst wichtig, und ich habe sie geheimgehalten.  Du wirst sie unter den Papieren, mit D bezeichnet finden." -

Ich kann hier von der Riesenfülle der Beweisstücke nur einen kleinen Teil wiedergeben, alles greifbare Beweise für diesen Kontinent Atlantis, die mein Großvater gesammelt hat.  Ich will aber noch die Schlußsätze eines wichtigen Dokuments wiedergeben:
"Eine Tafel, sie stammt aus meinen trojanischen Ausgrabungen, enthält eine medizinische Abhandlung von ägyptischen Priestern - es bestand ja jahrhundertelang eine Verbindung zwischen Kreta und Ägypten - über die Beseitigung des grauen Stars und von Eingeweidegeschwülsten durch chirurgische Eingriffe.  Ganz ähnliche Rezepte habe ich in einem spanischen Manuskript in Berlin gefunden, dessen Verfasser sie von einem aztekischen Priester in Mexiko bekam.  Dieser Priester hatte sie wieder einem alten Mayamanuskript entnommen.
Ich muß also zu dem Schluß kommen, daß weder die Ägypter noch die Maya, die - vor den Azteken - die Zivilisation Mittelamerikas schufen, große Seefahrer waren.  Nie und nimmer besaßen sie Schiffe zur Durchkreuzung des Atlantik.  Auch die Phönizier können wir als Mittler zwischen beiden Hemisphären ruhig ablehnen.  Aber die Ähnlichkeit zwischen ägyptischer und Mayakultur ist doch so vollständig, daß man sie unmöglich für einen Zufall halten kann.  Derartige Zufälle gibt es nicht, weder in der Natur noch in der Geschichte.  Die einzige Möglichkeit ist eben, daß es, wie die Legende berichtet, einst einen großen Kontinent gab, der das, was wir jetzt die Neue Welt nennen, mit dem, was eben als Alte Welt bezeichnet wird, verband. .....  Aber es gab da ein Land, das eine ebenso hohe Kultur besaß, wie wir sie jetzt kennen, vielleicht war sie sogar noch höher.  Jenseits seiner Grenzen dehnte sich Wildnis.  Das war Atlantis.  Und von Atlantis aus wurden in Ägypten und Zentralamerika Kolonien gegründet." -


Auf einer Innenwand im Tempel von Kom Ombo in Ägypten werden chirurgische Instrumente dargestellt.


Mir war klar, daß ich in der Tat einem ernsten Problem gegenüberstand, trotz all diesen erstaunlichen Beweisen, die die kühnsten Träume übertrafen, die mir da also von meinem Großvater hinterlassen worden waren.  Es gab noch andere Notizen und Hinweise, die in einem geheimen Safe in Paris aufbewahrt sein sollten, und daneben bestand der strikte Befehl, die Sache geheimzuhalten, bis ich meines Großvaters Instruktionen restlos erfüllt und meine Nachforschungen abgeschlossen hätte.
Sechs Jahre lang habe ich unermüdlich in Ägypten, Zentral- und Südamerika und in den archäologischen Museen der ganzen Welt gearbeitet.  Ich habe Atlantis entdeckt, ich habe die Existenz dieses Großreichs und die Tatsache bestätigt gefunden, daß ohne Zweifel von hier aus jegliche Zivilisation in historischen Zeiten ihren Ursprung nahm.
Solange meine Forschungen dauerten, habe ich mich grundsätzlich so in die Einsamkeit zurückgezogen, daß mich keine Zeitungen erreichten, keine Neugier der Welt bei diesem großen und wichtigen Werk stören konnte.  Bis mein Buch beendet ist, halte ich durch.  Aus diesem Grunde habe ich auch bis heute vermieden, irgend etwas über die hier vorgebrachten Tatsachen durch die Presse zu verbreiten oder mit irgendwelchen wissenschaftlichen Unternehmungen in Fühlung zu treten.  Ich bin Einzelgänger und will mein Werk so vollenden, wie es mir behagt.  Trotzdem bin ich der Aufforderung dieser Zeitung gefolgt, das Geheimnis meines berühmten Großvaters zu lüften und mich über einige der von mir entdeckten Tatsachen zu äußern, auch darüber, warum ich der Entdecker von Atlantis zu sein beanspruche.  Ich fahre jetzt fort mit meinem Bericht darüber, was, nachdem ich die Dokumente Heinrich Schliemanns gelesen hatte, geschah.

Ich machte mich zuerst auf die Suche nach der in Paris geheim aufbewahrten Sammlung.  Die eulenköpfige Vase war etwas Einzigartiges, von anscheinend außerordentlicher alter Herkunft, und auf ihr las ich die Inschrift in phönizischen Buchstaben: "Vom König Chronos von Atlantis".  Ich zögerte tagelang, sie zu zerbrechen, denn so überlegte ich mir, der letzte Brief meines Großvaters könnte am Ende in einer beim Nahen des Todes verständlichen geistigen Schwäche geschrieben sein.  Ich konnte nicht einsehen, warum sie zerbrochen werden mußte.  Es schien sinnlos zu sein.  Ich kann auch jetzt nicht sagen, wie er dazu kam, zu wissen, daß sie zerbrochen werden müßte.  Mag sein, daß er ähnliche Vasen in Hissarlik gefunden und zerbrochen hatte.  Vielleicht hatte er diese letzte Vase gerettet in dem Gefühl, sie als absolutes Beweismittel dem, der sein Werk fortsetzte, übergeben zu müssen.  Ich zögere, das niederzuschreiben, da es wie ein schlechter Roman klingt.  Und doch ist es feststehende Tatsache.
Endlich zerbrach ich die Vase.  Ich war eigentlich keineswegs überrascht, als aus dem Boden der Vase eine viereckige weiße, silberartige Metallscheibe herausfiel, auf die fremdartige Figuren und Zeichen eingraviert waren, die keinen jemals gesehenen Hieroglyphen oder Schriftzügen glichen.  Sie befanden sich auf der Kopfseite der Münze oder Medaille.  Auf der Rückseite war in altphönizischer Schrift eingeritzt: "Aus dem Tempel der Durchsichtigen Wände" ("Issued in the Temple of Transparent Walls"). - Wie kam das Metallstück in die Vase?  Ich weiß es nicht.  Der Hals war zu schmal, um es von oben hineinzubringen.  Aber da war es nun einmal darin und lag eingebettet im tönernen Boden, was mein Großvater offensichtlich gewußt hatte.
Wenn die Vase aus Atlantis stammte, mußte auch die Münze von dorther kommen.  Meine Nachforschungen ergaben nun, daß die phönizischen Buchstaben erst hinterdrein, also nach Einstempelung der Figuren auf die Vorderseite der Scheibe, eingeritzt worden waren.  Wie dies geschah, ist mir bis jetzt ein Rätsel.  Aber es ist offensichtlich so.
Außerdem fand ich in der Sammlung noch die anderen wichtigen Stücke, die nach der Angabe meines Großvaters ebenfalls aus Atlantis stammen sollten.  Darunter war ein Ring aus dem gleichen merkwürdigen Metall wie die Münzen oder Medaillen.  Dann war da ein seltsam aussehender Elefant aus versteinerten Knochen, dann eine ausgesprochen archaische Vase und noch andere Gegenstände, die ich jetzt nicht erwähnen kann.  Außerdem war auch noch die Kartenskizze da, an Hand welcher der ägyptische Hauptmann Atlantis gesucht hatte.  Über die anderen Gegenstände zu sprechen, möchte ich mir für mein umfangreiches Werk vorbehalten - übrigens darf ich ja auch nach den Anweisungen meines Großvaters darüber nicht berichten.  Es mag genügen, wenn ich sage, daß kein Wisssenschaftler sie mir streitig machen kann.  Die Eulenvase, die archaische Vase, die Bronze- vase und der Ring tragen die phönizische Inschrift.  Beim Elefanten und bei den Münzen fehlt sie.

Mein Großvater hatte geschrieben, ich solle zunächst meine Aufmerksamkeit auf die Ruinen des Tempels von Sais und auf das Chacuna-Tal in Amerika lenken.  Ich reiste zuerst nach Ägypten und begann mit Ausgrabungen rings um die Ruinen von Sais.  Lange arbeitete ich vergeblich.  Ich fand interessante alte Stücke von kultischer und astronomischer Bedeutung, aber keine Spuren von dem, was ich suchte.
Aber eines Tages lernte ich einen ägyptischen Jäger kennen, der mir eine Sammlung alter Münzen zeigte, die er in einem Sarkophag aus einem Grab in der Nähe gefunden hatte.  Wer beschreibt mein Erstaunen, als ich in dieser Sammlung zwei Münzen von derselben Art und Größe entdeckte, wie die weiße Münze aus der trojanischen Vase!  Die Figuren waren in den Einzelheiten nicht genau so ausgearbeitet, und die Inschrift war lückenhaft (lacking), aber sie waren zweifellos von gleicher Herkunft wie die meinige. - Ich kaufte sie dem Jäger ab und durchsuchte den Sarkophag.  Es zeigte sich, daß es der Sarkophag eines Priesters der I. Dynastie war!  Ein uralter also!  Aber er enthielt sonst nichts, was für mich von Interesse gewesen wäre.

War das nicht ein Fortschritt?  Hier war die Münze aus der Trojavase, die, wenn mein Großvater Recht hatte, aus Atlantis stammte.  Und hier waren noch zwei Münzen der gleichen Art aus einem Priestersarkophag aus der I. Dynastie vom Tempel zu Sais, ausgerechnet jenem Tempel, in dem die Berichte über Atlantis aufbewahrt und von dessen Priester sie dem Solon mitgeteilt wurden, jenem Tempel, der von einem Sohne Atlantis' erbaut worden war, der mit einer Tochter des Chronos geflohen war, jenes Königs, dessen Name auf der Vase von Hissarlik, die die Münze enthielt, stand.  Welch wunderbare Zusammenhänge!
Zu meiner Unterstützung wandte ich mich an zwei berühmte französische geologische Sachverständige, und wir durchforschten die Westküste von Afrika an den von meinem Großvater bezeichneten Punkten, wo, wie er annahm, direkte Zusammenhänge mit Atlantis bestanden hätten.  Wir fanden die ganze Küste mit vulkanischen Auswurfsmassen bedeckt.  Erst in einiger Entfernung von der Küste waren solche Erscheinungen nicht mehr festzustellen.  Viele Meilen weit sah es so aus, als ob durch die vulkanische Tätigkeit Land von der Küste abgerissen worden wäre.  Hier fand ich einen Gegenstand von unschätzbarem Wert für meine Forschungen.  Einen Kinderkopf aus demselben Metall wie der Ring und die Münzen.  Er lag eingebettet in einer Kruste vulkanischer Asche hohen Alters.  Die chemische Analyse ergab genau die gleiche seltsame Legierung, die ich beschrieben habe.
Die Gesamtergebnisse dieser Nachforschungen kann ich hier nicht wiedergeben.  Sie waren von ungeheurer Wichtigkeit und können jederzeit von anderen bestätigt werden.

Ich ging nach Paris und suchte den Eigentümer der mittelamerikanischen Sammlung auf, die mein Großvater erwähnt hatte.  Er war einverstanden, daß ich seine eulenköpfige Vase für meine Forschungszwecke aufbrach.  Das geschah - und heraus fiel eine Münze von genau derselben Größe und demselben Material wie die drei anderen, die ich schon besaß!  Der einzige Unterschied bestand in der Anordnung der Hieroglyphen!
Damit hatte ich nun fünf Glieder einer Kette in Händen: die Münzen in der geheimen Sammlung meines Großvaters; die Münze in der Atlantis-Vase; die Münzen in dem ägyptischen Sarkophag; die Münze in der Vase aus Mittelamerika; den Kinderkopf von der marokkanischen Küste.
Ich fuhr sofort nach Mittelamerika, nach Mexiko und nach Peru.  Ich habe Gräberfelder untersucht und in Städten nachgegraben.  Das Gräberfeld der alten Chimus im Chacuna-Tal lieferte mir wieder nach anderer Richtung hin außerordentliches Material.  Ich muß sagen, daß ich, obwohl mir noch Bruchstücke von eulenköpfigen Vasen in die Hände kamen, keine Münzen mehr fand.  Aber was ich fand, war genau so wertvoll.  Nämlich Inschriften, die, wenn ich sie publizierte, die Welt in Staunen setzen würden.  Und in der Pyramide von Teotihuakan in Mexiko fand ich Münzen von derselben Legierung, aber mit anderer Beschriftung.

Ich habe Anhaltspunkte dafür, daß diese seltsamen Münzen vor 40 000 Jahren in Atlantis als Geld verwandt wurden.  Diese Annahme stützt sich nicht nur auf meine eigenen Forschungen, sondern auch auf gewisse Untersuchungen meines Großvaters, von denen ich noch nicht gesprochen habe.  Der "Tempel der Durchsichtigen Wände" war eine Staatsschatzkammer des untergegangenen Kontinents.  Da die Atlantier und später die Ägypter, die Maya und die Chimus unter Priesterherrschaft standen, war es natürlich, daß ein Tempel Mittelpunkt und Grundlage ihres sozialen und politischen Lebens bildete und zugleich auch den Ausgangspunkt für Künste, Wissenschaften, Erziehung und Religion.  Unter den in meinem Buch behandelten Tatsachen finden sich genaue Hinweise auf die "Stadt der Goldenen Tore", wie sie hieß, und zwei genaue Beschreibungen des "Tempels der Durchsichtigen Wände".
Dieser atlantische "Tempel der Durchsichtigen Wände" war üblicherweise ein öffentlicher Platz.  Alle heiligen Zeremonien waren dem Volk zugänglich.  Hatte das Wort "durchsichtig" symbolische Bedeutung?  Oder besaß der Bau tatsächlich durchsichtige Wände?  Ich weiß es nicht.  Doch glaube ich beweisen zu können, daß die Phönizier ihre Kenntnis der Glasherstellung dem "Volke, das jenseits der Herkules-Säulen lebte", verdankten.  Es muß unbedingt noch gesagt werden, daß das Land, in dem diese alten Münzen den Gegenwert für Arbeit bedeuteten, ein besseres Währungssystem besaß, als wir heute.

Ich übergebe jetzt aus Raummangel die Hieroglyphen und anderen Beweisstücke, die ich fand und die mir bewiesen, daß die Kulturen Ägyptens, Mykenäs, Mittelamerikas, Südamerikas und die Mittelmeerkulturen einen gemeinsamen Ursprung hatten.  Dies ist unbestreitbar.  Ich komme aber jetzt zur Übertragung eines Maya-Manuskripts, einem Stück aus der berühmten Sammlung Le Plongeons, dem Troana-Manuskript.  Es kann im Britischen Museum eingesehen werden.  Die Übertragung lautet:
"Im Jahre 6 Kan, am 11. Muluk, im Monat Zak, begannen furchtbare Erdbeben, die ohne Unterbrechung bis zum 13 Chuen dauerten.  Das Land der Schlammberge, das Land Mu, wurde ihr Opfer.  Nachdem es zweimal emporgehoben worden war, verschwand es, über Nacht, nachdem es ununterbrochen von der Macht unterirdischer Vulkane aufgewühlt worden war.  Das feste Land hob und senkte sich mehrere Male.  Schließlich gab die Erde nach, und zehn Länder wurden auseinandergerissen und zerfetzt.  Sie sanken mit ihren 64 Millionen Einwohnern, 8000 Jahre vor Aufzeichnung dieses Buches."
Unter den Urkunden des uralten Buddhistischen Tempels zu Lhassa befindet sich ein altes chaldäisches Manuskript, ungefähr 2000 Jahre vor Christus geschrieben.  Dort heißt es:
"Als der Stern Bal auf die Stelle niederfiel, wo jetzt nur Wasser und Himmel ist (!!), erzitterten und bebten die Sieben Städte mit ihren Goldenen Toren und Durchsichtigen Tempeln wie die Blätter eines Baumes im Sturm.  Und da ergoß sich ein Feuersturm und Rauch aus den Palästen.  Todesseufzer und Schreie der Menge erfüllten die Luft.  Sie suchten Zuflucht in ihren Tempeln und Zitadellen.  Und der weise Mu, der Oberpriester von Ra-Mu, erhob sich und sprach: 'Sagte ich dies nicht alles voraus?'  Und die Frauen und Männer mit ihren kostbaren edelsteinbesetzten Gewändern jammerten: 'Mu, rette uns!'  Und Mu erwiderte: 'Ihr werdet alle zusammen sterben mit euren Sklaven und Reichtümern, und aus euerer Asche werden neue Nationen erstehen.  Wenn diese vergessen, daß sie über den Dingen stehen sollen, nicht nur in Bezug auf das, was sie gewinnen, sondern auch auf das, was sie verlieren, wird sie dasselbe Los treffen.'  Flammen und Rauch ersticken Mus Worte.  Das Land und seine Einwohner wurde in Stücke zerrissen und alsbald von der Tiefe verschlungen."
Was bedeuten diese beiden Berichte - der eine aus Tibet, der andere aus Mittelamerika -, die beide von dem gleichen Kataklysma berichten und sich beide auf das Land Mu beziehen?
Wenn ich alle mir bekannten Tatsachen anführen wollte, wäre es weiter kein Rätsel. -

Aber ich will noch zum Schluß einen Augenblick lang von dem Dokument meines Großvaters sprechen, von dem ich ausgegangen bin und das die Grundlage aller meiner Forschungen bildete.  Nach Erwähnung der Inschrift, die er auf den Kuppelgräbern von Mykenä gefunden hatte, fuhr er fort:
"Die Religion der Ägypter war hauptsächlich ein Sonnenkult.  Ra war der Sonnengott der Ägypter.  Dieselbe Religion hatten die Maya in Mittelamerika.  Ra-Na war der Sonnengott der alten Peruaner.
Meine langjährigen archäologischen Untersuchungen der Kultur verschiedener Völker haben ergeben, daß diese sich bei ihnen allen bis in die früheste Kindheit zurückverfolgen läßt.  Aber es ist mir nicht gelungen, irgendwelche Spuren eines rohen und barbarischen Ägyptens oder einer rohen, barbarischen Mayarasse aufzufinden.  Ich habe festgestellt, daß diese beiden Völker schon in ihrer allerfrühesten Periode hochentwickelt, reif, geschickt und gelehrt dastehen.  Ich habe niemals eine Frühperiode feststellen können, in der sie etwa noch nicht fähig gewesen wären, ihre Arbeit zu organisieren oder Kanäle zu graben, Landstraßen, Pyramiden und Tempel zu bauen, Felder zu bewässern, oder eine Zeit, in der ihnen das Wissen um Medizin, Astronomie und die Grundbegriffe einer hochentwickelten staatlichen Organisation gefehlt hätten.  Wie die Maya, so lebten auch die Ägypter in Monogamie, und sie bauten auch ihre Städte und Tempel in dem gleichen Stil wie jene, wobei sie technisches Wissen und Fertigkeiten an den Tag legten, die den heutigen Ingenieuren rätselhaft sind.  Weder die Ägypter noch die Maya waren schwarzhäutig, sondern gelb.  Beide Völker hatten Sklaven und eine Gebildetenklasse, aber die Beziehungen der Klassen untereinander waren herzliche und humane.  In ihren Grundprinzipien stimmen auch die beiderseitigen Regierungsformen überein.
Lepsius stellte die gleichen heiligen Symbole für die heiligen Handlungen der Ägypter wie der Peruaner fest.  Le Plongeon, der große französische Archäologe, entdeckte in Chich'en Itza in Yukatan die Statue eines Gottes mit einem Klumpfuß, der auch sonst mit den gleichen Attributen ausgestattet war wie der große Gott Thoth der Ägypter!
Bei den ägyptischen und wie bei den amerikanischen Pyramiden bildete eine dicke Schicht glatten und glänzenden Zements von einer Stärke, wie unsere Baumeister sie nicht herstellen können, die Außenhaut.  Humboldt erkannte in der Pyramide von Cholula den gleichen Typ wie im Jupitertempel von Belus.
In beiden Amerika und Ägypten wurden die Pyramiden im selben Stil gebaut.  Ich habe gefunden, daß auf beiden Seiten des Atlantik die Pyramiden mit ihren vier Seiten wie die Arme eines Kreuzes astronomisch genau nach den Weltgegenden orientiert werden.  Hier wie dort fällt die durch ihren Mittelpunkt gezogene Linie mit dem astronomischen Meridian zusammen.  Die Konstruktion der Neigungswinkel und der Stufen ist die gleiche, und hier wie dort sind die größeren Pyramiden der Sonne geweiht."


Damit ist der Aufsatz zu Ende.  Aber der Fall Paul Schliemann ist damit noch nicht zu Ende.  Die Diskussion über ihn muß vielmehr erst beginnen. ...


Bemerkung der WEL-Schriftleitung:
Um eine voreingenommene Einstellung beim lesen des Berichtes von Paul Schliemann nicht entstehen zu lassen, haben wir den Aufsatz von E. Georg hier nur teilweise wiedergegeben. Ob der Bericht von Paul Schliemann glaubwürdig ist oder nicht, muß jeder selbst entscheiden. Fakt ist, daß das in dem Bericht angekündigte Werk Paul Schliemanns niemals erschien und er selbst nach der Veröffentlichung verschwunden bzw. verschollen ist.


(Aufsatzquelle: Monatsheft "Schlüssel zum Weltgeschehen", Heft 8/9, S. 232-249, Jahrg. 1931, R. Voigtländers Verlag-Leipzig)